Dienstag , 27. September 2016
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Alles andere als eine Augenweide sind aktuell die Bockelsbergteiche. Die Stadt hat bislang vergeblich versucht, den Zustand der großen Teiche dauerhaft in den Griff zu bekommen. Der Vorschlag des Nabu stößt in der Verwaltung dennoch auf wenig Gegenliebe. Foto: be
Alles andere als eine Augenweide sind aktuell die Bockelsbergteiche. Die Stadt hat bislang vergeblich versucht, den Zustand der großen Teiche dauerhaft in den Griff zu bekommen. Der Vorschlag des Nabu stößt in der Verwaltung dennoch auf wenig Gegenliebe. Foto: be

Mit Pilzen gegen üble Gerüche

ahe Lüneburg. Die Bockelsbergteiche sind ein Dauerthema in Lüneburg. Ihr Zustand ist aktuell einmal mehr beklagenswert, Maßnahmen der Stadt, das zu ändern, fruchteten nicht (LZ berichtete). Nun schlagen die Umweltverbände BUND und Nabu einen Sanierungsversuch mit „Effektiven Mikroorganismen“ vor. Das sei naturgemäß und könne von Experten der Verbände fachlich begleitet werden. Die Stadt hält das für keine gute Idee.

Die Methode werde seit einigen Jahren – ausgehend von Japan – von etlichen Kommunen auch in Europa bei problematischen Teichen, Seen, Gräben und Flüssen angewendet, sagt Thomas Mitschke, Vorsitzender des Nabu Lüneburg. In den meisten Fällen seien deutliche Verbesserungen erzielt worden, zum Beispiel, dass es kaum noch üble Gerüche, weniger oder kaum noch Algen- und Teichlinsenbewuchs gebe, das Wasser dagegen wieder klarer wurde.

Bei „Effektiven Mikroorganismen“ handle es sich hauptsächlich um Milchsäure- und Photosynthesebakterien, Hefe und fermentaktive Pilze, von denen die meisten für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet würden oder darin vorkämen. „Sie sind ausschließlich lebensfördernd“, erklärt Mitschke. „2010 wurde der Brunnen des Barockgartens Blankenburg erfolgreich damit saniert. Diese schöne Gartenanlage gehört zum Verbund historischer Gärten in Sachsen-Anhalt.“ Später sei die modellhafte Anwendung der Methode bei der Sanierung der Gewässer in den historischen Parkanlagen Gut Zichtau in Sachsen-Anhalt, darunter ein Naturschwimmbad, mit der Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit Erfolg eingesetzt worden.

Als weitere gelungene Beispiele nennt Mitschke ein verwahrlostes Gewässer des kleinen Parks „De Triangel“ in der belgischen Stadt Ypern und ein Stück des stark verschlammten Flusses Axios bei Thessaloniki in Griechenland. „Es gibt inzwischen weltweit diverse gelungene Sanierungsbeispiele von Gewässern mit dieser Mikrobenmischung. „Im Vergleich zu Ausbaggerungen entstehen durch gezielten Einsatz der Effektiven Mikroorganismen verhältnismäßig geringe Kosten“, sagt der Nabu-Vorsitzende.

Wesentlich für eine Verbesserung sei dabei auch der Einsatz von „Bokashi-Bällchen“ (englisch: EM-Mudballs). Diese etwa faustgroßen, handgeformten Lehmbällchen, gemischt mit verschiedenen Zutaten wie Zeolith, Zuckerrohrmelasse und EM-Keramikpulver, würden nach drei- bis vierwöchiger Reifung in das zu sanierende Gewässer geworfen. Solche Bällchen gebe es im Fachhandel zu kaufen, sie könnten aber auch selbst hergestellt werden, etwa im Rahmen eines Projekts mit einer Schulklasse. Mitschke erklärt: „Durch ihr Gewicht sinken die Bällchen in den Schlamm und bleiben als Mischung diverser Mikroben, die sich gegenseitig in ihrer Aktivität unterstützen, zusammen.“ Als „Reparaturspezialisten“ könne die Wirkung aber nur dann zufriedenstellend sein, wenn sie sich langfristig einnisten.

Die „Effektiven Mikroorganismen“ seien nicht lange UV-stabil, erst bei Temperaturen über 8 Grad Celsius und ab einer bestimmten Konzentration dominant aktiv. Der Einsatz sei in Gewässern deshalb meistens erst ab Ende Mai ratsam. „Weil vorab die Bällchen herzustellen wären und diese einer Reifezeit bedürfen, sind längere Vorbereitungszeiten nötig.“ Seit 2009 gebe es sogar einen weltweiten „Mudball-Day“. Mitschke schwärmt geradezu: „In Asien wurden mit dieser Methode schon ganze Meeresbuchten von unerwünschten Sedimentschichten auf naturgemäßem Wege saniert.“ Nabu und BUND sähen gute Chancen, bei einem Versuch mit dieser Methode wenigstens in einem der Bockelsbergteiche auf natürlichem Wege Gewässerverbesserungen zu erzielen und bieten der Stadt dabei ihre Unterstützung an.

Doch die wird sie wohl nicht annehmen. „Wir haben mit Nabu und BUND darüber schon mal gesprochen. Unsere Fachleute sind aber der Ansicht, dass diese Methode nicht geeignet ist, um die Bockelsbergteiche wieder in einen besseren Zustand zu versetzen“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. „Es gäbe zu wenig Frischwasseraustausch, die Nährstoffe könnten nicht ausreichen, das könnte das Algenwachstum sogar noch beschleunigen.“

Den beklagenswerten Zustand der Bockelsbergteiche wolle die Stadt dennoch nicht einfach auf sich beruhen lassen. „Wir werden das Problem im neuen Jahr angehen.“ Nur wie, das ist eben noch nicht klar.