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Ob ein Mann oder eine Frau an der Spitze der Bundeswehr steht, ist für den Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, Tim Grünewald (M.), Stabsunteroffizier Laura Lubner und Hauptmann Thomas Hild nicht entscheidend: Auf den Führungsstil kommt es an. Foto: t&w
Ob ein Mann oder eine Frau an der Spitze der Bundeswehr steht, ist für den Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, Tim Grünewald (M.), Stabsunteroffizier Laura Lubner und Hauptmann Thomas Hild nicht entscheidend: Auf den Führungsstil kommt es an. Foto: t&w

Politische Erfahrung zählt

kre Lüneburg. Ganz angekommen ist Ursula von der Leyen (CDU) als neue Verteidigungsministerin bei den Lüneburger Aufklärern noch nicht: Im Dienstzimmer des Kommandeurs, Oberstleutnant Tim Grünewald, hängt noch das Porträt ihres Amtsvorgängers Thomas de MaiziÉre (CDU). Gleich neben dem des Bundespräsidenten. „Wir haben noch kein Foto der Ministerin“, sagt Grünewald entschuldigend.

Den medialen Hype darüber, dass nun erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau die Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr hat, können die Soldaten in Lüneburg ohnehin nur schwer nachvollziehen: „Wir haben den Eindruck, dass das außerhalb der Truppe deutlich mehr diskutiert und thematisiert wird als innerhalb der Kaserne“, haben auch Hauptmann Thomas Hild und Stabsunteroffizier Laura Lubner beobachtet.

In der Tat: Seit bekannt ist, dass die Niedersächsin vom Arbeits- in das Verteidigungsressort wechselt, machen in den sozialen Netzwerken immer mehr hämische Kommentare und Fotomontagen die Runde. Tim Grünewald und seine Soldaten finden längst nicht alle witzig: Die Ministerin, dargestellt als halbnackte Lara Croft aus dem Film Tomb-Raider – „das geht gar nicht“, findet Laura Lubner.

Dass die CDU-Politikerin bislang verteidigungspolitisch noch nicht in Erscheinung getreten ist, ist für Oberstleutnant Tim Grünewald kein Problem: „Entscheidend in diesem Amt ist ihre politische Erfahrung. Sie wird sich einarbeiten und einfinden“, ist der Kommandeur überzeugt. Im Übrigen: „In anderen Ländern, Spanien etwa, aber auch in Frankreich, den Niederlanden oder auch in Skandinavien sind Frauen als Verteidigungsminister längst gang und gäbe.“

Aufgaben warten auf die frisch ernannte Verteidigungsministerin mehr als genug: „Der Abzug deutscher Kampftruppen aus Afghanistan, die Planung der Nachfolge-Missionen, Rüstungsprojekte, die Neuausrichtung der Bundeswehr“, listet Grünewald auf. Und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Aber da bauen die Lüneburger Aufklärer ganz auf die Erfahrungen der ehemaligen Arbeits- und Sozialministerin.