Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Britische Lehrer informieren sich an der BBS III über die Duale Ausbildung und das deutsche Ausbildungssystem. Foto: kre
Britische Lehrer informieren sich an der BBS III über die Duale Ausbildung und das deutsche Ausbildungssystem. Foto: kre

Pädagogen von der Insel zu Gast

kre Lüneburg. Erst gab es ein leckeres Frühstück gegen den kleinen Hunger, anschließend gegen den Wissensdurst ein Rundgang durch die Schule mit vielen Informationen: Elf Lehrkräfte aus England waren jetzt nach Lüneburg gekommen, um sich bei ihren deutschen Kollegen über das duale System der Berufsausbildung zu informieren. Und sie wurden nicht enttäuscht. Schließlich werden an der BBS III die verschiedensten Berufe ausgebildet. Angefangen vom Fachkräftenachwuchs in der Agrarwirtschaft über Gesundheit, Hauswirtschaft und Pflege bis hin zu Hotellerie, Gastronomie und Lebensmitteltechnik sowie Sozialpädagogik. Komplettiert wird das schulische Angebot an den Berufsbildenden Schulen III durch das berufliche Gymnasium.

„Made in Germany“: Weltweit gilt das noch immer als Qualitätssiegel. Ein wesentlicher Grund dafür da sind sich die Experten einig ist das Duale Ausbildungssystem in Deutschland. Immer mehr Länder interessieren sich deshalb für das deutsche Modell, die parallele Ausbildung in Schule und Betrieb. Durchschnittlich vier Tage pro Woche im Unternehmen, einen Tag Berufsschule. Praxiserfahrung von Anfang an. So lautet das Erfolgsrezept für gut ausgebildete Fachkräfte. Klassenprimus ist Deutschland aber auch, was die Jugendarbeitslosigkeit betrifft: 7,5 Prozent beträgt die Quote und ist damit die niedrigste in ganz Europa. Zum Vergleich: In Großbritannien ist jeder vierte junge Mensch ohne Arbeit, in Griechenland und Spanien sogar jeder zweite.

In England geht die Regierung das Problem der Jugendarbeitslosigkeit offensiv an, ,,dort ist sehr viel Geld der Regierung in die Austattung der Colleges, vergleichbar mit unseren Berufsbildenden Schulen, geflossen“, weiß BBS-III-Lehrerin Renate Behrens-Lange, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Maike Falk im Herbst vergangenen Jahres das britische Berufsschulsystem kennenlernen durfte.

Organisiert wurde der deutsch-englische Kontakt durch die Association of Colleges (AoC) und drei berufsbildende Schulen in Niedersachsen (BBS Soltau, BBS Osterholz-Scharmbeck und der BBS III in Lüneburg). ,,Wir hatten seinerzeit über die Deutsche Botschaft in London den Kontakt zu dem britischen Verband von Colleges bekommen, weil wir uns über das britische Berufsbildungssystem informieren wollten“, berichtet Renate Behrens-Lange im Gepräch mit der LZ. Schnell wurde der Wunsch nach einem Gegenbesuch laut. Im Mittelpunkt des britischen Interesses die Zusammenarbeit von Kammern, Betrieben und Berufsschulen bei der Berufsausbildung.
Außerdem streben deutsche und britische Lehrer eine engere Kooperation an im Rahmen des neuen EU-Bildungsprogramms „Erasmus+“: Ziel sei es, deutschen Auszubildenden ebenso die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes zu bieten, wie umgekehrt britischen Jugendlichen in Deutschland. ,,Über den Tellerrand schauen“, nennt Renate Behrens-Lange das Ziel.

Die finanziellen Mittel für die Auslandsaufenthalte jedenfalls sind vorhanden, die EU-Töpfe gut gefüllt. Insgesamt stehen für das Programm „Erasmus+“ 14,7 Milliarden Euro in Brüssel bereit. Geld, das dazu dienen soll, dass in den nächsten sieben Jahren mehr als vier Millionen Menschen im Ausland studieren, sich weiterbilden und Arbeitserfahrungen sammeln können. Eben über den Tellerrand schauen.