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Die Erdgeschoss-Räume der früheren Buchhandlung Perl teilen sich künftig die beiden Modehäuser Street One und Gina Laura. Beide Geschäfte eröffnen am 1. März, die Umbauarbeiten sind in vollem Gange. In der oberen Etage betreibt Perl künftig einen Versandbuchhandel. Foto: us
Die Erdgeschoss-Räume der früheren Buchhandlung Perl teilen sich künftig die beiden Modehäuser Street One und Gina Laura. Beide Geschäfte eröffnen am 1. März, die Umbauarbeiten sind in vollem Gange. In der oberen Etage betreibt Perl künftig einen Versandbuchhandel. Foto: us

Konzept gegen Leerstand geplant

us Lüneburg. Lüneburg ist attraktiv, durch stetig steigende Einwohnerzahlen, die vielen Touristen und die besondere Einkaufsatmosphäre in der historischen Innenstadt eigentlich auch für den Handel. Doch derzeit sind im „Kaufhaus Lüneburg“, wie sich die Stadt gern nach außen präsentiert, auffallend viele Schaufenster leer. Allein im publikumsstarken Bereich zwischen Heiligengeiststraße, Marktplatz, Am Berge und Sande sind knapp 20 Ladenlokale verwaist. Hinter einigen dunklen Fenstern aber gibt es durchaus Bewegung. Die Landeszeitung hat sich umgehört.

In das Geschäftshaus Am Berge 26 will der Lüneburger Schokoladenhersteller „Pralüne“ mit einem Café einziehen.

Die Vermietungssituation im Blick hat auch die Lüneburg Marketing GmbH (LMG). Zwar bedauert City-Manager Martin Zießnitz jeden Leerstand, alarmierend sei die Situation aber nicht. „Der Standort Lüneburg funktioniert nach wie vor“, ist Zießnitz überzeugt. „Ein leeres Regal im Laden sieht genauso unschön aus wie ein leeres Geschäft in der Stadt“, findet LGM-Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Michael Habor. An Plänen, das zu ändern, arbeite man, mehr will er noch nicht verraten.

Klein, aber fein. Für das Ladengeschäft am Sand soll es mehrere Interessenten geben, eine Entscheidung des Vermieters gebe es aber noch nicht, sagt der Makler.

Ein Sorgenkind bleibt der ehemalige P C-Standort an der Grapengießerstraße. „Wir tun uns mit der Vermarktung schwerer, als wir gedacht haben“, sagt Matthias Schmitz von der Acrest Property Group in Berlin, die das Objekt im vergangenen Jahr übernommen hat. „Für viele der gewünschten Filialisten ist die Stadt, so attraktiv sie ist, etwas zu klein“, erklärt Schmitz, unter 100 000 Einwohner komme ein Standort für die meisten nicht in Betracht. Durch den Wegzug von P&C sei aus der ursprünglichen A-Minus-Lage zudem eine B-Plus-Lage entstanden. Hinzu käme, dass die Stadt mit P&C, Karstadt und C&A gut bestückt sei. Erschwerend, wenn auch nicht entscheidend, kämen die räumlichen Bedingungen mit zum Teil sehr niedrigen Deckenhöhen und einer Gestaltungssatzung hinzu, die den Spielraum zusätzlich einenge. „Und wir möchten natürlich einen akzeptablen Mietpreis erzielen, das Objekt war schließlich nicht gerade billig“, sagt Schmitz. Gespräche mit Interessenten gebe es dennoch, auch einen Wunschkandidaten, der im Textilbereich angesiedelt ist. „Allerdings nicht in der Größenordnung wie P&C“, sagt Schmitz. Hierfür sei eine Fläche von 2500 Quadratmeter vorgesehen, weitere 500 Quadratmeter für einen Einzelhändler im Bereich Home Decoration und 160 Quadratmeter für einen Gastronomiebetrieb, lauten die derzeitigen Überlegungen. Genaue Zeitpläne gebe es noch nicht, erklärte Schmitz: „Wir werden nichts übers Knie brechen, lieber auf eine gute Lösung warten.“ Teilflächen des Komplexes werden derzeit von der Nero Trading GmbH genutzt, die dort Wanderausrüstung anbietet, allerdings nur mit einem Interimsmietvertrag. Sobald es eine Gesamtlösung für das Objekt gebe, laufe der Vertrag kurzfristig aus.

In der Bäckerstraße fällt die geschlossene Buchhandlung Perl ins Auge, dazu schräg gegenüber das Bekleidungsgeschäft Midgard, beide sind seit Ende Dezember geschlossen. Während die ehemaligen Perl-Räume zum 1. März von den beiden Modegeschäften Street One sowie Gina Laura bezogen werden, ist die Nachfolge für Midgard noch offen. Wenige Meter weiter zieht Kabel Deutschland in die Kleine Bäckerstraße 19 und eröffnet damit eine weitere Filiale ergänzend zur Grapengießerstraße. „Wir planen, Ende Februar, Anfang März zu eröffnen“, sagt Mitarbeiter Mike Toussaint.

Zu teuer? Nach wie vor offen scheint die Situation um dieses leerstehende Geschäftshaus an der Roten Straße zu sein.

Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich auch in der Heiligengeiststraße, die offenbar für Modegeschäfte wieder anziehender wird. In die früheren Geschäftsräume der Firma Just Co. zieht das Modehaus Graubner ein, ergänzend zum bestehenden Geschäft soll in den neuen Räumen Bekleidung der Marke „Witty Knitters“ angeboten werden. „Unser Ziel ist es, Anfang Februar zu eröffnen“, berichtet Graubner-Mitarbeiterin Susanne Burmester. Direkt daneben soll bald ebenfalls Mode angeboten werden. Ein Bekleidungshaus will das Objekt übernehmen, unten sollen Geschäftsräume entstehen, oben Wohnungen. „Allerdings sind noch Abstimmungen mit dem Bauamt wegen des Brandschutzes erforderlich“, erklärt Thomas Bleckwenn vom Immobilienmakler Sallier.

Drei leere Geschäfte nebeneinander in der Heiligengeiststraße: Doch Belebung ist in Sicht, bald können Kunden hier Mode kaufen.

Offen ist weiterhin auch die Situation in der Grapengießerstraße 47, zuvor war dort ein Reisebüro. „Es ist Bewegung drin“, zeigt sich Stefan Schneider von der Ärzte-Apotheker Immobilien GmbH zuversichtlich. Das Problem: Die Räume seien für Filialisten zu klein, für inhabergeführte Einzelhändler in der Regel zu teuer.

Bewegung ist ins Geschäftshaus Am Berge 26 gekommen, einst war dort „Tolstefanz“, danach ein Antiquitätenhändler. Hier plant der Schokoladenhersteller „Pralüne“ ein Caféhaus, Eröffnung soll laut Pralüne-Mitarbeiter Guido Vianden Ende Januar sein. Bereits Mitte Januar wird es eine Eröffnung an der Grapengießerstraße, Ecke Neue Sülze geben. Im ehemaligen „Café Vierorten“ will die Bäckerei Worthmann Brot- und Backwaren sowie Frühstück und Mittagessen anbieten.

Keine Bewegung absehbar ist für die Rote Straße 4. Das Haus steht seit geraumer Zeit leer, Insider vermuten für den anhaltenden Leerstand zu hohe Mietpreisvorstellungen seitens des Vermieters.

Seit dem Umzug von P&C hat die Grapengießerstraße zu kämpfen. Immerhin: Es gibt für einen Teil des Komplexes einen Übergangsmieter.

4 Kommentare

  1. Und was ist mit Cafe Rauno? Passiert da eigentlich noch was?

  2. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen die Grapengießerstrasse noch Kopfsteinpflaster hatte und Autos durch die Strasse fuhren. Es gab da ein beliebtes Feinkosgeschäft (Hennings oder so ähnlich meine ich) sowie weitere Fachgeschäfte. Ganz am Ende der Strasse damals auch noch ein Fischgeschäft. Dennoch fürhte auch zu der Zeit die „Grapengießer“ schon ein gewisses Schattendasein gegenüber der kleinen und großen Bäckerstrasse. Durch die Ausdünnung der Fachgeschäfte (Grote, Popken, Hedemann etc.) wurde dieses immer stärker. Es erinnern nur noch ein alt eingesessenes Reformhaus, ein Fotograf, eine Bäckerei (da spielte der Bäckermeister bei den ersten Stadtfesten auf seiner Hammond-Orgel auf der Strasse) und das „Alte Brauhaus“ noch an die Tradition dieser Nebenstrasse.
    Mit den Jahren wurde das Schattendasein immer schattiger und das Angebot der Geschäfte immer einseitiger. Wenn ich richtig gezählt habe allein drei Drogeriemärkte inzwischen. Schlicht unattraktiv. Leider auch aus baulichen Gesichtspunkten. P&C war eigentlich das letzte Geschäft, für das man den Weg durch diese Strasse noch gegangen ist. Jetzt muß man nicht mehr „so weit“ laufen. Es liegt deutlich zentraler.
    Ich weiß nicht, ob die Stadtverwaltung durch einzelne Entscheidungen ausschlaggebend dazu beigetragen hat. Ziemlich sicher bin ich mir aber, dass die Mietforderungen der Eigentümer von den Geschäftshäusern stark überzogen sind und nicht der tatsächlichen Attraktivität der Standorte entsprechen. Auf Dauer werden es so auch keine Renditeobjekte mehr sein. Denn Leerstand ist Verlust. Vielleicht sollte auch bei den Vermietern ein Umdenken stattfinden, um die Grapengießer wieder für Besucher der Stadt und Einwohner attraktiver werden zu lassen. Ist das gelungen, bleibt es jedem Egentümer und Mieter überlassen, über Mietanpassungen nachzudenken. Aber bitte dann mit Feingefühl.

    • Wenn man etwas will, so muss man auch etwas dafür tun! Und wir können das.
      Jeder Käufer / Konsument entscheidet selbst, wo er sein Geld ausgibt. Niemand zwingt einen, bei den Konzernen zu kaufen, am Stadtrand, oder online seine Waren zu bestellen. Letzteres belastet überdies noch unsere Strassen und die Luft.
      Wann handelt ihr danach? Noch ist Lüneburg halbwegs intakt, leider mit Tendenz zur Verödung.

  3. Das Elektrogeschäft in der Heiligengeiststrasse hat die Stadt durch die periphere Ansiedllungsplanung eines Elektrogrossmarktes selber vertrieben.

    Soviel zu Gutachten die keine Auswirkung auf die Innenstadt prognostiziert haben.