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Die Stadt will angesichts des wachsenden Hanseviertels die Einzelhandelssituation prüfen lassen. Foto: be
Die Stadt will angesichts des wachsenden Hanseviertels die Einzelhandelssituation prüfen lassen. Foto: be

Noch ein neuer Supermarkt?

us Lüneburg. Das Hanseviertel in Lüneburgs Osten wächst, einen zusätzlichen Schub erhofft sich die Stadt, wenn weitere, jetzt noch zur Schlieffenkaserne gehörende Flächen für die Entwicklung des neuen Stadtteils vom Bund freigegeben werden. Mit steigender Einwohnerzahl aber wächst auch das Bedürfnis nach einer Nahversorgung im Viertel. Zwar könnte ein neuer, großflächiger Lebensmittelmarkt, wie von der Stadt erwogen, Abhilfe schaffen, sich zugleich aber negativ auf die bereits bestehenden Versorgungsbereiche im Osten der Stadt auswirken. Jetzt sollen Gutachter prüfen, ob ein neuer zentraler Versorgungsbereich die Nahversorgung im Hanseviertel verbessern kann. Das beschloss der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung.

Zehn sogenannte Nahversorgungszentren gibt es in der Stadt, festgelegt im „Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzept“, das 2011 vom Rat verabschiedet wurde. Diese Zentren, so das Konzept, sind in ihrer Funktion zu stärken, großflächige Betriebe nur innerhalb der bestehenden Zentren zuzulassen. Das Problem: Die Ansiedlung eines größeren Lebensmitteldiscounters im Hanseviertel mit einer für solche Märkte heute üblichen Verkaufsfläche von 1400 Quadratmetern lässt das bisherige Konzept nicht zu. „Lediglich ein einzelnes Geschäft mit bis zu 800 Quadratmetern Nutzfläche wäre möglich“, verdeutlicht Stadtbaurätin Heike Gundermann. Für den künftigen Bedarf im Hanseviertel aber wäre diese Fläche vermutlich zu klein, außerdem möchte die Stadt dort auch mehr als nur ein einziges Geschäft ansiedeln.

Um nun doch einen Weg zu finden, wie die Nahversorgung im Bereich des Hanseviertels sichergestellt werden kann, ohne bestehende Supermärkte zu gefährden, schlägt die Stadt die Fortentwicklung des bestehenden Konzepts vor. „In welchen Bereichen sind wir überversorgt, wo haben wir Defizite?“, umschreibt Heike Gundermann den Auftrag dazu. Sie erinnert zugleich daran, dass das bisherige Konzept über einen längeren Zeitraum entwickelt und die Nachverdichtung des Hanseviertels erst später Thema geworden sei.

Konkret sollen die Ansiedlung eines großflächigen Lebensmittelmarktes im Hanseviertel und die Zukunftsfähigkeit des zentralen Versorgungsbereichs an der Bleckeder Landstraße geprüft werden. Auch sollen Gutachter die Vergrößerung von Einzelhandelsflächen in Kaltenmoor und Entwicklungsmöglichkeiten für das frühere Lucia-Gelände unter die Lupe nehmen.

Von den Mitgliedern des Bauausschusses wurde der Vorschlag der Stadt weitestgehend positiv aufgenommen. Birte Schellmann von der FDP wollte wissen, ob das neue Versorgungszentrum auch dann komme, wenn dadurch das bestehende Zentrum an der Bleckeder Landstraße geschwächt würde, und erhielt von der Stadtbaurätin ein eindeutiges Nein. Eberhard Manzke von der CDU empfahl deshalb, im Gutachten auch die Möglichkeit der Zusammenlegung beider Zentren prüfen zu lassen.

Andreas Meihsies von den Grünen richtete den Blick auf das Gebiet zwischen Bleckeder und Dahlenburger Landstraße. „Ein neues Zentrum im Hanseviertel kann für dieses Gebiet Probleme bereiten“, sagte er. Deshalb sei eine Entwicklungsstrategie für das gesamte Gebiet erforderlich. Seine Parteikollegin Susanne Puschmann empfahl, erstmal das Gutachten abzuwarten.

Kritisch bewertete Rainer Petroll (Die Linke) das Vorhaben. Er sehe keine Notwendigkeit für ein neues Gutachten. Auch mutmaßte er, dass es sich lediglich um „ein Gefälligkeitsgutachten für die IDB“ handeln könne, die im Auftrag der Sparkasse die Flächen im Hanseviertel vermarktet.

Letztlich stimmten die Mitglieder einstimmig für die Fortentwicklung des Konzepts, dafür soll ein externer Gutachter beauftragt werden. Stadtbaurätin Heike Gundermann bezifferte die Kosten auf „eher unter 10 000 Euro“.