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Musik zum Anfassen und Mitmachen: Bei ihrem Besuch zeigte die Band Yalta Club dem sechsten Jahrgang der Wilhelm-Raabe-Schule, wie man mit dem eigenen Körper Rhythmen erklingen lässt. Foto: t&w
Musik zum Anfassen und Mitmachen: Bei ihrem Besuch zeigte die Band Yalta Club dem sechsten Jahrgang der Wilhelm-Raabe-Schule, wie man mit dem eigenen Körper Rhythmen erklingen lässt. Foto: t&w

Band-Besuch statt Musiktheorie +++ Mit LZplay-Video

kg Lüneburg. Der Gong hat längst zur großen Pause geläutet, doch viele der Sechstklässler der Wilhelm-Raabe-Schule hoffen, die eben erlebte Musikstunde etwas verlängern zu können. Ein Elfjähriger hat sich eine Gitarre geschnappt, spielt und singt das Lied „Love is all around me“. Auch andere probieren Instrumente aus und bestürmen ihre heutigen Lehrer: die Band „Yalta Club“ aus Frankreich. Einzige Deutsche der sechsköpfigen Gruppe ist die Lüneburgerin Corinna Krome, die früher selbst an der Raabe-Schule gelernt hat. Das Angebot, mit ihren Bandkollegen eine Musikstunde zu gestalten, traf bei ihrer ehemaligen Musiklehrerin Regina Ewe sofort auf Zustimmung.

„Wir machen gerne Musik mit Kindern, weil Kinder offen und kreativ sind und keine Vorurteile haben, was Musik angeht“, sagt Corinna Krome. Nach dem Besuch einer Hamburger Schule im November ist das Gastspiel in der Wilhelm-Raabe-Schule ihre zweite Aktion dieser Art. An diesem Morgen steht „Body Percussion“ auf dem Lehrplan, also die Erzeugung von Rhythmen und Klängen mit dem eigenen Körper, mit Klatschen, Schnipsen oder Fußstampfen.

„Es geht darum, Kindern anders Musik beizubringen als im Schulunterricht“, sagt die Sängerin, die selbst viele verschiedene Instrumente beherrscht und die Texte für ihre Band schreibt. Der normale Musikunterricht sei auch nicht schlecht, doch mit ihrer Art wolle die Band den Schülern einen anderen Antrieb geben, Musik zu machen. Konkret heißt das: keine Theorie, sondern lauschen, fühlen, nachmachen. Nach wenigen rhythmischen Vorübungen stürmen knapp 100 Sechstklässler die Bühne der Aula und performen lachend, klatschend und tanzend mit der Band ein Lied.

„Es ist eine komplett andere Musik als die Schüler normalerweise hören. Ein bisschen retro“, sagt Lehrerin Regina Ewe. „Aber es hat den Kindern gut gefallen, weil die Bandmitglieder lebendig musizieren und große Freude daran haben.“ Das überträgt sich auf die Schüler, die die Musiker an diesem Morgen zum Staunen bringen. „Die Kinder waren unglaublich“, freut sich Krome. „Sie haben die Body Percussion viel schneller gelernt als jeder Erwachsener und waren total enthusiastisch.“

Im Anschluss können Fragen gestellt werden. Möglichst auf Französisch, damit sie auch der Rest der Band verstehen kann, die Musiker sind allesamt Franzosen. Die ehemalige Lüneburgerin stieß 2010 während ihres Erasmus-Semesters in Paris zu ihnen. Die Sprache hält die Schüler nicht ab, Fragen zu stellen. So gut es die gelernten Vokabeln hergeben, erkundigen sie sich nach Bandleben, Plattenproduktion und Autogrammen. Ob die Band in der fünften Stunde Zeit habe, auch ihren Französisch-Unterricht zu übernehmen, will Tom ­Wedekind wissen. Diese Idee gefällt auch Schülern der anderen Klassen, und so dauert der Besuch von „Yalta Club“ an der Raabe-Schule an diesem Tag ­etwas länger als geplant.