Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Beraterin Susanne Hille (l.) gibt der Auszubildenden Jasmin Brandt Nachhilfe in der Industriebuchführung. Foto: cw
Beraterin Susanne Hille (l.) gibt der Auszubildenden Jasmin Brandt Nachhilfe in der Industriebuchführung. Foto: cw

„Fachkräfteschmiede“ hilft Azubi und Betrieb

cw Lüneburg. Jasmin Brandt ist mutig. Die 18-jährige Auszubildende hat gemerkt, dass sie in einigen Fächern der Berufsschule nicht mitkommt und sie hat um Hilfe gebeten. Jasmins Kollegen bei der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Lüneburg waren ebenfalls mutig und haben ihr diese Chance gegeben. Mit Hilfe des Modellprojekts „Fachkräfteschmiede“ der Grone-Schule erhält die 18-Jährige jetzt ein individuelles Coaching und Nachhilfe in Industriebuchführung. „Das hilft mir wirklich, denn wenn wir es immer wieder durchgehen, kann ich es irgendwann auch selbstständig“, sagt Jasmin Brandt.

„Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, junge Menschen durch die Ausbildung zu begleiten und sie zu motivieren“, sagt Integrationsberaterin Susanne Hille. Sie betreut gemeinsam mit Friederike Kurzhals das Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter des Landkreises Lüneburg entstanden ist. „Jede fünfte Ausbildung wird abgebrochen“, berichtet Susanne Hille bei einem Vortrag des Wirtschaftskreises Reinstorf. „Unser Ziel ist es, das zu ändern, davon hat jeder etwas: der Auszubildende und auch der Betrieb.“

Finanziert wird das Ganze aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und ist deshalb für die Teilnehmer kostenlos. Die Betriebe werden um Spenden gebeten. Geboten wird ein umfassendes Coaching von Alltagskompetenzen, über ein offenes Ohr für Sorgen bis hin zu konkreter Nachhilfe. Die beiden Frauen der Fachkräfteschmiede sind extrem flexibel, versuchen herauszufinden, wo es hakt, und warum und sie sorgen dann für Unterstützung – notfalls auch mit externen Fachkräften.

„Grundlage für das alles ist das Vertrauen zu den Auszubildenden“, sagt Hille. Im Rahmen von „Azubi-Treffs“ werden in regelmäßigen Abständen gemeinsame Freizeitaktivitäten organisiert, die eine weitere Basis für Gespräche schaffen. „Wir wollen den Azubis nicht alles abnehmen, sondern ihnen einen Weg zeigen, der für sie gangbar ist.“ Die Fachkräfteschmiede ist offen für Auszubildende, Betriebe oder auch Angehörige, die merken, dass eine Begleitung der Ausbildung notwendig ist. Dreh- und Angelpunkt ist aber immer der Wille des Auszubildenden.

„Ohne die Hilfe der Fachkräfteschmiede wären wir verloren gewesen“, sagt Susanne Sticht, die mit Jasmin arbeitet. „Sie hat ein unglaubliches Vertrauen aufgebaut und wir sind entlastet.“ Die Fachkräfteschmiede vermittele teils auch überbetriebliche Inhalte, die der Betrieb so nicht leisten könne.

Auch Cornelia Meyer vom Hotel Bergström ist von der Arbeit der beiden Frauen begeistert. „Wir haben einen Auszubildenden, der das dritte Mal durch die praktische Prüfung als Koch gefallen ist“, sagt sie. „Er ist aufgeschlossen und begabt, aber die Prüfung schafft er einfach nicht.“ Der junge Mann habe sich immer weiter zurückgezogen. Susanne Hille hat das Gespräch gesucht und Zugang gefunden. „Er hat einfach ein Problem mit Zeitmanagement und mit dem Prüfungsdruck“, sagt sie. Meyer ist froh, dass der Azubi und die Fachkräfteschmiede sich gefunden haben. „Die Grone-Schule musste bei uns einen großen Scherbenhaufen zusammenfegen, aber es hat sich gelohnt.“

Das Modellprojekt Fachkräfteschmiede läuft noch bis zum 30. Juni 2014 und kann maximal 50 Teilnehmer betreuen. Das Team hilft mit dem Ziel, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und junge Menschen auf ihren Berufsalltag vorzubereiten. Infos gibt es bei Susanne Hille unter Tel.: 0 41 31 / 22 097 15 oder s.hille@grone.de und bei Friederike Kurzhals unter f.kurzhals@grone.de.cw