Donnerstag , 29. September 2016
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Alexander Marth vom Sanierungsträger BauBeCon kündigte zunächst eine Bestandsaufnahme an, auf deren Basis ein Entwicklungskonzept erstellt werden soll. Foto: be
Alexander Marth vom Sanierungsträger BauBeCon kündigte zunächst eine Bestandsaufnahme an, auf deren Basis ein Entwicklungskonzept erstellt werden soll. Foto: be

Hoffen auf das Fördergeld

ca Lüneburg. Wohnraum in Lüneburg ist knapp, allerdings nicht in den Wohnanlagen rund um den Weißen Turm: Von rund 600 Wohnungen stehen etwa 100 leer. Die Gründe sind schnell gefunden, wenn man den Bewohnern zuhört: Schimmel in den Räumen, immer wieder stecken bleibende Fahrstühle, schlechte Isolierung und damit hohe Heizkosten, Nebenkostenabrechnungen, die manchem schleierhaft vorkommen, und eine Verwaltung, die sich laut Mietern kaum oder gar nicht um ihre Belange kümmert. Die LZ hat immer wieder über die Missstände berichtet. Als die Stadt gemeinsam mit Planern am Mittwochabend ihre Ideen vorstellte, das Areal zwischen Bögelstraße, Hinter der Saline und Am Weißen Turm als Sanierungsgebiet auszuweisen, blieb kaum ein Platz in der Aula der Musikschule frei.

Die Anwohner berichteten von katastrophalen Verhältnissen: Wohnungen ließen sich nicht richtig heizen, Wasser werde nicht warm. Ein Vater schilderte, dass er seine Kinder seit Wochen in ein Nachbarhaus zum Duschen schicke.

Wie berichtet, hat die holländische Ibus-Gruppe den Komplex gerade verkauft. Doch die beiden neuen Eigentümer hatten keine Vertreter in die Versammlung geschickt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte, dass die d.i.i.-Gruppe aus Wiesbaden, die 270 Wohnungen in den sogenannten roten Häusern erworben hat, sich im Rathaus vorgestellt habe und im Frühjahr ein Sanierungskonzept vorlegen wolle. Doch der Unternehmer aus Seevetal, der die weißen Blocks erworben hat, habe sich offenbar taub gestellt. Mehrere Versuche aus dem Rathaus, den Mann zum Gespräch einzuladen, seien gescheitert. Mädge kündigte an, ihn selbst zu besuchen oder „vorführen zu lassen“.

Angesichts der seit Jahren desolaten Situation nicht nur Am Weißen Turm, sondern auch in Teilen Kaltenmoors fand der Oberbürgermeister drastische Worte: „Eigentlich müsste man hier enteignen, aber das lässt das deutsche Mietrecht nicht zu.“ Mädge nahm auch manche Hoffnung: Das Sanierungskonzept habe nur begrenzten Einfluss. Denn für das Abstellen der Mängel an den Wohnungen seien die Eigentümer verantwortlich. Das müsse jeder Mieter im Zweifel zivilrechtlich klären. Allerdings wolle die Stadt helfen. Wer zum Beispiel Schimmel oder andere massive Probleme in den Räumen habe, solle die Bauaufsicht anrufen. Bekanntlich hatte die Stadt bereits saftige Bußgelder angedroht, als Fahrstühle über Wochen defekt waren. Danach kam Bewegung in die Sache.

Folgt das Land den Wünschen der Stadt und weist Gebäude und Grünflächen als Sanierungsgebiet aus, würde ähnlich verfahren werden wie in Kaltenmoor, wo seit Jahren das Konzept der Sozialen Stadt verfolgt wird: Flächen und Wege werden umgestaltet, ein Quartiersmanager kümmert sich um Anliegen der Anwohner, Gemeinschaftsräume könnten entstehen, etwa im Kindergarten der Michaelisgemeinde, der bald ins Familienzentrum Plus zieht, das die Klosterkammer Hannover vis-È-vis baut und von Diakonieverband und Kindertagesstättenverband getragen wird. Zudem könnten die Eigentümer der Blocks Fördermittel beantragen, um dringend notwendige Sanierungen in Angriff zu nehmen. Laut Mädge könnten die Zuschüsse ein Fünftel der Investitionssumme ausmachen. Dass die Stadt am Ball bleiben will, steht für Mädge fest: „Wir verstehen uns als Ihre Anwälte.“