Dienstag , 27. September 2016
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Foto: t&w
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Einmal mit Leergut vollmachen, bitte!

mm Lüneburg. Es ist kein seltenes Bild auf Lüneburgs Straßen: Menschen wühlen mit ihren Händen in Mülleimern. Sie sind auf der Suche nach Pfandflaschen, für die sie im Geschäft ein paar Cent bekommen. „Pfandflaschensammler sollten nicht im Müll suchen. Das ist erniedrigend. Die Verletzungsgefahr durch Scherben und Spritzen ist hoch“, finden fünf Studenten. Deshalb hat das Quintett jetzt am Uni-Standort Rotes Feld zwei Kisten öffentlich aufgehängt, eine auf dem Parkplatz, die andere am Rotenbleicher Weg. Die Idee: Wer selbst nicht auf den Pfand angewiesen oder zu bequem ist, die Flaschen ins Geschäft zurückzubringen, kann sie einfach dort hineinstellen, damit andere davon profitieren.

„Wir wollen Pfandkisten in Lüneburg etablieren“, sagt Hanna Mertke, die wie ihre Kommilitonen Umweltwissenschaft im fünften Semester studiert. Die Studenten der Leuphana entschieden sich für das Projekt im Rahmen des Seminars „Transdisziplinäre Forschungsprojekte“. Für sie geht die Initiative jedoch über die Uni hinaus.

Bundesweiter Initiator und Koordinator solcher Sammelprojekte ist die Initiative „Pfand gehört daneben“. In Hamburg und Köln werden Pfandkisten, die meist an Straßenlaternen in der Nähe von Mülleimern befestigt sind, längst toleriert, in Berlin, Düren oder Salem gibt es Pilotprojekte. So weit ist man in Lüneburg bisher noch nicht. „Die Stadt braucht lange, unser Projekt schien den Vetretern bislang zu kurzfristig angelegt“, verdeutlicht Jonas Bannert.

Zu den Pfandkisten an Laternenpfählen gibt es noch Alternativen: ein Pfandrohr oder ein Pfandring an Mülleimern. Beides ist in der Anschaffung jedoch teurer als die recht günstigen Kisten. Die Stückkosten pro aufgebohrten Getränkekasten lägen zwischen 5 und 10 Euro. Gut investiertes Geld, finden die Studenten, denn in Deutschland gingen schätzungsweise 172 Millionen Euro an Pfand in der Tonne flöten. Wenn Pfandflaschen in dafür vorgesehene Behälter gestellt werden, könnte das sonst verlorene Geld sozial bedürftigen Menschen zugute kommen.

Doch profitieren am Ende möglicherweise gar nicht die Bedürftigen, weil sich andere die Flaschen herausnehmen und abkassieren? Daran glauben die Studenten nicht. Und auch Obdachlosenvereinigungen befürworteten das Projekt, weil „es den Menschen die Würde zurückgibt und eine Kultur der Solidarität fördert“.

One comment

  1. Das gleiche System gibt es in Duisburg mit dem Slogan »Geld wirft man nicht weg«. Dabei wird allerdings damit geworben, den Pfand neben die Mülleimer zu stellen.
    Auch eine wirklich tolle Idee