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Robert Lucius Groh äußert in seinem fiktiven Werk Wir sind Uni harsche Kritik an den Strukturen seiner Universität auf dem Lande bei der Neuausrichtung. Deutliche Bezüge zur Leuphana sind unverkennbar. 
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Robert Lucius Groh äußert in seinem fiktiven Werk Wir sind Uni harsche Kritik an den Strukturen seiner Universität auf dem Lande bei der Neuausrichtung. Deutliche Bezüge zur Leuphana sind unverkennbar. Foto: nh

Insider verarbeitet seinen Uni-Frust

mm Lüneburg. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder einer existierenden Universität scheinen nicht zufällig, sondern wohl gewollt beim Roman „Wir sind Uni – Eine bildungspolitische Provinzposse – Und Humboldt kam nicht über die Elbe“.

Dass viele bei der Lektüre des Buches fatal oft an die Leuphana und deren Weg zur Elite-Uni denken, liegt nicht nur im Inhalt, sondern vermutlich auch in der Vita des Autors begründet: Robert Lucius Groh. „Ich habe drei Jahre lang für das Universitätsmarketing in Lüneburg gearbeitet.“ Grohs Leuphana-Engagement war auf Zeit angelegt. Dass am Ende kein Sterbenswörtchen über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses verloren wurde, nicht mal vom Präsidenten, laut Groh ein ehemaliger Studienkollege aus der Schweiz, wurmte ihn schon.

„Wir sind Uni“ liest sich denn auch über weite Strecken wie eine Abrechnung, ist aber auch als Kritik am Uni-Alltag zu verstehen. Ein sarkastisches Leseerlebnis über eine – um es im Tenor des Buches wiederzugeben – im Beliebigkeitsmodus nach Gut- und Schlechtdünken agierende Verwaltungseinheit einer Hochschule, gepaart mit einer grundlegenden Kritik am deutschen Bildungssystem.

Besonders kritisch beäugt der in Berlin lebende Groh den Absolutheitsanspruch seiner fiktiven Uni „auf dem Lande“. Er schreibt von Hinterzimmerintrigen, Haudrauf-Taktik, es wird an nichts gespart beim Auftrag der „Gestaltung der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“.

Doch der Titelheld kommt bei seiner Marketingaufgabe im Gestalten des Alleinstellungsmerkmals der Hochschule und dem Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsplatz eher unter die Räder. Das Uni-Karussell dreht sich für den Protagonisten ganz eindeutig ein paar Umdrehungen zu schnell: Alleinstellung hier, Giga-Bauprojekt da. Und das unter den Fittichen des „umtriebigen Oberspielleiters“, wie Groh den Vize-Präsidenten seiner Uni beschreibt. „Du wirst uns journalistisch beratend zur Seite stehen, und bis auf Weiteres Susie Quer, unsere bisherige Projektbeauftragte, halbwegs ersetzen, die uns für etwa zwei Monate abhanden gekommen ist“, nimmt ihn „Kanzler Magnus First“ in Beschlag. Der Grund für „das Abhandenkommen“ sei „ein kleiner Burn-out“, das könne schon mal passieren, lässt Groh den Uni-Vize sagen.

Auf dem Campus wird der Roman mal als Satire, mal aber auch mit einem der Lieblingszitate des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer gelesen und begleitet: „Rache ist eine Speise, die man am besten kalt serviert.“

Ob Grohs „Enthüllungs-Roman“ den Unterhaltungswert und die Sprengkraft von Dietrich Schwanitz‘ „Der Campus“ hat, eine Bestseller-Satire über die Hamburger Uni, erweist sich im Buchhandel: tredition Verlag, 15,99 Euro, im Internet als E-Book unter: http://www.tredition. de/?books/ID38005/Wir-sind-Uni