Dienstag , 27. September 2016
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Ingenieurs-Studenten in Volgershall sind unzufrieden

Vergessen am Rande der Stadt +++ Mit Videoumfrage

mm Lüneburg. Am Uni-Standort Volgershall werden Ingenieure ausgebildet. 450 Bachelor- und Masterstudenten sowie einige Doktoranden sind es aktuell. Die Lage des Technik-Campus am Rande Lüneburgs, abseits aller übrigen universitären Einrichtungen scheint derzeit sinnbildlich für die Empfindungen vieler Ingenieursstudenten. Es habe „gravierende Veränderungen“ gegeben, hat Fachschaftssprecher Thomas Voß beobachtet und sagt klar: „Als Uni-Standort fühlen wir uns vernachlässigt.“

Bei einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) trugen Studentenvertreter jetzt vor, was aus ihrer Sicht bei Forschung und Lehre am Institut für Produkt- und Prozessinnovation (PPI) schieflaufe. In einem offenen Brief, den sie heute mit der Institutsleitung abstimmen wollen, fordern sie die Verantwortlichen der Leuphana zum Handeln auf.

Die Uni-Spitze plant durch die Vermietung von Räumen in Volgershall an das Jobcenter bis Mitte 2025 mit Einnahmen von rund 4,5 Millionen Euro. Danach soll der neuere Teil der Liegenschaft für 9,3 Millionen Euro verkauft werden, der Altbau, so die Hoffnung, könnte bereits 2016 für rund 2,6 Millionen einen neuen Eigentümer finden. Die Erlöse aus den Immobiliengeschäften dienen zur Finanzierung des neuen Zentralgebäudes auf dem Hauptcampus. Auch die Liegenschaft am Rotenbleicher Weg soll veräußert werden, aus drei Uni-Standorten soll einer werden.

Was der Umzug für Forschung und Lehre am PPI bedeutet, darüber fühlen sich die Studenten im Unklaren gelassen. Bei der Planung des neuen Zentralgebäudes war zunächst auf einen Maschinenraum für die Ingenieure verzichtet worden, der Platz wurde erst nachträglich hinzugefügt: „Wir wurden bei der Planung einfach übergangen“, sagt Student Eren Karaman. Mit der Ausstattung am Technik-Campus zeigen sich die Studenten nicht unzufrieden. Es gebe einen 3D-Drucker und eine Messmaschine von Zeiss. Doch Studenten würden in Maschinenraum und Laboren nur sporadisch an die Technik herangeführt. Nur wenige könnten die teuren Maschinen bedienen.

Wenig Geld gebe es seitens der Uni für Forschungsprojekte. Ein Beispiel: Auf der Ideenexpo 2013 präsentierte sich das Institut mit einem „Intelligenten Gewächshaus“. „Das war ein Besuchermagnet“, erinnern die Studenten. Doch fast wäre das Projekt geplatzt. „Wir bekamen kein Geld mehr, mussten auf alte Bauteile zurückgreifen.“

Am PPI können als Fachrichtungen Produktions- und Automatisierungstechnik gewählt werden. Der größere Teil der Studenten legt den Schwerpunkt auf Produktionstechnik. Hier gebe es zu wenig Lehrpersonal. Zwei Professorenstellen seien seit langem ausgeschrieben, würden aber nicht besetzt. Anders am Hauptcampus: Hier leiste sich die Uni teure Honorarprofessuren.

Unverständlich ist für viele Bachelorstudenten auch, warum zwei Tage in der Woche für das Komplementärstudium freigehalten würden, für einen Bereich, der den Ingenieuren wenig relevante Inhalte vermittle. „Was sollen wir mit Kunst und Geschichte?“, fragt Rudi Schäfer, der im fünften Semester Produktionstechnik studiert. Dagegen gebe es zu wenig Mathekurse für Ingenieure.

Noch etwas störe den Lehrbetrieb: Den Umbaumaßnahmen zum Einzug des Jobcenters fiel 2013 die institutseigene Fachbibliothek zum Opfer. Seitdem lagert der Bestand im Keller der Zentralbibliothek. Bücher gebe es nur auf Anfrage, und dann auch nicht immer, „deswegen studieren wir eigentlich mit Googlebooks“, sagen die Studenten.

Andrea Schröder-Ehlers versprach, sich mit Uni-Präsident Sascha Spoun über die Sorgen der Studenten zu unterhalten. Er habe ihr gegenüber bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Studenten hoffen auf Verbesserungen, denn zurzeit dominiere „die Angst, dass wir aussortiert werden.“