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Haben den Dreh raus: Die Mitglieder der Lüneburger Jugendfeuerwehr wissen mit Schläuchen umzugehen. Neben dem Training stehen aber auch Zeltlager, Wettkämpfe und Turniere auf dem Programm. Foto: t&w
Haben den Dreh raus: Die Mitglieder der Lüneburger Jugendfeuerwehr wissen mit Schläuchen umzugehen. Neben dem Training stehen aber auch Zeltlager, Wettkämpfe und Turniere auf dem Programm. Foto: t&w

Ein halbes Jahrhundert für den Nachwuchs

us Lüneburg. Vor einem halben Jahr wollte Renko Gerken was Neues machen, „etwas, das auch spannend ist“, erzählt der Elfjährige. Er blätterte in seinem Lego-Katalog – und wurde fündig: „Krankenwagen fand ich langweilig, Polizei auch, aber die Feuerwehr hat mir gefallen, vor allem die Autos.“ Kurze Zeit später war er Mitglied der Lüneburger Jugendfeuerwehr. Begeistert von den roten Einsatzwagen ist auch Colin Möller, ebenfalls elf Jahre alt. „Ich bin auch schon damit gefahren“, berichtet er stolz. Er kam durch seinen Vater zur Feuerwehr, der seit mehreren Jahren in Lüneburg aktiv ist.

Renko und Colin gehören zu den jüngeren Mitgliedern der Lüneburger Jugendfeuerwehr, die gestern 50 Jahre alt geworden ist. 21 Mitglieder zählt sie aktuell, die 14 Jungen und 7 Mädchen sind zwischen 11 und 17 Jahre alt. Mit rund der Hälfte startete die Jugendfeuerwehr am 6. Dezember 1963. Damals waren es ausschließlich Jungs, Mädchen waren erst ab 1992 zugelassen – drei machten von dem Angebot auch gleich Gebrauch. „Heute sind Mädchen bei der Feuerwehr selbstverständlich“, sagt Mirko Gebhardt. Als Jugendfeuerwehrwart betreut er die Jugendlichen, trifft sich mit ihnen ein-, zweimal die Woche. „Im Winter ist vor allem Geräte- und Fahrzeugkunde unser Thema, im Sommer geht’s raus, wir veranstalten Wettkämpfe, fahren ins Zeltlager, organisieren Quizturniere“, erzählt er.

Von den Zeltlagern schwärmt Bernd Bockelmann noch heute. 1962 kam der spätere langjährige Stadtbrandmeister zur Lüneburger Feuerwehr, ein Jahr vor der „Geburtsstunde“ der Jugendabteilung, die er von 1969 bis 1979 leitete. „Für mich die schönste Zeit“, gesteht der 67-Jährige und ergänzt nicht ganz ohne Stolz: „Wir waren für unsere aktive Jugendarbeit im Landkreis bekannt.“

Darin sieht er noch heute den Schwerpunkt in der Arbeit mit dem Nachwuchs. „Die gemeinsamen Fahrten an den Wochenenden oder in die Zeltlager schweißen die jungen Menschen zusammen. Daraus entstehen Freundschaften, die oft ein ganzes Leben halten“, sagt er. Damals sei man schon mal 20 Kilometer gewandert, habe mit 30 Mann in einer Jurte übernachtet und Nachtwanderungen gemacht, „aber das ist heute so natürlich nicht mehr möglich“, sagt Bockelmann.

Dass sich die Zeiten geändert haben, weiß auch Mirko Gebhardt. „Von unserem Spitzenjahr 1999 sind wir im Augenblick weit entfernt“, sagt er. Damals waren 38 Jungen und Mädchen bei der Jugendfeuerwehr, seitdem sind die Mitgliederzahlen kontinuierlich gesunken. „Die Jugendlichen haben heute weniger Zeit“, sagt der Jugendwart, vor allem der längere Schultag bis in den Nachmittag hinein sei ein Problem.

Die knappen Zeit- und Personalressourcen sind auch der Grund, warum das 50-jährige Bestehen der Lüneburger Jugendfeuerwehr nur in kleinem Rahmen stattfinden wird. „Das hat nichts mit dem Großbrand am Montag zu tun“, macht die stellvertretende Ortsbrandmeisterin Merlan Fischer klar, „inzwischen sind Schmutz und Staub ja auch längst wieder abgeschüttelt.“ Als Aktive war sie selbst viele Stunden mit im Einsatz im Wasserviertel.

Eine Festveranstaltung wird es heute, Sonnabend, – einen Tag nach dem offiziellen Geburtstag – dennoch geben. Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt wollen gratulieren. Mit dabei sein wird auch der 16-jährige Simon Redenius. Er ist seit fünf Jahren bei der Jugendfeuerwehr, in zwei Jahren, wenn er 18 ist, ist offiziell Schluss. Doch sein Entschluss steht bereits fest: „Ich mache weiter.“ In der aktiven Wehr darf er dann auch löschen.