Dienstag , 27. September 2016
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St. Johannis eröffnet am Sonntag ein Mini-Museum - Rätsel um Reliquie
St. Johannis eröffnet am Sonntag ein Mini-Museum - Rätsel um Reliquie

Kammer der vergessenen Schätze

rast Lüneburg. Als die St. Johanniskirche 2006/07 renoviert wurde, mussten auch Schränke in der Elisabeth-Kapelle geleert werden. Dabei kam Überraschendes zum Vorschein: Die Gemeinde verfügt über Kostbarkeiten, von denen sie gar nichts wusste, die nicht inventarisiert sind – dazu zählt auch der geheimnisvolle Schädel eines unbekannten Heiligen, die einzige Schädel-Reliquie im Bereich der Landeskirche Hannover. Die wertvollen Funde sind zu einer Ausstellung zusammengefasst worden und finden nun Platz in der alten Sakristei, die sich zu einem Mini-Museum gewandelt hat. Eingeweiht wird der völlig neu gestaltete Raum während des Gottesdienstes am Sonntag, 8. Dezember, um 10 Uhr. Dann kann er auch erstmals besichtigt werden.

„Es ist keine abgeschlossene Schatzkammer“, sagt Superintendentin Christine Schmid: „Der Gemeinde ist es wichtig, Kunstwerke aus ihrer Geschichte in Vitrinen und mit allen konservatorischen Möglichkeiten den Besuchern sach- und fachgerecht zugänglich zu machen.“ Und das als Teil der Kirche in einer geistlichen Atmosphäre. Dafür warb die Gemeinde laut Kirchenvorsteherin Kathrin Meinecke, Vorsitzende des Kunstausschusses als Projektgruppe zur Realisierung des Vorhabens, erfolgreich um Spenden: „Von den 130 000 Euro Gesamtkosten wurden 50 000 Euro für den Erhalt der teilweise aus dem Mittelalter stammenden Textilien gebraucht, hinzu kommen Summen etwa für die Spezialvitrinen und die Medienstation, per Touchscreen werden die einzelnen Exponate vorgestellt.“ Die größte Spende kam von der VGH-Stiftung, vermittelt hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge als Patron der Gemeinde. Das Konservieren der Textilien erfolgte in der Textilrestaurierungswerkstatt der Klosterkammer Hannover, die im Kloster Lüne untergebracht ist. Darum kümmerten sich Wiebke Haase und Tanja Weißgrab vom Kunstausschuss.

Gezeigt werden nun laut der Kunsthistorikerin Dr. Charlotte Klack-Eitzen, ebenfalls Mitglied im Ausschuss, Objekte aus dem Mittelalter und der nachreformatorischen Zeit, teilweise mit genauen Datierungen und Stifternamen: „Hier zeigte sich in Lüneburg überraschend kein abrupter Wechsel von der katholischen zur evangelischen Zeit“, sagt die für die Dokumentation zuständige Historikerin. So wurde der Gemeinde noch im 17. Jahrhundert ein Kelchdeckel gestiftet, der zuvor nur bei den Katholiken Vorschrift war. Laut Superintendentin Schmid hätten die Katholiken solche Spenden quasi als Eintrittskarte in den Himmel gesehen, die evangelischen Christen später hätten so ihren Reichtum und ihre Verbundenheit zur Gemeinde öffentlich darstellen wollen. Der in der Ausstellung präsentierte Kelch kam nach dem Abriss der St. Lamberti-Kirche zu St. Johannis, wurde von Pfarrer Gerbert Eberwyn gestiftet, Schmid: „Der Kelch trägt den Eber als doppeldeutiges Emblem – für den Stifter und für die Salzsau.“

„Endlich wieder komplett ist der Satz der zwölf Ratsherren-Kissen aus dem Jahr 1606“, freut sich Kathrin Meinecke, ist dieses doch eine Besonderheit im norddeutschen Raum. Die meisten Kissen wurden in der Kapelle entdeckt: „Eines der Sitzkissen wurde nach unseren Nachforschungen vor über 20 Jahren für eine Ausstellung nach Helmstedt ausgeliehen. Das hatten wir nun zurückgefordert. Zurückgeführt wurden beispielsweise auch ein Buchkasten und ein Kreuz aus dem Lüneburger Museum.“

Weiterer Anziehungspunkt ist die Büste der Heiligen Cäcilie, die Patronin der Kirchenmusik lächelt aus einer Vitrine heraus. In der befindet sich auch der geheimnisvolle Schädel.