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Nur für ein paar Tage ist Charlotte Peters nach Lüneburg gekommen, um in ihrer Heimatstadt die Feiertage zu verbringen. Zu Beginn des neuen Jahres fährt sie wieder an den Genfer See, wo die dreijährige Marie Therese die Granny Aupair sehnlichst erwartet. Foto: t&w
Nur für ein paar Tage ist Charlotte Peters nach Lüneburg gekommen, um in ihrer Heimatstadt die Feiertage zu verbringen. Zu Beginn des neuen Jahres fährt sie wieder an den Genfer See, wo die dreijährige Marie Therese die Granny Aupair sehnlichst erwartet. Foto: t&w

Als Großmutter auf Zeit ins Ausland

as Lüneburg. Als Au-pair in einer Gastfamilie tätig sein, dabei Kultur und Sprache des Gastlandes kennenlernen, dieses Angebot verbindet man eigentlich mit jungen Menschen. Die Lüneburgerin Charlotte Peters ist zurzeit bereits zum zweiten Mal bei einer Familie in der Schweiz im Einsatz. Allerdings ist die ehemalige Medizinisch-Technische-Assistentin ein Granny (Oma) Aupair. Mit Beginn ihrer Altersteilzeit Ende 2012 entschied sich die heute 62-Jährige, als Großmutter auf Zeit ins Ausland zu gehen.

Charlotte Peters ist zweifache Mutter, hat also Erfahrung im Umgang mit Kindern, aber leider keine Enkelkinder, wie sie selber sagt. Außerdem reizt es sie, sich immer wieder auf neue Menschen einzustellen und andere Kulturen kennenzulernen. Da kam ihr der Tipp einer Freundin genau recht, dass man als Granny Aupair tätig sein könne. Sie nahm zu der gleichnamigen Hamburger Initiative Kontakt auf, die seit 2010 mittlerweile 500 Grannies in 40 Länder vermittelt hat. Eigentlich wäre sie gerne in ein englischsprachiges Land gegangen, sagt Charlotte Peters. ,,Doch dann meldete sich die Schweizer Familie bei mir per Mail. Ihre damalige Granny musste aus familiären Gründen kurzfristig aussteigen.“ Nach einigen Telefonaten entschied die Lüneburgerin spontan, gleich am ersten Tag ihrer beginnenden Altersteilzeit in die Schweiz an den Genfer See zu fahren.

Die inzwischen dreijährige Tochter der Familie, Marie Therese, wuchs Charlotte Peters vom ersten Moment an ans Herz. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kleine jeden Morgen in den deutsch-französischen Kindergarten zu bringen. ,,Abends wird sie meistens von ihrer berufstätigen, vielbeschäftigten Mutter abgeholt. Dann gibt es ein gemeinsames warmes Abendessen, welches ich schon vorbereitet habe. Ich koche gerne. Im Haushalt kümmere ich mich außerdem um die Wäsche, alles andere wird von einer Haushaltshilfe erledigt.“ Samstags geht es mit der Familie aufs Land, auf einem ,,wunderschönen“ Markt werden die Lebensmittel für die ganze Woche eingekauft. Ein Genuss sei es dann, wenn mittags die köstlichsten Käsesorten mit Brot verkostet würden, berichtet Peters, die wie die Schweizer Familie großen Wert auf gutes biologisches Essen legt.

Mit dabei ist sie auch, wenn am Wochenende Ausflüge gemacht werden. Doch es steht ihr auch frei, sich einfach ,,auszuklinken“. Auch unter der Woche bleibt ihr reichlich Freizeit, die sie mit Joggen am Genfer See, viel Lesen und Stricken verbringt. Was ihr in ihrer Heimat auf Zeit allerdings manchmal fehlt, ist ,,das Leben am Abend“. Und das Kontakteknüpfen sei schwierig: ,,Die französische Schweiz ist schon ein besonderes Völkchen.“ In ihrer Gastfamilie fühlt sie sich jedoch gut aufgehoben und integriert. Und damit der Kontakt zu Familie und Freunden in ihrer Heimatstadt ständig steht, nutzt sie das Internet.

Bei ihrem ersten Einsatz als Granny auf Zeit war Charlotte Peters fünf Monate bis Ostern 2013 in der Schweiz. Der Abschied fiel ihr schwer bei der Vorstellung, dass sich die Kleine an eine neue Granny gewöhnen müsste. Und auch Marie Therese war sichtlich betrübt: ,,Beim Abschied schaute sie mich nicht an.“ Doch es sollte ein Wiedersehen geben. Denn mit den beiden Grannies, die folgten, konnten sich die Kleine und ihre Eltern nicht wirklich arrangieren. Als der Hilferuf kam, war Charlotte Peters nur zu gern bereit, wieder die Koffer zu packen. ,,Man ist natürlich schon ein bisschen gebauchpinselt, wenn man spürt, dass man gebraucht wird“, gibt sie offen zu. Aber der wesentliche Grund ist Marie Therese: ,,Ich fühle mich verantwortlich für die Kleine. Diese strahlenden Augen, wenn sie mich auf dem Bahnsteig erkennt, lassen mein Herz einfach höher schlagen. Es ist ein schönes Gefühl, so angenommen zu werden.“ Kein Wunder, dass die Lüneburgerin ihren Wunsch, auch in anderen Ländern tätig zu sein, erst einmal auf Eis gelegt hat.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Charlotte Peters ist ein Mensch, der immer in Bewegung ist und Neues entde“cken und bewegen möchte. So hat sie zum Beispiel im vergangenen Sommer als Erntehelferin auf einem Südtiroler Bergbauernhof mit angepackt. Daheim in Lüneburg engagiert sie sich für ein Wohnprojekt. Ihr Wunsch für die Zukunft: ,,Dass mich mein Unternehmungsgeist noch lange jung und fit hält.“