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Sie bietet einen starken Arm und hört zu, wenn andere von ihren Sorgen berichten: Ute Fitschen gehört zu den Grünen Damen, die sich ehrenamtlich um Patienten im Lüneburger Klinikum kümmern. Foto: t&w
Sie bietet einen starken Arm und hört zu, wenn andere von ihren Sorgen berichten: Ute Fitschen gehört zu den Grünen Damen, die sich ehrenamtlich um Patienten im Lüneburger Klinikum kümmern. Foto: t&w

Sie schenken das Wertvollste

as Lüneburg. Sie schenken Zeit und Zuwendung, bieten die Möglichkeit zu einem Gespräch an und haben ein offenes Ohr, wenn Patienten sich einfach einmal etwas von der Seele reden möchten. ,,Es ist nichts Großes, wir sind einfach da“, sagt Johanna Gerhard, die den Kreis der ehrenamtlich tätigen Grünen Damen und Herren im Lüneburger Klinikum leitet. Doch Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums, sagt: ,,Die Grünen Damen sind seit Jahren ein nicht wegzudenkender Teil der hier im Klinikum arbeitenden Menschen. Ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sind uns eine große Hilfe und schließen für die Patienten so manche Lücke.“ Am kommenden Montag findet die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Grünen Damen und Herren im Klinikum statt.

Jeden Morgen unter der Woche treffen sich die Ehrenamtlichen in ihrer Anlaufstelle in der ehemaligen Krankenpflegeschule, um von dort aus die Patienten auf den einzelnen Stationen zu besuchen. Neun Damen und Herren sind pro Tag bis 12 Uhr im Einsatz. ,,Wir machen das Schöne, sehen uns als Ergänzung zur Schwestern­arbeit“, umschreibt Johanna Gerhard, Grüne Dame der ersten Stunde, während der Pause gegen 10.15 Uhr. Dann treffen sich die Teams auf einen Kaffee zum kurzen Austausch.

Bei ihren Besuchen in den Patientenzimmern haben sie inzwischen manches Gespräch geführt, kleine Besorgungen erledigt wie die Einrichtungen von Telefonkarten oder den Kauf einer Zeitung. Die Idee, Grüne Damen im Klinikum einzuführen, hatte Prof. Dr. Georg Paul Lankisch, ehemaliger Chefarzt der Inneren, aus Göttingen mitgebracht. „Initiiert worden war die erste Gruppe von der Evangelischen Krankenhaus-Hilfe (EKH) bereits 1969 in Düsseldorf“, erinnert Johanna Gerhard, die auch zwölf Jahre niedersächsische Landesbeauftragte der Grünen Damen war. Friedrich von Oertzen, seinerzeit Vorsitzender der Johanniter-Hilfsgemeinschaft, die bis heute Träger der Grünen Damen im Klinikum ist, wandte sich damals an die EKH, um in Erfahrung zu bringen, wie man in Lüneburg eine Gruppe organisieren könnte.

Ein erster Info-Abend im Klinikum hatte es dann allerdings in sich. „Seitens der Pflegedienstleitung und Seelsorge herrschte große Skepsis, weil man Kontrolle und Konkurrenz befürchtete“, sagt Gerhard. Das ist längst Vergangenheit, die heute 62 Ehrenamtlichen sind von Pflegepersonal und Ärzten hoch geschätzt. Aber auch die Ehrenamtlichen wie Sigrid Kaske, Anne Bettray, Lore Koch, Annette Seidenstücker, Juliane Meyer-Strechel und Margot Eichenberg schätzen ihre Aufgabe. Es sei schön, etwas geben zu können, gleichzeitig partizipiere man von manchem Gespräch mit Patienten von lebensklugen Gedanken, lautet der Tenor.

Vertraulichkeit ist dabei höchstes Gebot, die Grünen Damen und Herren unterliegen der Schweigepflicht. Nicht ohne Grund, denn mancher Patient nutzt das Gespräch, um sich von Sorgen und Problemen zu entlasten, mit denen er in einer schwierigen Krankheitssituation Angehörige nicht belasten möchte. Einfach nur da zu sein und zuzuhören, ist für die Ehrenamtlichen ein Stück selbstverständliche Nächstenliebe.

Veränderungen im Gesundheitssystem hätten allerdings dazu geführt, dass Patienten heutzutage nicht mehr so lange in Kliniken bleiben beziehungsweise in schwierigen Akutsituationen kämen, sagt Johanna Gerhard. Diese Entwicklung erfordere oft eine andere Gesprächsführung. Vorbereitet werden die Grünen Damen und Herren darauf unter anderem bei regelmäßigen Seminaren und Fortbildungen, bei denen es auch um die Balance von Nähe und Distanz geht. ,,Unsere Arbeit hat sich verändert, gleichgeblieben ist aber, was uns Freude macht, nämlich Zeit zu schenken“, sind sich die Ehrenamtlichen einig. Ihr größter Lohn: Wenn Patienten bei der Verabschiedung sagen: Schön, dass Sie da waren.