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Ihr fehlt die linke Hand, ihren Alltag aber meistert Yvonne Liebau problemlos. Gerne würde sie arbeiten, doch viele Chefs und auch die Arbeitsagentur würden ihr das wohl nicht zutrauen, ist sie überzeugt. Foto: t&w
Ihr fehlt die linke Hand, ihren Alltag aber meistert Yvonne Liebau problemlos. Gerne würde sie arbeiten, doch viele Chefs und auch die Arbeitsagentur würden ihr das wohl nicht zutrauen, ist sie überzeugt. Foto: t&w

Mit 29 viel zu jung für die Rente

ca Lüneburg. Zwei Blicke, ein Urteil: Absage. Das hat Yvonne Liebau schon oft erlebt, wenn sie sich für eine Stelle beworben hat. Sie weiß, sie trägt eine Menge Pfunde zuviel mit sich herum, doch das ist wohl das geringere Problem. Der 29-Jährigen fehlt die linke Hand. Wahrscheinlich eine Folge des Schlafmittels Contergan, das ihre Mutter während der Schwangerschaft genommen hat, genau weiß sie es nicht: „Ich komme aus der ehemaligen DDR, da soll es das länger gegeben haben, angeblich wurde es unter dem Ladentisch verkauft.“ Letztlich sei ihr die Ursache auch egal, denn sie lebt ohne die Hand und hat Strategien entwickelt, durch den Alltag zu kommen: „Doch Arbeitgeber interessiert das nicht.“ Bei der Agentur für Arbeit habe man ihr angeblich vorgeschlagen, eine Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen.

„Ich möchte aber keine Rente, sondern arbeiten“, sagt Yvonne Liebau. „Ich kann doch mit 29 nicht immer zu Hause sitzen.“ Sie würde gerne in einer Kindertagesstätte oder in einem Seniorenheim anfangen: „Ich habe schon Praktika dort gemacht, die alten Leute gewaschen und betreut.“ Trotzdem habe sie keine Umschulung oder Ausbildung in diesem Bereich beginnen können. „Ich zeig‘ Ihnen was“, sagt sie und zieht einen ihrer Schuhe aus, um zu demonstrieren, wie sie eine Schleifen binden kann: „Warum sagen mir Berater, was ich kann? Ich lebe doch mit nur einer Hand, weiß, was ich hinbekomme. Angeblich kann ich nicht schwer heben. Beim Praktikum im Altenheim habe ich die Senioren doch angehoben.“

Die junge Frau hat kein einfaches Leben hinter sich, darüber spricht sie ganz offen. In der Schule hätten Kinder sie gehänselt wegen ihrer Behinderung. Sie sei in Ostdeutschland in einer Pflegefamilie aufgewachsen, dort sei sie geschlagen worden, sie wechselte mit 17 ins betreute Wohnen, eine Ausbildung zur Bürokauffrau habe sie abgebrochen. Sie habe sogar auch mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch eine Therapie und ihr Freund hätten ihr schließlich den Lebensmut zurückgegeben. Nun möchte sie durchstarten.

Wer Yvonne Liebau helfen möchte, erreicht sie per E-Mail an nefia84@web.de.