Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | „Bloß keine weiteren Anteile zeichnen“
Foto: t&w
Michael Löchel (l.) aus Wulfsen hat im Jahr 2010 Genussscheine von Prokon gekauft. Im November 2013 hat er das Genussrecht gekündigt, nun erhielt er einen Brief, die Kündigung zu widerrufen und Neuzeichnungen zu unterstützen. Davon rät sein Anwalt Gerhard Braune ab. Foto: t&w
Foto: t&w Michael Löchel (l.) aus Wulfsen hat im Jahr 2010 Genussscheine von Prokon gekauft. Im November 2013 hat er das Genussrecht gekündigt, nun erhielt er einen Brief, die Kündigung zu widerrufen und Neuzeichnungen zu unterstützen. Davon rät sein Anwalt Gerhard Braune ab. Foto: t&w

„Bloß keine weiteren Anteile zeichnen“

as Lüneburg. Für den Ökoengergiefinanzierer Prokon, Sitz Itzehoe, wird es eng. Inzwischen haben rund 15 Prozent der 75000 Anleger ihre Genussrechte gekündigt. Das Unternehmen hatte jüngst in einem Rundbrief erklärt, eine Planinsolvenz sei nur zu verhindern, wenn bis zum 20. Januar für 95 Prozent der Genussrechte bestätigt werde, dass sie nicht gekündigt werden (LZ berichtete). ,,Bislang haben das rund 17 Prozent getan. Die Insolvenz scheint damit unausweichlich. Bitter für die Anleger, die Prokon 1,4 Milliarden Euro anvertraut haben“, sagt der Lüneburger Rechtsanwalt Gerhard Braune, der dringend empfiehlt, keine weiteren Anteile zu zeichnen.
Braune vertritt den Wulfsener Michael Löchel, der 2010 Genussscheine also Anteile an Prokon erwarb. Damals habe er das unternehmerische Konzept mit Schwerpunkt auf regenerative Energien für tragfähig gehalten. Ende November 2013 habe er dann allerdings das Genussrecht gekündigt aufgrund von Medienberichten, ,,dass es sich bei dem Finanzsystem der Prokon um ein Schneeballsystem handelt“, berichtet Löchel. Prokon habe ihm zwar bestätigt, dass das Geld zum 31. Dezember 2013 fällig sei, ,,aber gezahlt haben sie nicht“. Am 10. Januar erhielt Löchel dann den Rundbrief der Prokon, er solle bei der Stange bleiben, die Kündigung widerrufen und das Unternehmen möglichst mit Neuzeichnungen unterstützen. „Um Himmelswillen, kein weiteres Geld einzahlen“, sagt Braune.
„In dem Schreiben wird auf die Anleger massiv Druck ausgeübt. Höchst unseriös“, findet Braune, der daraufhin zu recherchieren begann. Die Prokon habe mit bis zu acht Prozent Zinsen gelockt und diese an die Anleger gezahlt. Auch dann noch, als die Geschäfte das gar nicht mehr hergaben. ,,Der Bilanzentwurf für 2012 weist ein Minus von rund 171 Millionen aus. Testiert wurde die Bilanz nicht, angeblich weil es Streit um stille Reserven gab. Um was es dabei genau ging, ist nicht zu erkennen. Wie die Prokon allerdings arbeitet, zeigt folgendes: Sie rechnet im Bereich Biomasse 2014 mit stillen Reserven von rund 114 Mio Euro. Der Bereich Biomasse ist die Torgauer HIT, an der sie allerdings keinerlei Anteile hält. Sie ist lediglich deren Finanzier, und zwar mit einem Kreditrahmen von 250 Mio Euro. Dreister geht es kaum. Die Insolvenz wird kommen.“
Und mit Blick auf seinen Mandanten sagt Jurist Braune: ,,In dieser Situation ist es gut, einen fälligen Anspruch zu haben, denn dann kann ich den als Gläubiger anmelden.“ Er gehe davon aus, dass Gläubiger, die eine Insolvenzforderung haben, eine Quote bekommen werden. Schlechter sehe es für diejenigen aus, die jetzt erst kündigen. Denn die Kündigungsfrist ist vier Wochen zum Monatsende, das heißt: Wenn jetzt gekündigt wird, wird das Geld erst Ende Februar fällig, also wohl nach dem Insolvenzantrag.
Gerhard Braune empfiehlt trotzdem die Kündigung, „denn keiner kann ausschließen, dass der Antrag erst später kommt“. Obwohl er für die Anleger hofft, dass es bereits in wenigen Tagen so weit ist, denn der Lüneburger ist überzeugt davon, dass die „bisherige Misswirtschaft“ durch die jetzige Geschäftsführung so schnell wie möglich beendet werden müsse: „Ein guter Insolvenzverwalter kann die Firma vielleicht jetzt noch retten.“

One comment

  1. …..wenn der Schuss man nicht nach hinten losgeht für Herrn Löchel ……….