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Erfolgreicher Unternehmer: Lars Hinrichs hat das bekannte Online-Netzwerk Xing gegründet und später für 48 Millionen Euro verkauft.  Foto: t&w
Erfolgreicher Unternehmer: Lars Hinrichs hat das bekannte Online-Netzwerk Xing gegründet und später für 48 Millionen Euro verkauft. Foto: t&w

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mm Lüneburg. 48 Millionen Euro das war der stolze Preis, für den Lars Hinrichs seine Anteile am Erfolgsunternehmen Xing im Jahr 2009 an den Medienkonzern Burda verkaufte. Gegründet hatte Hinrichs das Onlinenetzwerk für berufliche Kontakte sieben Jahre zuvor, mittlerweile hat es mehr als 14 Millionen Nutzer. Der Verkauf sei nötig gewesen, er habe sich in zu vielen Management-Treffen gelangweilt, sagt der umtriebige Geschäftsmann Hinrichs. Er sehe überall Chancen, habe ständig neue Ideen. Seine neueste klingt revolutionär: Hinrichs will den Mietmarkt für Immobilien verändern. Wie? Das erklärte er in einem offenen Dialog Studenten der Leuphana Universität am Dienstagabend. Für die Vortragsreihe „The Spirit of Entrepreneurship“ konnte der Entrepreneurship-Hub der Hochschule Gründervorbild Hinrichs als Sprecher gewinnen.

Hinrichs ist 37 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und gehört seit Oktober letzten Jahres zum Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG. Er besitzt eine eigene Investmentfirma mit Namen Cinco Capital. Mit seinem Erlös aus dem Xing-Verkauf gründete Hinrichs zunächst das Unternehmen HackForward, er wollte damals den jungen Inkubator-Markt mitgestalten. HackForward ist ein Inkubator für Geeks. Das sind Softwareentwickler, die viel vom Internet, aber wenig von Unternehmensführung verstehen. Hinrichs stellte ihnen Risikokapital für eine Firmengründung zur Verfügung. Die Geeks bekamen Startkapital, gaben dafür Anteile an HackForward ab. Es hagelte über 3000 Bewerbungen, 16 wurden akzeptiert.

Doch nun hält Hinrichs HackForward für nicht mehr zeitgemäß und verkündete im letzten Jahr, keine neuen Jungunternehmen mehr in den Inkubator aufnehmen zu wollen. Beschleuniger-Programme, in der Gründersprache Accelerator-Programme genannt, wie You is now verschenken mittlerweile 25 000 Euro Startkapital, ohne dafür Anteile zu wollen. Hinrichs, Sprössling einer Hamburger Unternehmerfamilie, spricht von einem überhitzten Inkubator-Markt.

Deswegen zieht er sich zurück und setzt auf eine neue Idee, einen zurzeit ebenfalls überhitzten Markt, den für Hamburger Immobilien. Diesen will der Mann, der sich selbst als „kreativen Zerstörer“ bezeichnet, nun verändern. Dafür kaufte er schon ein Eckhaus am Mittelweg im vornehmen Hamburger Stadtteil Harvestehude. Ein Youtube-Video zeigt Hinrichs als Baggerfahrer, das Haus machte er dem Erdboden gleich. Er möchte dort Wohnungen bauen. Mit Cinco Capital will Hinrichs in ein Flat-Rate-Mietmodell für Immobilien investieren, ähnlich den Leasing-Paketen beispielsweise von Autoherstellern.

„Ich sehe stets Chancen und nicht die Risiken“, erklärt Hinrichs. Als Chance versteht er es, die Wertschöpfungskette im Mietmarkt verändern zu können. Hinter der Geschäftsidee steckt eine recht simple Überlegung: Wie mietet man heute? „Nach Anzahl der Zimmer, Quadratmeter und der Lage“, weiß Hinrichs. Doch es gebe auch andere Faktoren, die den Mietpreis bestimmen könnten. Für eine Wohnung habe man neben dem Mietvertrag noch „mindestens zehn andere an der Backe.“ Strom, Wasser, Wärme, Telefon, Internet, Rundfunkgebühren…, darin sieht Hinrichs einen „großen Wust an Dingen, die administriert werden müssen.“

Diesen aufzulösen, das ist Hinrichs Ziel. Und zwar in einer Art Leasing-Modell. Man zahle keinen Mietpreis, keine Kaution und keine Maklerprovision mehr, sondern eine Flatrate, in der alle Nebenkosten und Gebühren abgedeckt seien. Hinrichs will fertige Wohnungen bauen, nur noch das Mobiliar müsse mitgebracht werden, er spricht von „Funktionalität, Lebensqualität in bester Wohnlage für eine bestimmte Zeit.“ Ein neues Modell, das sicherlich noch Risiken birgt. Doch selbst wenn es schief geht, für Hinrichs wäre es „ein negativer Erfolg“. Nicht weiter schlimm, denn aus Fehlern lerne man.