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Ausdruck für Stärke: Majestätisch ragt das Gästehaus für Lehrlinge und Meisteranwärter über das Gelände des Technologiezentrums des Handwerks (TZH) in Lüneburg. Foto: be
Ausdruck für Stärke: Majestätisch ragt das Gästehaus für Lehrlinge und Meisteranwärter über das Gelände des Technologiezentrums des Handwerks (TZH) in Lüneburg. Foto: be

Eliteschmiede des Handwerks

mm Lüneburg. Es ist gar nicht leicht, einen freien Parkplatz auf dem Gelände des Technologiezentrums des Handwerks (TZH) an der Dahlenburger Landstraße zu ergattern. Morgens sind die Stellflächen zwischen Ausbildungsstätten, Werkstattzentrum und Gästehaus eigentlich immer komplett belegt. Kein Wunder, schon die reinen Zahlen beeindrucken: Mehr als 10 000 Teilnahmen an Lehrgängen zur Technologischen Lehrlingsqualifizierung (TLQ), Meistervorbereitungskursen und solchen zur Fort- und Weiterbildung schlugen am Technologiezentrum allein im Jahr 2012 zu Buche. Vom Friseur bis zum Kraftfahrzeugmechatroniker, in 43 Werkstätten werden Praktiken zahlreicher Handwerksberufe vermittelt und Meister bis zur Perfektion geschult – die Bandbreite an Ausbildungsmöglichkeiten ist enorm, das TZH Lüneburg gehört zu den modernsten Technologiezentren im gesamten Bundesgebiet.

Norbert Bünten, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, lädt ein zu einem Rundblick über das Gelände vom zehnten Stockwerk des Turmgebäudes aus. Das Auge schweift dabei auch über das im Bau befindliche neue Werkstattzentrum. Elektroniker, Maschinenbauer und Feinwerktechniker, Metallbauer und Lehrlinge weiterer Fachrichtungen sollen hier ausgebildet werden. Dafür entstehen zusätzlich 14 Lehrwerkstätten auf einer Fläche von 3600 Quadratmetern, verteilt über zwei Etagen. Für den Neubau, die Ausstattung der Werkstätten und die energetische Sanierung nimmt die Kammer knapp 9,7 Millionen Euro in die Hand. „Wir investieren in die Zukunftsfähigkeit des Handwerks“, sagt Bünten. Das alte Werkstattzentrum, errichtet in den 70er-Jahren, entspreche heute nicht mehr den Anforderungen eines modernen Zentrums für die duale Ausbildung im Handwerk.

Unter Anleitung ihrer Ausbildungsmeister lernen Tischler-Gesellen und angehende Kraftfahrzeug-Mechatroniker im Technologiezentrum des Handwerks ihre Profession. Schulungen für handwerkliche Berufe gibt es bald auch im neuen Werkstattzentrum, dafür werden derzeit 9,7 Millionen Euro investiert.

Aushängeschild der hiesigen Handwerkskammer ist die Technologische Lehrlingsqualifizierung. Sie macht mehr als 60 Prozent an den gesamten Schulungen aus. Im Jahr 2012 nahmen 23 787 Lehrlinge an 2243 Lehrgängen der überbetrieblichen Ausbildung in 23 verschiedenen Berufen teil. In Lüneburg waren es knapp 8200 Gesellenanwärter.

Nils Schlichting macht eine Tischler-Lehre, er und seine Mitstreiter bauen gerade einen Kinderstuhl. Unter lauten Fräs- und Bohrgeräuschen erhalten die Einzelteile ihre Form, werden Bohrungsverbindungen hergestellt und Aussparungen vorgenommen. Mit hoher Präzision können die einzelnen Bauteile im CNC-Bearbeitungszentrum zugeschnitten werden. Hier arbeitet ein Laserprojektor. „Mit dem können wir alles außer lackieren“, verdeutlicht Ausbildungsmeister Matthias Wulff. Der Projektor ist computergesteuert und mit einer Kamera am Fräskopf ausgerüstet. Über den Laser ist am Bildschirm sichtbar, wo genau ein Schnitt beispielsweise für eine Gravur angesetzt werden soll. Hightech in der Tischlerzunft.

Hightech gibt es auch im Bildungszentrum für Kraftfahrzeugmechatroniker. 30 eigene Fahrzeuge stellt das THZ für seine Lehrlinge zum „Trainieren“ bereit. „Das größte ist ein Audi A8, das kleinste ein VW Lupo“, sagt Matthias Steffen, Geschäftsbereichsleiter der Technologischen Lehrlingsqualifizierung. Das Bildungszentrum werde auch von VW zu Schulungszwecken genutzt. An den Autos werkeln die Lehrlinge in 2er- oder 3er Teams. „Bei uns haben auch schon 30 junge Chinesen ihre Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert“, erzählt Steffen.

Mit größeren Fahrzeugen beschäftigen sich die Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik. „Da kommen Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt Peter Kuckat, Abteilungsleiter der Meisterakademie Plus. Nicht nur ans Lernen ist gedacht, die auswärtigen Teilnehmer können in einem der 213 Gästebetten übernachten. „Das kostet für fünf Tage 174 Euro, Vollpension inbegriffen“, sagt Steffen. Aufgetischt wird in der betriebseigenen Mensa. „Wir wollen unsere Teilnehmer aber nicht nur aufbewahren, sondern auch in ihrer Freizeit beschäftigen“, verdeutlicht Steffen. Dafür gebe es beispielsweise einen Fitnessraum mit eigenem Trainer.

Das Kompetenzzentrum für Nutzfahrzeug- und Landmaschinentechnik leitet gemeinsam mit der Bundes-Fachlehranstalt des Landmaschinen-Handwerks die weltweit erste Meisterschule für Landmaschinenmechaniker. Jährlich besuchen rund 90 Teilnehmer die Meistervorbereitungskurse in Lüneburg. Gerade lief der 146. Ausbildungslehrgang. Die Meisteraspiranten werden auf den praktischen Teil ihrer Prüfung vorbereitet. Dazu werden Situationsaufgaben simuliert, mit denen die Servicetechniker später konfrontiert sein könnten. Zu den zentralen Aufgaben gehört die Lokalisation und Behebung von Fehlern an landwirtschaftlichen Maschinen. Die versuchen die Teilnehmer gemeinsam aufzuspüren und nach Möglichkeit zu lösen. „Wir nutzen Fälle, die schon mal aufgetreten sind“, erklärt Ausbildungsmeister Günter Erfmann. Kuckat beschreibt ein sich wandelndes Berufsbild von Landmaschinenmechanikern: „Kundenservice und Servicetechniker sind heute eins. Es muss vor Ort gehandelt werden.“

Vor Ort wird auch beim Technologiezentrum gehandelt. Blockheizkraft und Tankstationen für Elektroautos weisen den Weg in die Zukunft. Genau wie die weiter wachsende Angebotspalette an Ausbildungslehrgängen. Freie Parkplätze wird es auf dem Gelände deshalb wohl so schnell nicht geben.