Dienstag , 27. September 2016
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Papier und Bleistift haben längst ausgedient, Michael Mantel zeichnet heute direkt am Computer. Foto: t&w
Papier und Bleistift haben längst ausgedient, Michael Mantel zeichnet heute direkt am Computer. Foto: t&w

Der Mann hinter Urmel und Tarzan +++ Mit Video

jae Lüneburg. Die Wegbeschreibung war präzise – und notwendig. Mitten in der Lüneburger Altstadt ist die kleine Hinterhofwohnung von Michael Mantel schon mal zu übersehen. Glanz und Glamour sucht man hier vergebens, aber ein Hauch von Hollywood lässt sich nicht leugnen. In seinem Wohnzimmer fabriziert der Illustrator und Storyboard-Zeichner Michael Mantel hier, was später auf den Leinwänden der Kinos zu sehen ist.

Zum Film kam der 36-Jährige aber eher zufällig, „als mich jemand von meiner damaligen Hochschule anrief. Der war bei einem Filmprojekt in Hannover beschäftigt und hat mich gefragt, ob ich nicht auch Lust habe, sowas zu machen“. Mit „sowas“ meint der studierte Kommunikationsdesigner das Vorzeichnen der einzelnen Filmsequenzen, so, wie sie im Drehbuch angelegt sind. „Der Storyboard-Zeichner fängt mit einem Drehbuch an, das er sich durchliest. Und dann passiert das, was bei allen passiert, die ein Buch lesen: Im Kopf entsteht eine Welt mit Bildern und bestimmten Figuren. Dieses Kopfkino zu konkretisieren und einen Film daraus zu machen, das ist die Aufgabe des Storyboard-Zeichners“, sagt Mantel.

Was als Experiment begann, ist für Michael Mantel längst sein täglich Brot geworden. Nach dem ersten Film „Back to Gaya“ machte er sich selbstständig und zeichnet heute für Kinoproduktionen genauso wie für Werbefilme oder Illustrationen in Zeitschriften. Je nachdem, wie aufwendig die Aufträge sind, sind dafür ein paar Stunden bis zu mehreren Monaten Arbeit notwendig. Für einen kompletten Kinofilm sitzt der Lüneburger auch schon mal ein ganzes Jahr am Zeichenpult.

Seine alten Stifte hat Michael Mantel aufbewahrt. Es sind Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit, als Papier noch sein Werkzeug, Buntstift und Radiergummi seine täglichen Begleiter waren. Heute arbeitet er fast ausschließlich digital. Ein paar Mal fegt er mit den Fingern über den Monitor, dann schaut ein alter Fischer vom Bildschirm auf.

Was einfach aussieht, hat Michael Mantel viel Übung gekostet. „Ich fand es immer faszinierend, wie toll Andere zeichnen konnten. Ich wollte das auch gerne.“ Also probierte er es aus, „klemmte sich dahinter“, wie er sagt, zeichnete Comics von Asterix und Obelix nach und versuchte sich in Aquarellmalerei. Oft habe er zu hören bekommen, „mach bloß etwas, womit du Geld verdienen kannst, mach nicht sowas“. Er machte es trotzdem – mit Erfolg.

An vier Kinofilmen hat Mantel bereits mitgewirkt, darunter „Urmel aus dem Eis“ und „Die Konferenz der Tiere“. Aktuell arbeitet er an den Vorzeichnungen zum Film „Tarzan“, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. „Ich bin froh, einer derjenigen zu sein, die die Möglichkeit haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen“, sagt er demütig. In Deutschland gäbe es nur wenige Produktionsfirmen, die Storyboard-Zeichner einsetzen. Dabei liegt der Vorteil für Mantel auf der Hand: „Wenn es Änderungen gibt, ist es einfacher, die Zeichnung neu zu machen, als wenn wir den fertigen Film haben und wieder von vorne anfangen müssen, weil es am Ende nicht funktioniert.“

Ob es am Ende funktioniert, entscheidet der Kinobesucher. Dann ist Michael Mantel längst von der Bildfläche verschwunden, genauso wie seine Zeichnungen. „Storyboards sind am Ende nur Mittel zum Zweck, von den Bildern an sich sieht keiner mehr was“. Daran müsse man sich eben gewöhnen, sagt Mantel, man brauche immer ein Team, um einen Film überhaupt fertig zu stellen, „Stolz ist dann fehl am Platz“, ist sich Mantel sicher.

Und während sich die großen Kinosäle des Landes füllen, sitzt Michael Mantel in seiner Hinterhofwohnung in der Lüneburger Altstadt und zeichnet längst an dem nächsten Projekt. Die große Bühne ist nicht sein Ding, denn er ist einer der Männer hinter dem Film.