Donnerstag , 29. September 2016
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Gründach

Lüneburgs grünes Potenzial

mm Lüneburg. Ganze Landschaften auf Lüneburgs Dächern entstehen lassen möchte Robert Feller. Und er ist überzeugt, dass sich die Idee verwirklichen lässt – durch intensive Grünbedachung. Die ist auf den Häusern der Hansestadt bisher noch eine Rarität. Was getan werden kann und welche Herausforderungen es bei der Umsetzung gibt, erläutert der 27-jährige Student der Leuphana in seiner Abschlussarbeit für den Bachelorstudiengang Umweltwissenschaft.

Rund 400 Hektar Dachfläche gibt es im Lüneburger Stadtgebiet, verteilt auf je 200 Hektar Flach- und Schrägdächer, hat Feller durch die Auswertung von Luftbildern der Gebäudeflächen mit einer Statistiksoftware ermittelt. Das sei eine Fläche doppelt so groß wie der Fürstenstaat Monaco, aber sie sei größtenteils ungenutzt.

Der Student möchte die Lüneburger Baukultur in eine ökologische Richtung lenken. Es solle mehr begehbare Gründächer geben. Der Gedanke ist nicht ganz neu, schon bei den alten Römern habe es solche Dächer gegeben. Nun könne die Natur auch in Lüneburg zurück in die Stadt geholt werden. „Es sollte überlegt werden, wie dem Klimawandel im städtischen Bereich begegnet werden kann“, findet Feller und verdeutlicht: „Im Jahr 1879 gab es in Lüneburg einen Heide-Anteil von acht Prozent auf einer Fläche von 558 Hektar.“ Vor gut zwanzig Jahren seien es nur noch 14 Hektar gewesen.

Die Uni als Vorreiter: Die Leuphana hat auf ihren Hörsälen und der Bibliothek sogar eine begehbare Dachbegrünung.

Heide und Moore könnten auf Dächern als Biotope angelegt werden. Die Heide müsste aber beweidet werden, weil sie sonst schnell verbuschen würde. Fellers ungewöhnliche Idee: „Heidschnucken auf den Dächern könnten als Weidetiere dienen.“ Er weiß aber auch: „Die Heide in die Stadt zu holen, würde wahrscheinlich kurzfristig, aber nicht langfristig funktionieren.“ Dann müsste über geeignete Pflegemaßnahmen nachgedacht werden.

Beispiele für Grünbedachung gibt es in Lüneburg bisher wenige. Eines ist die Firma Holz Herbst in der Goseburg. Gräser, Moos und Fettgewächse gibt es hoch oben auf dem Gebäude. „Das Gründach ist Teil unserer Ausgleichsmaßnahme“, erklärt Prokurist Christoph Hillermann. Durch die extensive Begrünung kann Regenwasser aufgefangen werden. Das Dach sei „klimatisch tiptop, das Wärmerückhaltevermögen enorm“. Und es komme ohne Pflege aus.

Auf den Hörsälen und der Bibliothek der Universität gibt es ebenfalls eine grüne Dachlandschaft, die sogar begehbar ist. Angelegt wurde sie zum Schutz der Haubenlerche. Feller sieht Potenzial zur Dachbegrünung auch auf Lüneburgs Schulen. Er rechnete aus, dass es insgesamt 4,79 Hektar Flachdachfläche auf den Gebäuden gibt. Das Klinikum sei ebenso prädestiniert für natürliches Grün. Das könne sogar zu einer höheren Genesungsrate führen. Der Wissenschaftler Roger Ulrich habe 1984 herausgefunden, dass sich die Genesungsrate verbessere, wenn Patienten ins Grüne statt auf blankes Mauerwerk blickten, sagt Feller.

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3 Kommentare

  1. Lüneburger Bürger

    Vielleicht sollte man lieber in die Lüneburger Infrastruktur investieren, statt irgendeinen Ökoirrsinn zu errichten.

    „Fellers ungewöhnliche Idee: “Heidschnucken auf den Dächern könnten als Weidetiere dienen.““ Also manchmal glaube ich, dass Lüneburg hyperbolisch handelt.

  2. Tatsächlich kenne ich schon so ein Haus, bis auf sehr sehr viel Arbeit hat es dem Eigentümer allerdings noch nicht viel gebracht. Ich denke auch, es gibt wichtigere Dinge in die es zu investieren gilt.

  3. Die Heidschnucken auf dem Dach wären doch vor Wölfen sicher. Vielleicht ein gutes Konzept für die Schafhalter.
    Bringt die Schafe in Sicherheit auf Lüneburg Dächer. Spart die Herdenschutzhunde und Elektrozäune. Sieht gut aus und ist richtig lebendig. Öko eben.