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Thomas Schmieder sucht in einem Berg aus Trümmern nach seiner Festplatte. Bagger helfen beim Durchsortieren des Bauschutts. Fotos: t&w
Thomas Schmieder sucht in einem Berg aus Trümmern nach seiner Festplatte. Bagger helfen beim Durchsortieren des Bauschutts. Fotos: t&w

Die Suche nach dem kleinen Glück im Schutt

mm Lüneburg/Bardowick. Was vom Brand übrig blieb, türmt sich in hohen Bergen auf der Deponie der Gesellschaft für Abfallwirtschaft in Bardowick. Bagger durchkämmen pausenlos 2500 Kubikmeter Bauschutt. Die ehemaligen Bewohner des abgebrannten Lösecke-Hauses am Stint hoffen, zwischen den Trümmerhaufen vielleicht doch noch wichtige Habseligkeiten wiederzufinden. Gezielt suchen sie nach Fotos, Erinnerungsstücken, Musikinstrumenten, Laptops, Festplatten. Mancher wird sogar fündig.

Thomas Thämlitz hat es nach eifrigem Suchen geschafft. Er zieht sein Laptop und die dazugehörige Festplatte, auf der seine privaten Dateien und viele Musiktitel abgespeichert sind, aus den Trümmern. Beides ist sichtlich mitgenommen, vom edlen Computer ist kaum mehr als das ramponierte Gehäuse übrig. Direkt darunter liegt sein gänzlich demoliertes Fahrrad. Es war gerade mal zwei Wochen alt. Besser sieht die Festplatte aus. „Mit ganz viel Glück lässt sich da vielleicht noch was machen“, hofft Thämlitz.

Der Gitarrenbauer war erst vor dreieinhalb Wochen mit seiner Freundin in das Gebäude gezogen, hatte dort seine Gitarrenwerkstatt aufgebaut. Davon verblieben sind eine Gitarren-Kopfplatte und ein Griffbrett. „Die Wohnung war eigentlich ein Oberglücksgriff“, findet Thämlitz noch jetzt. „Besser und cooler hätte ich es als Gitarrenbauer gar nicht haben können.“ Jetzt müssen er und seine Freundin sich nach einer neuen Herberge umsehen. „Etwas Vergleichbares werden wir aber nicht finden“, glaubt Thämlitz. „Wo kann ich denn in der Innenstadt mit so einem einmaligen Flair wohnen, laut sein und an Gitarren bauen?“

Als „Schwanken zwischen Traurigkeit und Euphorie“ beschreibt Roland Dietrich, Sachgebietsleiter bei der GfA, die aufreibende Suche nach Wertgegenständen. Dietrich und seine Kollegen stehen den Geschädigten zur Seite. Schauen mit, ob sich in den Trümmern noch Verwertbares finden lässt, leisten Trauerarbeit. Bei vielen bestehe anfangs durchaus Hoffnung, Geliebtes wiederzubekommen, doch angesichts der meist komplett zerstörten Gegenstände mache sich schnell Ernüchterung breit, beschreibt Dietrich. Dennoch kommen sie.

Thomas Schmieder war am Mittwoch schon da, gestern wieder. Er wohnte in der dritten Etage. Ein Moment des Glücks erlebte auch er auf der Deponie. „Ich habe eine handvoll Familienfotos gefunden“, erzählt er. Allerdings sind sie alle lose und pappen gewaltig aneinander. Schmieder weiß nicht, was er damit noch machen soll. Der Selbstständige sucht weiter fieberhaft nach seiner Festplatte: „Es gab eine Sicherungskopie mit meiner jahrelangen Arbeit.“ Das ist jetzt alles weg.

Bruchstücke von Verlorengegangenem finden sich in Bardowick noch an, zusammensetzen lassen sie sich nicht mehr. Dennoch: Die Reste bleiben erstmal auf der Deponie, „so lange bis sie uns von den Eigentümern übereignet werden“, verspricht Roland Dietrich.