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Trauer ums alte Lösecke-Haus, Optimismus für den Aufbau (v.l.): die Architekten Gunnar Schulze und Henryk Reimers, Bewohner Daniel Hambrock, Eigentümer Michael von Hartz, die Wirte Huw Hamilton und Alex de Flaviis. Foto: ca
Trauer ums alte Lösecke-Haus, Optimismus für den Aufbau (v.l.): die Architekten Gunnar Schulze und Henryk Reimers, Bewohner Daniel Hambrock, Eigentümer Michael von Hartz, die Wirte Huw Hamilton und Alex de Flaviis. Foto: ca

Aus Ruine soll Schmuckstück werden

ca Lüneburg. Manchem in der Runde, die gestern Vormittag in Anna’s Café am Stintmarkt zusammenkam, war zum Heulen zumute: Sie haben Existenzen, Wohnungen, Hab und Gut verloren. Doch unterkriegen lassen wollen sie sich nicht. Vor allem nicht Michael von Hartz, dem das ausgebrannte ehemalige Lösecke-Haus gehört: „Im Juni oder Juli 2015 sitzen wir alle in der Trattoria der Familie de Flaviis wieder zum Essen zusammen.“ Der renommierte Grafiker aus Barum ist optimistisch, dass er gemeinsam mit Handwerkern aus der Ruine wieder ein Schmuckstück nach altem Vorbild machen kann.

Seine Architekten Gunnar Schulze und Henryk Reimers sind vorsichtiger, glauben, dass der Wiederaufbau eher bis Ende 2015 dauern dürfte. Doch auch sie wollen das Ganze zügig angehen: Schon gestern haben Arbeiter Schutt weggeräumt, nun soll ein Statiker prüfen, inwieweit der wenig angegriffene Keller als Fundament dienen kann; Planungen laufen, die selbstverständlich aktuelle Vorgaben bei Brandschutz und Wärmedämmung berücksichtigen müssen. Das Duo möchte bereits im März einen Bauantrag einreichen.

Michael von Hartz ist sich mit den Fachleuten einig: „Das Haus soll von außen so aussehen wie zuvor.“ Er möchte, dass – sofern möglich – alte Materialien verwendet werden. Einbinden in die Konzeption will er die Wirte der Trattoria, Alex und Ines de Flaviis, und des Irish Pub, Huw Hamilton. Die wollen gerne wieder in das Haus zurückkehren. Hamilton sucht derzeit nach Übergangslösungen: „Es gibt zwei Objekte, fest ist aber nichts.“

Das italienische Ehepaar, in dessen Lokal der Brand gelegt wurde, ist tief erschüttert. Ines de Flaviis stand gestern das erste Mal inmitten des Schutts. Unter Tränen entdeckte sie ein paar Bestecke und sammelte sie aus dem Dreck. Sie leidet unter den Gerüchten, die ihre Familie mit dem Feuer in Verbindung bringen: Niemand habe sie angesprochen und um Schutzgeld erpresst. „Wir fragen uns, ging es gegen unsere Familie, gegen den Betrieb?“ Sie findet keine Antwort. Wie ihr Mann ist sie fassungslos, dass jemand ein Haus anzündet, in dem Menschen schlafen. Ihr Mann räumt Probleme mit dem Finanzamt ein, auch dass er das Geschäft auf seine Tochter überschrieben hat. Er habe aber keinen Vorteil durch den Brand. „Die Versicherung reicht nicht aus für den Schaden, der uns entstanden ist.“

Mit Versicherungsfragen hat sich auch von Hartz beschäftigt: Seine Gesellschaft habe ihm zugesichert, den Schaden zu regulieren, trotz Brandstiftung. Die Architekten ergänzen, mit der Assekuranz „gibt es keine Probleme, es gibt keine Auswirkungen auf unsere Arbeit“.

Nachdem eine Belohnung von 20 000 Euro ausgelobt wurde, seien einige Hinweise bei der Polizei eingegangen. Eine 20-köpfige Sonderkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags und schwerer Brandstiftung. Hinweise: Tel.: 29 23 63.