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Holzeinschlag in Neu Hagen

us Lüneburg. „Wir sind fassungslos. Wie sieht das hier bloß aus!“ Bärbel Meyer und Gisela Preuße verstehen die Welt nicht mehr. Regelmäßig gehen die beiden Damen mit ihren Hunden in dem kleinen Wald am Freibad Hagen spazieren, doch den erkennen sie fast nicht wieder. „Nicht nur, dass so viele Bäume gefällt wurden. Auch, dass alles einfach hier so liegen bleibt. Das geht doch nicht.“ Seit rund drei Wochen beobachten sie die Arbeiten in dem Waldstück, in dem rund 300 Bäume, meist Kiefern, gefällt worden sind. Zwar wurden die meisten Stämme inzwischen entlang der Hauptwege aufgeschichtet, die Äste und Baumkronen aber liegen immer noch dort, wo sie nach dem Fällen und Entasten der Bäume hingefallen sind.

Was die Damen besonders aufbringt: Dieser Zustand soll angeblich so bleiben. „Das wurde uns von der Stadtförsterei mitgeteilt. Es hieß, zum Aufräumen habe man keine Leute“, berichtet Bärbel Meyer. Natürlich hätten beide Verständnis dafür, dass immer auch mal ältere Bäume aus dem Bestand herausgenommen werden müssten, „aber früher hat man danach auch wieder aufgeräumt“. Der Wald werde schließlich von vielen Spaziergängern und Joggern genutzt, auch von Kindern, die sich im Winter auf dem Rodelberg treffen.

„Das Kronenholz lassen wir ganz bewusst liegen“, stellt Michael Stall, Leiter des Stadtforstamtes, richtig, „mit Personalengpässen hat das aber nichts zu tun.“ Während die Stämme an die Holzwirtschaft verkauft würden, sei das Kronenholz für die Brennholzkunden der Stadt bestimmt. „Bis etwa Ende Februar können sie das Holz abholen, danach dauert bis Anfang August die Brut- und Setzzeit. Ein Rest bleibt dort liegen und ist wichtiger Lebensraum für Insekten“, sagt Stall.

Dass die für den Abtransport vorgesehenen Stämme länger liegen geblieben seien als geplant, habe an einem defekten Rückefahrzeug gelegen, das für eine Woche ausgefallen war, erklärt Stall. Für diese Fahrzeuge seien auch die Schneisen, sogenannte Rückewege, angelegt worden, um überhaupt Arbeiten im Wald vornehmen zu können. „Wir legen sie aus optischen Gründen aber so an, dass sie am Anfang eine leichte Biegung haben“, sagt der Forstamtsleiter.

Eine besonders breite Schneise, die von den beiden Spaziergängerinnen ebenfalls beklagt worden war, habe es aber bereits zuvor gegeben. Stall vermutet, dass hier vor vielen Jahren eine Wasserleitung verlegt worden war. „So etwas hätten wir nicht angelegt. Ich bin froh, wenn es hier wieder zuwächst.“ Warum dennoch Bäume herausgenommen wurden, erklärt Stall auch: „Teilweise behindern Bäume sich gegenseitig. Einige entwickeln sich auch nicht richtig, die nehmen wir heraus.“ Zugleich werde aber auch darauf geachtet, dass Totholz stehen bleibt, „auch das ist wichtig für einen intakten Wald“, so Stall.

In den nächsten Tagen werden die letzten Stämme von den Wegen geräumt. Was dann noch stört, etwa um die Rodelbahn herum, müsste von den Kindern und Eltern in Eigenregie erledigt werden. Stall: „Dafür sind wir nicht zuständig.“