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Ein Biotop in Rettmer: Solche Flächen gelte es in Lüneburg zu schützen, findet der Grünen-Politiker. Foto: t&w
Ein Biotop in Rettmer: Solche Flächen gelte es in Lüneburg zu schützen, findet der Grünen-Politiker. Foto: t&w

„Lüneburg braucht Schneise für Frischluft“

us Lüneburg. „Wenn im Westen zugebaut würde, ersticken wir in der Stadt.“ Sebastian Heilmann zeichnet ein düsteres Szenario für den Fall des Falles. „Die Stadt braucht eine Frischluftschneise“, ergänzt der Grünen-Politiker sein Anliegen. Aber das allein ist nicht der Grund, weshalb Heilmann sich im Grünflächen- und Forstausschuss der Hansestadt für eine Biotoptypenkartierung stark gemacht hat. Er erhofft sich von dem Projekt Antworten auf wichtige Fragen zur weiteren Entwicklung der Stadt: Wie wertvoll ist ein bestimmtes Gebiet und welches Potenzial hat es? 90 000 Euro nimmt die Stadt für die Kartierung in die Hand, am Ende – so die Planung – steht eine Übersicht über sämtliche Biotoptypen, die es auf dem Stadtgebiet gibt. Die erfassten Daten sollen dann in die nächste Aktualisierung des kommunalen Landschaftplans einfließen.

Sebastian Heilmann
Sebastian Heilmann warnt davor, das Lüneburger Stadtgebiet allzu sehr zuzubauen.

Zwar soll mit der Erfassung der Biotoptypen „eine Inventarisierung der Landschaft nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten“ erfolgen, wie es in der Begründung heißt, doch das ist nicht der einzige Grund, warum die Stadt an der Kartierung interessiert ist. „Die Stadt wächst und wird für die Erschließung weiterer Baugrundstücke auch in Zukunft Flächen für Ausgleichsmaßnahmen brauchen“, erläutert Heilmann. Das Problem: Diese Flächen werden allmählich knapp. Nur noch rund vier Hektar besitzt die Stadt im Bereich des Stadtforstes bei Böhmsholz, die für eine Aufforstung zur Verfügung stehen.

„Wir brauchen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zuzug auf der einen und Ausgleich auf der anderen Seite“, beschreibt Heilmann die Situation. Die bisherige Strategie, immer erst dann nach Ausgleichsflächen zu schauen, wenn der Bedarf bereits vorhanden ist, „kommt an ihr Ende“. Deshalb sei es für die Stadt wichtig zu erfahren, wo es auf ihrem Stadtgebiet „Bodentypen gibt, auf denen ich was entwickeln kann“, so der Grünen-Politiker, der natürlich auch daran interessiert ist, Biotope nicht nur zu kartieren, sondern auch zu erhalten.

Besonderes Augenmerk soll auf den westlichen Stadtrand gerichtet werden. Hier strebt die Stadt die Schaffung eines Grüngürtels als Frischluftschneise für die Hansestadt an – nicht zum ersten Mal: Bereits Anfang der 90er-Jahre wurde darüber im Rat diskutiert, damals ging es um die Ausweisung neuer Bauflächen am westlichen Stadtrand. „Freigehalten werden sollten die Hänge am sogenannten Schwarzen und Weißen Berg im Bereich von Gut Wienebüttel, dort fließt nachts frische Luft von den Hügeln herab in die Stadt“, erinnert sich Grünen-Politiker Andreas Meihsies. Entsprechende Frischluftzonen seien dann auch in den 1996 überarbeiteten Landschaftsplan aufgenommen worden, so Meihsies.

Doch mit einer Selbstbeschränkung der Hansestadt zur Freihaltung dieser Flächen allein ist es nicht getan. Damit die Frischluftzufuhr gesichert bleibt, sollen auch die westlich an die Stadt angrenzenden Gemeinden an der Biotoptypenkartierung beteiligt werden. Heilmann strebt dabei an, den Bereich der Landwehr auch als Naherholungsgebiet aktiv zu nutzen. „Natürlich wird bei der Erfassung darauf geschaut, welche Bodentypen und welche schützenswerten Lebensräume für Pflanzen und Tiere vorhanden sind. Aber es geht auch um die Lebensqualität der Menschen.“

Mit Beginn der Vegetationsperiode 2014 soll mit der Erfassung begonnen werden. Dabei soll auch auf Daten zurückgegriffen werden, die beim Landkreis Lüneburg für die Landschaftsrahmenplanaktualisierung und Kartierungen im Rahmen der Bauleitplanung bereits vorliegen. Der Abschluss der Biotoptypenkartierung ist Ende 2015 geplant.

3 Kommentare

  1. Als die (ex) FH Volgershall damals vor ca. 15 Jahren gebaut wurde, wurde sie extra „länglich“ entlang der Straße LG-Reppenstedt gebaut. Es gab auch Pläne das Gebäude quadratischer oder auch quer in Richtung Kalkbruch zu bauen. Diese Pläne konnten aber nicht umgesetzt werden da es sonst die Frischluftschneise blockiert hätte. Deshalb dieser längliche Bau.

  2. Ich schätze besonders die Hänge am Schwarzen und Weißen Berg bei Gut Wienebüttel. Es ist jeden Abend eine Wohltat diesen Zustrom frischer und sauerstoffhaltiger Luft in der Stadt zu spüren. Besonders Heute Abend, wo es etwas windiger ist. Das möchte ich nicht missen. Zu dumm nur, dass so viele Häuser dazwischen stehen. Aber was wird eigentlich aus den Dörfern, die zunehmend verlassen werden und veröden, weil die Dorfbewohner in die Stadt oder den Speckgürtel drum herum ziehen? Werden sie dann zu Biotopen umgestaltet?

  3. In den fast 20 Jahren hat man die Frischluftzufuhr ja durch einen Birkenwald zuwachsen lassen… Da weht der Wind auch besonders gut durch. Und die Landwehr ist eher ein Gefahrenbereich als ein Erholungsgebiet, viele tote Bäume durch die fehlende Pflege und durch die fehlende Unterhaltung des Landwehrgrabens, Abwasser sammelt sich dort und die Vegetation geht weiter den Bach runter. Bald ist der Landwehrsgraben Baumfrei.