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Nur noch 0 Tage - das verkündete das Schild am Eingang: Die zeit für den Baumarkt Max Bahr im Ilmenau-Center ist abgelaufen, die Ära endete am Sonnabend mit einem Resteverkauf mit Preisnachlässen von bis zu 95 Prozent. Foto: be
Nur noch 0 Tage - das verkündete das Schild am Eingang: Die zeit für den Baumarkt Max Bahr im Ilmenau-Center ist abgelaufen, die Ära endete am Sonnabend mit einem Resteverkauf mit Preisnachlässen von bis zu 95 Prozent. Foto: be

Bahr-Inventar geht nach Litauen

Max Bahr
Horst Angermeyer (M.) hat die kompletten Bahr-Regale von den Zwischenhändlern Marcus Fochler (l.) und Peter Rybicki gekauft. In den nächsten Tagen wird er mit Helfern den Markt komplett entkernen und die zerlegten Regale mit sieben Lkw abtransportieren. Foto: be

rast Lüneburg. 90 Prozent Preisnachlass. Da greift auch Familie Ernst aus Rullstorf zu. Sohn Jaden richtet sich sein Zimmer neu ein, findet einige Deko-Artikel wie eine Box, die zunächst auf 30, dann auf 15 Euro runtergesetzt wurde. Mutter Nicole: „Macht jetzt also nur noch 1,50 Euro.“ Doch es kommt noch besser. Punkt 12.37 Uhr verkündet eine Mitarbeiterin über Lautsprecher: „Ab sofort 95 Prozent auf alles.“ Was nicht verkauft wird, kommt am späten Nachmittag auf den Müll. Denn genau um 14 Uhr schließt Marktleiter Andreas Grambow die letzte Tür des Baumarktes Max Bahr – das Ende der Filiale des insolventen Unternehmens im Ilmenau-Center.

Max Bahr
18 Jahre lang arbeitete Andreas Grambow im Baumarkt Max Bahr. Am Sonnabend um Punkt 14 Uhr schloss er zum letzten Mal die Tür der Filiale am Ilmenau-Center ab. Foto: be

Die Restbestände hatten die Mitarbeiter auf wenigen Quadratmetern im Eingangsbereich des Marktes aufgehäuft. Neben Kunden wie Familie Ernst, die auch in der Vergangenheit hier einkauften, kommen etliche Schnäppchenjäger, um noch Schrauben, ISDN-Kabel, Rohrstücke und vieles mehr zu ergattern – zu Preisen wie fast geschenkt. Dafür zeigt Horst Angermeyer allerdings kein Interesse, er mustert die Regale, denn ihm und seinem Team steht in den nächsten Tagen eine logistische Meisterleistung bevor. Marcus Fochler und Peter Rybicki, zwei Jungunternehmer aus Hannover, hatten die Regale von Bahr gekauft und Kontakt zu Angermeyer aufgenommen. Der 74-jährige Hamburger hat eine Transport- und Handelsgesellschaft in Harsefeld mit dem Schwerpunkt Regalbautechnik: „Freitag haben wir uns zusammengesetzt, 45 Minuten verhandelt und uns dann auf 42 000 Euro für alle Regale geeinigt. Noch am selben Tag habe ich das Geld überwiesen – so sind wir Hanseaten.“ Vom heutigen Montag an wird er die Regale rausholen: „In acht Tagen wird der Laden komplett entkernt, die Regale werden auseinandergenommen und dann mit sieben Lkw nach Harsefeld gefahren.“ Mögliche Käufer hat er auch schon im Blick: „Die Regale gehen nach Litauen, eventuell auch nach Tschechien. Dort werden Baumärkte im großen Stil aufgebaut.“ Und die Regale aus dem Lüneburger Markt aus den Herstellungsjahren 2007 und 2012 seien „gutes Material“.

Max Bahr
Jalome, Siegfried, Jaden, Nicole Ernst und Jamero (v.l.) packten den Einkaufswagen voll – bei einem Preisnachlass von bis zu 95 Prozent. Foto: be

Rund 50 Mitarbeiter hatte der Markt. Einige von ihnen stehen Sonnabend noch im Laden – mit düsterem Blick, denn ihre Zukunft ist ungewiss. Marktleiter Andreas Grambow sagt: „Die Kollegen kommen zunächst in einer Transfergesellschaft unter.“ Wie berichtet, hat die HIH Hamburgische Immobilien Handlung, die sich als Eigentümervertreterin um die Vermietung der Immobilie im Ilmenau-Center kümmert, Verhandlungen mit fast sämtlichen Mitstreitern der Baumarkt-Branche geführt. Laut HIH-Sprecher Ken Kuhnke stehe man „vor der Finalisierung des Mietvertrages“, ein Abschluss könne in den nächsten Tagen erfolgen. Hoffnung für die ehemaligen Max-Bahr-Mitarbeiter? Grambow sagt es so: „Hoffnung ist relativ. Die Frage ist: Übernimmt der neue Inhaber Mitarbeiter zu den alten Konditionen oder müssen sich die Leute, die teilweise 20 Jahre und länger für Praktiker und Bahr gearbeitet haben, neu bewerben?“ Max Bahr

Der zweite Lüneburger Bahr-Markt Auf den Blöcken schließt laut Harald Günter von der Hamburger Max-Bahr-Zentrale spätestens Ende Februar. Dort geht, wenn das Kartellamt zustimmt, die Bauhaus-Gruppe rein.