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Inzwischen saniert ist die Eisenbahnbrücke im Zuge der Kreisstraße 30 zwischen Adendorf und Scharnebeck. Die Arbeiten für viele weitere Querungen im Kreis stehen noch aus. Foto: be
Inzwischen saniert ist die Eisenbahnbrücke im Zuge der Kreisstraße 30 zwischen Adendorf und Scharnebeck. Die Arbeiten für viele weitere Querungen im Kreis stehen noch aus. Foto: be

Streit um die Brückenliste

dth Lüneburg. Brücken sind gemeinhin eine teure Angelegenheit, nicht nur deren Bau. Auch ihr Erhalt birgt so manche Kostenfalle. Für mehr als 60 Brückenbauwerke im Landkreis Lüneburg ist der kreiseigene Betrieb für Straßenbau- und Unterhaltung (SBU) zuständig. Der Großteil der Brücken stammt aus den 1950er- und 1960er-Jahren, und bei manchen löst sich nicht nur der Lack. Im schlimmsten Fall können nur noch teure Grundsanierungen oder sogar Neubauten helfen, die allerdings mit den geplanten Straßenbaumaßnahmen des SBU um das vorhandene Geld konkurrieren.

Wie solche Maßnahmen in Zukunft besser organisiert und finanziert werden können, darüber gibt es im Lüneburger Kreistag unterschiedliche Meinungen. SPD und Grüne haben jetzt die Erstellung eines „Mehrjahresprogramms Brückensanierung“ vorgeschlagen. Als „überflüssig“ bezeichnet das hingegen die CDU auf LZ-Nachfrage und hält es für sinnvoller, das Gesamtbudget des SBU um eine halbe Million Euro zu erhöhen.

Die Prioriätenlisten für Straßen- und Brückensanierungen für 2015 bis 2019 sind Thema der kommenden Sitzung des Betriebs und Straßenbauausschusses. Zusätzlich liegt der rot-grüne Antrag vor. Demnach soll der SBU „zunächst kostenneutral und ohne externe Unterstützung anhand der vorliegenden Brückenprüfberichte den Sanierungs- bzw. Neubaubedarf bei den kreiseigenen Brücken ermitteln“.

„Wir halten diesen Antrag für überflüssig!“, sagt dazu Wilhelm Kastens (CDU), stellvertretender Vorsitzender des SBU-Ausschusses. „Grundsätzlich werden die Ausbaumaßnahmen an Straßen und Brücken vom SBU in einem Mehrjahresplan nach der Priorität und Unterschieden nach Förderung  festgelegt.“ Dieses Verfahren habe sich in der Praxis seit Jahren sehr gut bewährt. Kastens: „Im Übrigen sind Mehrmittel, insbesondere für die Brückensanierung, schon für 2015 angedacht und im Haushalt 2014 von der Fraktion CDU/Bündnis RRP 21 thematisiert und eingefordert worden.“

Dazu sagt auf LZ-Nachfrage der SBU-Ausschussvorsitzende Heinz Fricke (SPD): „Das Ziel der Brückensanierung haben offenbar alle Kreistagsfraktionen vor Augen. Aber wir haben unterschiedliche Lösungswege im Blick, wer die Brückensanierungen finanziert und wie sie finanziert werden sollen.“ Ziel einer getrennten Aufstellung von anstehenden Brückensanierungen als „Mehrjahresprogramm“ sei es, analog zum einst aufgelegten Schulsanierungsprogramm des Landkreises, eventuelle Bundes- und Landesmittel einzuwerben. Fricke: „Es gibt bereits entsprechende Signale von Bund und Land. Und wenn dort besondere Mittel für Brückensanierungen oder Neubauten bereitgestellt werden, können wir sofort etwas vorweisen.“ CDU-Mann Kastens verweist hingegen darauf, dass „jede Sanierung oder ein Ausbau die finanzielle Situation des Landkreises reflektieren und ihr angepasst sein“ müsse. „Das gilt auch dann, wenn es mal wieder großzügige Bundes- oder Landesprogramme gibt, die eine maßgebliche Kofinanzierung erfordern.“

Die Sitzung des Betriebs- und Straßenbauausschusses findet statt am Dienstag, 4. Februar, ab 15 Uhr auf dem SBU-Betriebshof (Heidbergstraße 2) in Embsen.

Brückenübersicht

Insgesamt 50 Straßenbrücken, sechs Radwegbrücken sowie sechs sogenannte Fremdbrücken über Bundestraßen und den Elbe-Seitenkanal beziehungsweise Bahnbrücken fallen in den Verantwortungsbereich des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau- und Unterhaltung (SBU) Lüneburg. „Bei den Fremdbrücken beschränkt es sich auf die Erhaltung der Schutzeinrichtungen und der Fahrbahn“, sagt Lüneburgs Kreissprecherin Elena Bartels. „Seit 2008 sind im Landkreis jährlich zwei bis drei Brücken saniert worden.“ Jüngste Beispiele sind die Ilmenaubrücke bei Deutsch Evern im Jahr 2011 an der Kreisstraße 7, deren Gesamtsanierungskosten in zwei Schritten bei rund 380000 Euro lagen.

In den Jahren 2012/2013 wurde die Eisenbahnbrücke an der K30 zwischen Adendorf und Scharnebeck (Foto) angepackt, zuerst wurden die Abdichtungen, der Fahrbahnbelag und die Beschichtung des Überbaus sowie der Widerlager erneuert, 2013 folgte die Beschichtung der Brückenpfeiler Gesamtkosten: 230000 Euro.

Bartels: „Eine besondere Herausforderungen ist vor allem bei alten Brücken gegeben, wenn sich teilweise die Situation vor Ort anders darstellt, als es in den Bestandunterlagen angegeben war.“ Dabei können unangenheme Überraschungen in Brückensanierungen stecken. So entdeckten etwa Arbeiter im vergangenen Oktober bei der Sanierung der Barumer Brücke über den Schöpfwerkskanal die Hinterlassenschaften eines Baufehlers. Anstatt lediglich einen neuen Fahrbahnbelag aufzubringen, musste auch die Betonschicht darunter erneuert werden.

Im vergangenen Jahr war auch der Neubau der Brücke über die Neetze an der K53 bei Echem geplant und wurde verschoben. Die Maßnahme für rund eine Million Euro steht jetzt erneut für 2014 ganz oben auf der Prioriätenliste des SBU. Und könnte dort kurzfristig wieder verschwinden, da in Aussicht steht, dass die Maßnahme nachträglich in ein Förderprogramm aus Gemeinschaftsmitteln reinrutscht. Damit würden im SBU-Budget Mittel für andere Straßensanierungsmaßnahmen frei.