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Das Gerät, von dem ihr über einen feinen Schlauch Sauerstoff zugeführt wird, ist Marianne Gatzkis täglicher Begleiter. Es macht die Melbeckerin, die an einer Lungenerkrankung leidet, mobil. Foto: t&w
Das Gerät, von dem ihr über einen feinen Schlauch Sauerstoff zugeführt wird, ist Marianne Gatzkis täglicher Begleiter. Es macht die Melbeckerin, die an einer Lungenerkrankung leidet, mobil. Foto: t&w

Sauerstoffgerät macht sie mobil

as Lüneburg. Es ist ein leises Zischen, das Marianne Gatzki umgibt. Es kommt aus einem Gerät, dass die Melbeckerin an der Hüfte trägt und von dem ein durchsichtiger, feiner Schlauch in ihre Nase führt. ,,Jedes Mal, wenn ich einatme, zeigt das Zischen an, dass Sauerstoff über die Sauerstoffbrille fließt“, erläutert sie. Eine chronische Erkrankung der Lunge hat bei ihr eine Sauerstoff-Langzeittherapie notwendig gemacht, mit der die Erkrankung zwar nicht geheilt, die Belastbarkeit und Mobilität der 62-Jährigen aber gesteigert werden konnte.

Nun hat sie über die Deutsche Sauerstoff-Liga eine Selbsthilfegruppe in Lüneburg für Langzeit-Sauerstoffpatienten gegründet, die sich an diejenigen wendet, die unter einer chronischen Erkrankung der Lunge oder des Herzens leiden. Die Gruppe bietet nicht nur Erfahrungsaustausch und Beratung an, sondern soll auch Mut machen. Das erste Treffen findet am Donnerstag, 6. Februar, 17 Uhr, in den AOK-Schulungsräumen, Bei der Rathsmühle 13 (gegenüber St. Johannis), statt.

Marianne Gatzki leidet an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), infolgedessen wurde ein Teil der Lungenbläschen zerstört. Diese Veränderung wird Lungenemphysem genannt, sie geht mit einem Verlust von Lungengewebe einher. ,,Wenn die Lunge kaputt ist, gibt sie nicht mehr genug Sauerstoff ans Blut ab, um die restlichen Organe kontinuierlich und in ausreichendem Maße mit dem lebenswichtigen Element zu versorgen.“ Die ers“ten Anzeichen einer solchen chronischen Hypoxie (Sauerstoffmangel) sind meist Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein Abfall der körperlichen Leis“tungsfähigkeit. Bei einer schweren Unterversorgung führen schon geringe Belastungen zu Luftnot und Erschöpfung.

Marianne Gatzki fiel zweimal ins Koma, erst danach habe man ihr zu einer Langzeit-Sauerstofftherapie geraten, berichtet sie. Doch es habe gedauert, mit der Erkrankung und Therapie umzugehen und zu leben. ,,Als ich aus dem Krankenhaus kam, stand im Schlafzimmer ein Sauerstofftank, an den ein 15 Meter langer Schlauch angeschlossen war sowie ein großes Gerät für die Mobilität. Das Bewusstsein, über den Schlauch verkabelt zu sein, war sehr belastend, denn es hat mir meine Abhängigkeit bewusst gemacht.“

Bei ihrem Wunsch nach einem kleineren, komfortableren Gerät war Eigeninitiative gefordert. Aber Marianne Gatzki ist ein Mensch, der sich nicht unterkriegen lässt. Wenn sie erzählt, blitzen ihre blauen Augen: ,,Die Recherchen haben ein Jahr gedauert, man ist auf sich selbst gestellt.“ Informationen zu den Geräten, neuesten Sauerstoffbrillen, bei denen die Schläuche unauffällig sind, anderen medinischen Hilfsmitteln, spezieller Physiotherapie für die Atmung und welche Anteile Krankenkassen zahlen, all das möchte sie zum Thema in der Selbsthilfegruppe machen. Auch einen Austausch über Kliniken und Therapeuten soll es geben.

Bei ihrem neuen, kleinen Gerät reicht eine Sauerstofffüllung für acht bis zehn Stunden, je nachdem, wie oft sie ihrem Körper Sauerstoff zuführt. ,,Im Sitzen ist das etwa 13mal pro Minute, wenn ich in Aktion bin, öfter.“ Die Therapie macht sie nicht nur belastbarer, das Gerät ermöglicht ihr auch Mobilität. ,,Und wenn kein Sauerstoff mehr in der Flasche ist, ich vielleicht gerade unterwegs bin, verfalle ich auch nicht mehr in Panik. Dann atme ich ganz ruhig aus, damit sozusagen Platz in der Lunge ist, um dann wieder einatmen zu können.“ Mit der Zeit lerne man eben, mit der Krankheit umzugehen, ,,man kann ein ganz normales Leben führen. Auch das möchte ich anderen Betroffenen aufzeigen“. Wichtig sei auch, Positives und Gelassenheit ins Leben einziehen zu lassen. Denn Freude am Leben sei unter anderem gut fürs Immunsystem, ist Marianne Gatzki überzeugt.

Weitere Infos bei Marianne Gatzki: Tel.: 04134/910069.

One comment

  1. Ein tolles ehrenamtliches Engagement, dass hoffentlich von allen Sauerstoffpatienten genutzt wird, ganz gleich, welche Erkrankung dieser Therapie zu Grunde liegt. Den Alltag mit der Sauerstoff-Langzeit-Therapie wieder oder weiter aktiv leben zu können ist ein Gewinn an Lebensqualität und zum Erhalt einer eigenständigen Mobilität.

    Auf ein gutes Gelingen

    Franz-Josef Kölzer, Besitzer Gesundheitspolitik
    Deutsche SauerstoffLiga LOT e. V.