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Blauer Himmel, herrlicher Strand, molliges Wasser -- so feiern die Lüneburger (v. l.) Robert Gerzmann, Jonas Matthaei und Lennart Fleer in Neuseeland Weihnachten. Foto: nh
Blauer Himmel, herrlicher Strand, molliges Wasser -- so feiern die Lüneburger (v. l.) Robert Gerzmann, Jonas Matthaei und Lennart Fleer in Neuseeland Weihnachten. Foto: nh

Weihnachtslieder am heißen Strand

pet Lüneburg. Weihnachten. Viele, die weit weg von Lüneburg lernen oder arbeiten, kommen da zurück, um mit der Familie zu feiern. Für viele ist es andersherum — sie verbringen Weihnachten tausende Kilometer von zu Hause entfernt. Einige berichten in der LZ über ihr spezielles Weihnachten — aus Australien, Südafrika, Nicaragua und Neuseeland.

,,Gerade auf die Weihnachtszeit habe ich mich gefreut“, erzählt Isabel Kramer (18), die als Au pair in einer Familie in Australien lebt. ,,Es ist komisch, Weihnachten im Sommer zu feiern, aber auch zu sehen, welche Bräuche es hier auch gibt und welche eigenen Traditionen das Land hat. Zum Beispiel wird der Nikolaustag hier nicht gefeiert, und einen Adventskranz gibt es auch nicht.

“ Weihnachten wird in Australien am 25. Dezember morgens gefeiert. Isabel Kramer: ,,Die Geschenke sind in großen So“cken. Danach wird es einen Brunch mit der Familie geben, den Rest des Tages ruht man sich aus — ob von der Hitze, oder dem vielen Essen — wohl von beidem.“ Dann kommt das Kontrastprogramm: ,,Mit anderen Au pairs geht es an den Strand, Plätzchen essen, und uns bei 38 Grad im Meer abkühlen.“

18200 Kilometer von Lüneburg entfernt verbringen Lisa Schöwe (18) und Frederieke Mevenkamp (19) Weihnachten. Sie sind auf ,,Work and Travel“-Tour in Neuseeland — sie verdienen sich das Geld, das sie fürs Leben brauchen. ,,Wir haben schon einiges erlebt, ob gut oder schlecht — es hat uns weitergebracht“, erzählen sie. ,,Was aber die bisher größte Herausforderung sein wird, ist das Fest ohne unsere Familien.“

Und weiter: ,,Weihnachtsstimmung mag hier in Blenheim nicht so aufkommen. Bei 20 bis 30 Grad tagsüber, hat man nicht das Gefühl, bald Weihnachten zu feiern — da fehlen Mütze, Schal und Kälte. In Deutschland beginnt die Weihnachtszeit im November, hier wurden vorletzte Woche in manchen Läden erste Dekos ausgepackt, unser Hostel wurde am 20. Dezember geschmückt.“

Heiligabend selbst werden Lisa Schöwe und Frederieke Mevenkamp mit drei deutschen Mitbewohnern und zwei Chilenen am Strand verbringen: ,,Es werden Weihnachtslieder gesungen, ein Plastiktannenbaum wird da sein und neben Kartoffelsalat mit Würstchen werden wir es uns mit Bratäpfeln, Stockbrot, Brownies und Glühwein gut gehen lassen.“

Mit dem Campervan bereisen auch Jonas Matthaei (18) und Robert Gerzmann (19) Neuseeland — an Weihnachten sind sie in Mount Maunganui, einem Badeort am Bay of Plenty. Vorher hatten sie auf einem Weingut und einer Hirschfarm gearbeitet. ,,Jetzt wollten wir auf der Nordinsel die Weihnachtsatmosphäre der Kiwis entdecken.“

Dort treffen sie noch einen Lüneburger, um mit ihm Zeit zu verbringen: Lennart Fleer (18), der als Demi pair, eine Mischung aus Au pair und Sprachschüler, arbeitet. Lennart Mat“thaei: ,,Die Strände werden voll sein von Feiernden. Aber: Tannenbaum und Weihnachtsmütze dürfen nicht fehlen.“

Die Adendorferin Anna-Lisa Klages (24) lebt schon seit dem Abitur nicht mehr im Landkreis — Weihnachten hat sie aber immer gern mit der Familie verbracht. Seit einem Jahr arbeitet sie im Freiwilligendienst als Kunsttherapeutin bei ,,nph nicaragua“ in einem Kinderdorf in Nicaragua, mit 300 Kindern. Sie werde den Weihnachts-Gottesdienst in ärmellosen Shirts und leichter Kleidung im offenen Ranchon, einer Art Pavillon feiern. Anna-Lisa Klages: ,,Statt von Orgelmusik wird unser Gesang von Marimbas, Gitarren und Bongos begleitet.“

Nach der Messe wird gegessen, dann holen sich die Kinder ihr Geschenk ab. Neben Kleidung und Spielzeug gibt es Schokolade und einen Apfel. Anna-Lisa Klages: ,,Zugegeben, ich freue mich auf letzteres besonders, denn auch, wenn es einen Überfluss an Mangos, Ananas und Papaya gibt, Äpfel wachsen hier nicht. Wenn die Kinder im Bett sind, werden wir Freiwilligen feiern.“ Es wird gewichtelt und dank der Familien daheim gibt es belgische Schokolade, österreichische Kekse, Glühfix für den Glühwein aus Deutschland und französische Tarte au Chocolat.

Alica Räke (18) lebt in Robertson nahe Kapstadt. Dort gehört sie in der ,,Herberg Kinderhuis“ zu den Freiwilligen, die sich um 120 Kinder kümmern. Alica und ihre Mitstreiter kümmern sich um die Kleinsten, spielen, füttern, helfen den Älteren bei den Hausaufgaben.

Alica Räke erzählt: ,,Da zurzeit Ferien sind, feiern wir Weihnachten mit einer kleinen Gruppe von 20 Kindern. Am Abend des 24. Dezember hängen die Kinder ihre Strümpfe auf.“ Natürlich in der Hoffnung, dass sie viele Geschenke bekommen. „Da der Sommer hier im Dezember beginnt und im März endet, bekommen wir von der besinnlichen Weihnachtsstimmung aus Deutschland höchstens via Skype etwas mit. Anstatt sich besonders warm anzuziehen, müssen wir uns bei 30 Grad gut eincremen.“