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Die Brückenbauer von morgen? Im Wahlpflichtbereich MenschMacht...Fortschritt konzipierten Siebtklässler der Herderschule eine schwenkbare Hängebrücke. Jarla, Hannah, Lea, Finn, Ole und Marvin (von links) präsentieren ihr Modell. Foto: t&w
Die Brückenbauer von morgen? Im Wahlpflichtbereich MenschMacht...Fortschritt konzipierten Siebtklässler der Herderschule eine schwenkbare Hängebrücke. Jarla, Hannah, Lea, Finn, Ole und Marvin (von links) präsentieren ihr Modell. Foto: t&w

Von Dinos, Brücken und Katapulten

mm Lüneburg. Dinosauriermasken, ein Flaschengarten, eine Brückenkonstruktion nach dem Vorbild Leonardo da Vincis – die Schüler der Herderschule haben mit ihren Entwürfen in den Wahlpflichtkursen reichlich Kreativität unter Beweis gestellt. Was die Siebt-, Acht- und Neuntklässler in diesem Schuljahr alles gelernt, angefertigt und einstudiert haben, präsentierten sie jetzt bei einer Ausstellung im Aulafoyer und auf der Bühne.

In die Pflanzenwelt tauchten Amelie (l.) und Melina ein. Entstanden ist ein Ökosystem in Form eines Flaschengartens. Foto: t&w

Wahlpflichtunterricht gibt es an dem Gymnasium seit dem Schuljahr 2006/2007. Das Kultusministerium legt fest, welche Fächer in dem Angebot enthalten sein müssen. Die individuelle Ausgestaltung obliegt den Schulen. Eine Arbeitsgruppe mit Lehrern, Eltern und Schülern entwickelte an der Herderschule fünf Säulen unter dem Tenor ,,MenschMacht. . .“ – Natur, Fortschritt, Spiel, Kultur und Sprache. Laut Direktorin Michaela Tauffenbach sei das Herderschulmodell in Lüneburg, möglicherweise in ganz Niedersachsen einmalig. Der fächerübergreifende Unterricht ziele auf projektorientiertes und experimentelles Arbeiten. Das Oberthema vermitteln die Lehrer, eigenständig entwickeln die Schüler dann Ideen, wie sich die Projekte verwirklichen lassen.

Melina und Amelie hat es „Spaß gemacht, kreativ zu sein“. Die Siebtklässlerinnen schauten für ihr Projekt tief ins Glas. Mit Gabel und Löffel erschufen sie ihr eigenes Ökosystem, sorgten für Pflanzentrieb in Gefäßen. Als Fundament dienen Kieselsteine und Erde. Die Schülerinnen lernten unter anderem, welche Wurzeltypen es gibt: „Pfahl- und Tellerwurzel“, weiß Melina jetzt. Auch wer in der Nahrungskette von wem gefressen wird, ist ihr nun bekannt.

Von dem italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci hatten einige Siebtklässler möglicherweise schon gehört, mit seiner Arbeit kamen sie durch MenschMacht . . .Fortschritt in Kontakt. Bei „angewandter Physik“ sollten sie in Gruppen überlegen, welche praktischen Modelle gebaut werden könnten. Eigenständig erstellten sie Materiallisten, planten die einzelnen Arbeitsschritte. „Fortschritt heißt, eigenständig etwas Neues zu entwickeln“, sagt Physiklehrerin Dr. Rimma Kanevski. Ganz neu ist die Idee einer schwenkbaren Brücke nicht, hatte sie eben schon da Vinci. Doch den Schülern gelang es, sie nach seinem Modell nachzubauen. Eine „reine Mädchengruppe“ fertigte eine Kurbelbrücke, Ole mit seinem Team ein Katapult. „Wir brauchten ein stabiles System, damit die Achse hält“, erläutert der Siebtklässler, als er das Geschoss vorführt.

Herderschule
Mit selbst gebastelten Drachenmasken wollen Franziska (hinten, von links) und Jacqueline sowie (vorne, v.l.) Kay-Sölvie, Anita und Anna auf der Bühne auftreten. Foto: t&w

Praktisches Arbeiten funktioniert nicht nur in der Physik, sondern auch im Deutschunterricht. Lehrerin Jenna Thöle erläutert das Konzept hinter MenschMacht . . .Kultur: „In der siebten Klasse interviewten die Schüler Menschen mit Migrationshintergrund in Lüneburg, um einen Eindruck über deren besondere Situation zu gewinnen. Achtklässler setzten sich mit verschiedenen Kulturbegriffen ausgewählter europäischer Staaten auseinander. Dabei wurden Integrationsprobleme und Vorurteile thematisiert. Das hilft, Klischees entgegenzuwirken. International wurde es in Klasse 9. Im Fokus stand der Fairtrade-Handel oder auch ein andersartiger Konsum beispielsweise durch Foodsharing, dem Teilen von Nahrungsmitteln mit anderen.“

Auf Reise in die antike Welt gehen Schüler bei Mensch Macht . . .Sprache. Nicht nur weil die Möglichkeit zu einer Kursfahrt nach Rom besteht, sondern auch weil sie im Latinumskursus die „Wurzeln der romanischen Sprachen und Kulturen ergründen“. Ihrer Kreativität freien Lauf lassen können sie beispielsweise beim Zeichnen von Comics zu lateinischen Lehrtexten.

Kreativ zeigten sich auch die Schüler, die aus Kaninchendraht Dinosaurierköpfe formten, sie mit Pappmaschee ausfüllten und nach Vorbild echter Dinos bemalten. Mit den Masken wollen sie nun beim Konzert der schuleigenen Big-Band am Sonnabend, 15. Februar, zum Lied „Walk the dinosaur“ die Bühne stürmen.