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Marlene Ruth (links) und Isabel Paula haben Punsch und Glühwein in ihren Tonkrügen: Die Stadtwachen brauchen auch mal was Heißes. Foto: t&w
Marlene Ruth (links) und Isabel Paula haben Punsch und Glühwein in ihren Tonkrügen: Die Stadtwachen brauchen auch mal was Heißes. Foto: t&w

Die Leckereien der Apothekerin

us Lüneburg. Durch die westliche Lüneburger Altstadt zieht der Duft von gerösteten Esskastanien und Würzwein, die Trommelschläge der Stadtwache wetteifern mit den Ambossklängen des Kunstschmieds – es ist Christmarkt in Lüneburg. Wieder sind Tausende Besucher an diesem Wochenende gekommen, um sich von der besonderen Atmosphäre dieses mittelalterlichen Weihnachtsmarktes rund um St. Michaelis einfangen zu lassen. Etwa 60 Händler stellen ihre Erzeugnisse, meist handgefertigte Waren, in den eigens für diesen Markt vorbereiteten Ständen aus.

„Wir hatten Mühe, rechtzeitig fertig zu werden“, erzählt Curt Pomp, Vorsitzender des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA), der den Markt seit 1983 ausrichtet. Orkantief Xaver hatte den Aufbauplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht, geklappt hat es dann aber doch noch, pünktlich um 12 Uhr lässt die Stadtwache am Sonnabend die ersten Besucher passieren.

Anna Fenemann ist begeistert: „Wir sind zum ersten Mal hier, Studenten hatten uns davon berichtet, und da wollten wir jetzt selbst mal schauen. Es gefällt uns sehr.“ Curt Pomp, wie alle Händler und ALA-Helfer passend zum Markt nach Art der Renaissance gekleidet, schaut unterdessen kritisch von Stand zu Stand, ob nicht vielleicht doch irgendwo Elektrisches aufleuchtet, denn eigentlich sind nur Kerzen für die Beleuchtung erlaubt. „Unser Markt lebt von der Authentizität“, sagt er, „das müssen wir uns erhalten.“

Er kennt die meisten Händler, viele kommen schon seit Jahren zum Christmarkt. Als er einen Blick auf seine Armbanduhr wirft, schallt es von hinten: „Das ist aber keine Renaissance-Uhr!“ „Doch, eine Sonnenuhr fürs Handgelenk,“ kontert Pomp mit einem Augenzwinkern.

Seit ein paar Jahren ist auch Dorothea Wendt mit einem Stand beim Markt vertreten. Die Apothekerin aus Lüneburg bietet selbstgemachtes Marzipan und „Magenmorsellen“ an. „Morsellen sind ein mittalterliches Konfekt, sie bestehen aus elf Zutaten, darunter Zimt, Nelken, Ingwer, Koriander und natürlich Zucker.“ Dass dieses „Krafftbrod“, wie die Morsellen früher auch genannt wurden, von ihr als Apothekerin hergestellt werden, erklärt sie auch: „Das Zuckerprivileg, also das Recht, Zucker verarbeiten zu dürfen, hatten früher nur die Apotheken.“ Ihre liebevoll in kleinen Holzschachteln eingepackten Leckereien bietet sie nur auf dem Christmarkt an, „und auf dem Handwerkermarkt im Sommer“, ergänzt sie.

Curt Pomp ist inzwischen die Stufen zu St. Michaelis hoch gegangen, dort spielen fünf Musiker, „Capella Hora Decima“ nennen sie sich. Das Ensemble spielt auf Zinken, auch Cornette genannt, und Barock-Posaunen Stücke von Johann Pezelius, Stadtpfeifer-Musik von 1685. „Wir kennen uns von früher“, sagt Pomp. „Beim Christmarkt sind sie aber zum ersten Mal dabei.“

Auch zum ersten Mal auf dem Christmarkt sind Sina Kämpf und Sebastian Rose aus Lübeck. Beim Stand mit den Mistelzweigen halten sie an, um sich einen Kuss zu geben. Hubertus Macholdt, der die Mistelzweige anbietet, weiß natürlich um den alten Brauch. „Es heißt, dass man ein halbes Jahr später heiraten wird“, sagt er. Sina Kämpf und Sebastian Rose schmunzeln, so recht glauben mögen sie es aber nicht, schließlich kennen sich ja erst seit wenigen Monaten.

Noch ein bisschen Zeit lassen mit dem Heiraten können sich Annabell Gernert und Josefine Abheiden. In ihrem Korb haben sie Äpfel und kleine weiße Säckchen. „Da ist Lavendel drin“, sagt die neunjährige Annabell, „das duftet gut.“ Ihre Freundin Josefine kennt sich gut aus auf dem Christmarkt. Sie wohnt in der Altstadt und hilft schon seit ein paar Jahren mit. „Im nächsten Jahr kommen wir wieder“, versprechen sie, dann ziehen beide weiter.

 

Foto: t&w

Fotogalerie: Mittelalterlicher Christmarkt