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Die Grafik zeigt, wie der Grapengießer-Brunnen aussehen könnte. An dem Quell, den der Verein Lüneburger Kaufleute der Stadt schenken will, scheiden sich die Geister. Quelle: agentur toreros
Die Grafik zeigt, wie der Grapengießer-Brunnen aussehen könnte. An dem Quell, den der Verein Lüneburger Kaufleute der Stadt schenken will, scheiden sich die Geister. Quelle: agentur toreros

Denkmalschutz vor Gericht

ca Lüneburg. Der Streit wird fast so engagiert geführt wie eine Debatte um eine Weltanschauung: Für die einen würde ein Brunnen vor der Industrie- und Handelskammer den Sande beleben. Kritiker hingegen meinen, so ein Quell störe den Blick auf das erhabene, jahrhundertealte schwarze Gebäude und sei ein Verstoß gegen den Denkmalschutz. Nun übernimmt das Verwaltungsgericht quasi die Schiedsrichterrolle. Gerichtssprecher Gerd Ludolfs bestätigt, dass die zuständige Kammer den Fall am 20. Februar verhandeln will. Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung ist eine Klage von Adolf Zelle, dem ein Teil des von der IHK genutzen Ensembles gehört. Er fürchtet durch die gestörte Sichtachse um den Denkmalwert seiner Immobilie und hat sich gegen eine Genehmigung der Stadt gewandt.

Die Geschichte reicht bis Anfang der 2000er-Jahre zurück. Damals hatte die Stadt zu einem Wettbewerb für einen Brunnen aufgerufen. Eine Jury sprach sich für das Modell Grapengießer der Hamburger Künstlerin Doris Waschk-Balz aus. Doch am Ende geriet das Projekt in Vergessenheit. Vor zwei Jahren griff der Lüneburger VGH-Chef Martin Aude die Idee wieder auf. Der Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute wollte der Stadt anlässlich des 100. Geburtstages des Vereins ein bleibendes Geschenk machen, eben diesen Brunnen. Viele Firmen beteiligten sich, um die Kosten von rund 160 000 Euro zusammenzubekommen, Doris Waschk-Balz überarbeitete ihren Entwurf. Es waren Sponsoren für Folgekosten gefunden.

Dann, Ende 2012, reichte Zelle seine Klage ein, damit wurde das Projekt wieder in eine künstliche Schlafphase geschickt – es sollte kein Geld ausgegeben werden für eine Geschichte, deren Ausgang ungewiss ist. Neben Zuspruch hatte der Brunnen-Entwurf, der etwa so hoch ausfallen würde wie ein Erker am IHK-Gebäude, auch viel Ablehnung erfahren: Er passe nicht dort hin. Im Februar nun wird das Verwaltungsgericht darüber befinden, inwieweit eine Frage des Geschmacks juristisch zu klären ist.