Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Hella Sürig hatte Brustkrebs, bei ihr wurde eine intraoperative Strahlentherapie gemacht.
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Hella Sürig hatte Brustkrebs, bei ihr wurde eine intraoperative Strahlentherapie gemacht. Foto: as

Strahlenbeschuss in der Tumorhöhle

as Lüneburg. Im Brustkrebszentrum am Lüneburger Klinikum ist eine neue Strahlentherapie im Einsatz: Patientinnen, bei denen ein kleiner Tumor so operiert wird, dass die Brust erhalten bleibt, werden während der OP mit einer sogenannten intraoperativen Strahlentherapie behandelt. Diese einmalige Bestrahlung der Tumorhöhle senkt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Tumorauftretens wie bei der bisher üblichen mehrfachen Nachbestrahlung. Das hat eine Studie ergeben, an der rund 3500 Patientinnen teilnahmen. Das Verfahren ist nur an wenigen Brustzentren eta­bliert, zum Beispiel in Lüneburg.

,,Die Studie bestätigt uns in unserem Bestreben, dieses zielgenaue und die Strahlentherapie verkürzende Verfahren bei bestimmten Patientinnen anzuwenden“, sagt Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums. Hella Sürig ist eine Patientin, bei der die IORT eingesetzt wurde. Im Rahmen eines Mammographie-Screenings wurde bei ihr im Frühjahr 2012 ein kleiner Tumor festgestellt. Die Diagnose Krebs sei ein Schock für sie gewesen, ,,es löst jede Menge Angst aus“, berichtet die Ebstorferin. Doch ihr Mann und eine Nachbarin hätten zu ihr gesagt: ,,Hella, es geht weiter, weil es inzwischen viele gute Behandlungsmethoden gibt.“

Die 65-Jährige entschied sich für eine Behandlung im Lüneburger Klinikum. Dort sei ihr in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie die mögliche Behandlung erläutert worden, dann habe sie mit Prof. Dr. Dall gesprochen. Im April 2012 wurden der 8 Millimeter große Tumor sowie zwei Lymphknoten entfernt. Im Rahmen der OP erfolgte die erste Strahlentherapie. Nach einer Woche konnte Hella Sürig die Klinik verlassen, danach musste sie noch fünf Wochen jeweils fünfmal zur Bestrahlung. Ihre Heilungschancen seien gut, weiß die Patientin, doch ,,die Angst bleibt lange ein Begleiter“.

Privatdozent Dr. Stefan Dinges, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, sagt: ,,Eine Bestrahlung während der Operation ist optimal, denn sie kann genau an der Stelle erfolgen, an der kurz zuvor der Tumor entfernt wurde. Auch der Zeitpunkt ist ideal, denn je früher eine Bestrahlung erfolgen kann, desto weniger lokale Wiedererkrankungen treten auf und man kann das Streuen von Tumorzellen verhindern.“ Bei der intraoperativen Bestrahlung wird während der Operation mit einer Bestrahlungskugel zielgenau in der Tumorhöhle bestrahlt, was zirka 20 bis 45 Minuten dauert. Danach wird die Operation zu Ende geführt.

Durch das Verfahren kann die Anzahl der nötigen Nachbestrahlungen reduziert werden. Eine sogenannte Boost-Bestrahlung, das ist eine zusätzliche Bestrahlung auf das Tumorbett, die früher am Ende der Nachbestrahlung erfolgte, sei durch IORT nicht mehr notwendig, sagen Dall und Dinges. In manchen Fällen sei auch gar keine Nachbestrahlung mehr notwendig. Dennoch sei das Risiko, dass der Krebs erneut auftrete, gering.

Das zeigten internationale Studien. Allerdings ist die intraoperative Strahlentherapie nicht für alle Brustkrebspatientinnen geeignet. ,,Es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, um diese Bestrahlungsform als ideale Behandlung für eine Patientin zu wählen“, sagt Dinges. Er setzt mit seinem Kollegen Dall auf zukünftige Studien, die aufzeigen, wie die Anzahl der mit IORT behandelbaren Patientinnen erhöht werden kann.