Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Neuer Kostenschub am Uni-Bau?
Der Libeskind-Bau wächst und wächst, viele fürchten, die Kosten auch. Jetzt wird schon über bis zu 90 Millionen spekuliert. Foto: t&w
Der Libeskind-Bau wächst und wächst, viele fürchten, die Kosten auch. Jetzt wird schon über bis zu 90 Millionen spekuliert. Foto: t&w

Neuer Kostenschub am Uni-Bau?

jj Lüneburg. Kaum ist der letzte Preisschub beim Prestigebau der Lüneburger Universität verdaut, wird schon in Hannover über das nächste Millionen-Loch spekuliert, das sich am Libeskind-Bau auf dem Campus auftun soll. Nach ursprünglich 57 Millionen Euro, dann 76 Millionen Euro machen jetzt bis zu 90 Millionen Euro Baukosten die Runde.

Das berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung und beruft sich auf Regierungskreise. Für den Kostenschub werden Bauverzögerung, Umplanung, teures Material angeführt. Neu sind die Befürchtungen nicht, doch sie wollen nicht verstummen.

Am Montag war Lüneburgs Uni-Präsident Sascha Spoun bei der Staatssekretärin des Wissenschaftsministeriums. Ihr Sprecher Werner Nording sagt: ,,Wir kommentieren keine Zahlen, solange wir nicht den Bericht der Oberfinanzdirektion vorliegen haben und ihn ausgewertet haben.“ Henning Zühlsdorff, Sprecher der Uni Lüneburg zum HAZ-Artikel: „Erneute Spekulationen um eine Steigerung der Baukosten für das Zentralgebäude haben uns überrascht. Die dem Land zur Prüfung vorliegende Finanzierungsplanung sieht Baukosten von rund 76 Millionen Euro vor. Daran hat sich nichts geändert.“

Die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers, die lange eine distanzierte Haltung zum Bau hatte, fordert: ,,Der Bau muss fertig werden.“ Die Abstimmung zwischen Uni und Ministerium sei deutlich besser geworden. Es gehe nun um eine strenge Kostenkontrolle. Dass in Lüneburg bei den 76 Millionen Euro nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein könnte, soll der Ministerin schon länger schwanen.

Innerhalb der SPD-Fraktion gibt es denn auch weiter kritische Stimmen. Eine Hochschulexpertin stuft den Libeskind-Bau mittlerweile in die Kategorie ,,Too big to fail“ ein. Aber auch wenn er zu groß ist, um zu scheitern, prophezeit die rote Kassandra: „Es stehen erst die Grundmauern. Das werden am Ende mehr als hundert. Spannend ist, wer finanziert das?“ In der Pflicht sei das Land, Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic müsse das Geld aufbringen. ,,Da werden andere Hochschulen bluten müssen. Ich bin empört, dass wir als Haushaltspolitiker nur noch Zaungäste in dieser Aufführung sind.“

SPD-Wissenschaftsexpertin Dr. Silke Lesemann sagt: „Die Leuphana darf bei den Kosten keine Dauerbaustelle werden. Wir brauchen absolute Transparenz.“ Doch in der Baudiskussion dürfe auch nicht untergehen, dass an der Uni hervorragende Arbeit geleistet werde.

Der Grundstein für den Bau nach Ideen von Architekt Daniel Libeskind wurde im Mai 2011 gelegt. Im extravaganten Gebäude voller Schrägen werden unter anderem Audimax, Forschungs-, Studenten- und Seminarzentrum zu Hause sein. Fertig werden soll der Bau im Sommer 2015.

In Hannover warten alle auf den Bericht der Oberfinanzdirektion und auf die Entscheidung der EU, die über den Innovationsinkubator der Leuphana knapp 14 Millionen Euro zum Bau beisteuert. Denn dort recherchierte auch die EU-Korruptionsbehörde OLAF, merkte Kritisches zu den Finanzen an.

Die EU ist neben dem Land (bisher 21 Millionen Euro), Bund, Stadt und Kreis Lüneburg sowie der Uni-Stiftung einer der großen Geldgeber.

22 Kommentare

  1. Offenbarungseid

    Meinem Leserbrief aus der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ von Mittwoch, den 4. Dezember 2013 habe ich nur wenig hinzuzufügen:

    Welche Gremien und welche “Entscheidungsträger” auf Stadt- und Landesebene sind eigentlich dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass diese Katastrophe so weit gedeihen konnte? Dürfen wir uns vorstellen, dass der Oberbürgermeisterkandidat der SPD, Ulrich Mädge, von dieser Frage gepeinigt gelegentlich schweißgebadet aus traumlosem Schlaf hochschreckt?

    Über sechs Jahre hässlichstes öffentliches Gerangel über “das futuristische Zentralgebäude nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind”.

    Und anstatt endlich einen Untersuchungsausschuss einzusetzen und eine juristische Aufarbeitung des Planungsdesasters gegen die Betreiber und „Entscheider“ einzuleiten, hören wir das übliche ermüdende „ja, … aber“-Geschwätz von „Regierungs-Darstellerinnen“ wie Andrea Schröder-Ehlers und Dr. Silke Lesemann, die implizit zugeben, man habe sich über den Tisch barbieren lassen, aber, nachdem nun einmal Tatsachen geschaffen wurden, „die Grundmauern stehen“ und man erpressbar geworden sei, müsse ,,Der Bau (…) fertig werden”, denn der Imageproblemballon sei längst ,,Too big to fail”.

    Die Bilanz?

    Staatsanwaltliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen die “Projektleitung” des grotesk “konzipierten” Zentralgebäudemonstrums, stetig steigende Kosten, immer noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung, 57 Millionen Euro ursprünglich genannt, derzeit (4. Dezember 2013) vorübergehend auf 78,2 Millionen Euro “taxiert”, heute (5. Februar 2014) „machen jetzt bis zu 90 Millionen Euro Baukosten die Runde“, eine „Hochschulexpertin“ aus der SPD „prophezeit“ gar: “Das werden am Ende mehr als hundert Millionen. Spannend ist, wer finanziert das?”, man empfiehlt „Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic“ müsse ihr privates Sparbuch plündern, erhebliche Zweifel an dem inferioren „Finanzierungskonzept“ beim Landesrechnungshof, keine gutachterliche Kalkulation durch unabhängige Experten, immer noch (Stand 5. Februar 2014) beklagt man beim Landesrechnungshof das “Fehlen etlicher Unterlagen”, es gibt massive Bedenken der Oberfinanzdirektion (OFD) und nur unvollständige Informationen über die Gründe der verzögerten Fertigstellung, keine Berechnung der künftig anfallenden Unterhalts- oder Nutzungskosten etwa für Energie, Bauerhalt, Reinigung oder Reparaturen, keine halt- oder brauchbare Bestimmung der Parameter tatsächlich erzielbarer Verkaufserlöse für Uni-Liegenschaften, mutmaßlich unrechtmäßig berücksichtigte Vorsteuerabzugsbeträge bei der Ermittlung von Landeszuwendungen in Höhe von drei Millionen Euro – und eine vor Entsetzen zwischen überwiegend Häme und vereinzelt sektenähnlicher Bunkermentalität schwankende Bürgerschaft.

    Und nun will “die Hildesheimer Prüfbehörde (…) angesichts weiterer befürchteter Preissteigerungen sogar die radikale Alternative durchgerechnet wissen: Abriss des bisherigen Baus, Kündigung sämtlicher Verträge und ein neues Audimax in der für andere Hochschulen üblichen Standardversion.”

    Warum lassen wir die bereits “in Beton gegossenen” Mauern nicht als “nachhaltiges” Mahnmal provinziellen Größenwahns stehen, bauen eine “energieeffiziente” Liebes-Keller-Kind-Mehrzweckhalle (Tanzpalast, Versammlungs- und Veranstaltungssaal inklusive Eisbahn für das schaulaufbedürftige Fachhochschulpräsidium) daneben und geben die überschüssigen Mittel in Höhe von sieben Millionen Euro schnell und unbürokratisch für den behutsam “historisch” rekonstruierenden Wiederaufbau des Sonntagnacht abgebrannten Georg-von-Lösecke-Hauses Am Stintmarkt Nummero Zwo im Hafenviertel frei?”

    • Lena Drögedorf

      Hallo Herr Weber,

      so geht das nicht ! Wollen Sie hier zwischen den Zeilen vielleicht andeuten, die niedersächsische Landesregierung und die sie stützenden Fraktionen aus Abgeordneten und Abgeordnetinnen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verschleppten die Aufklärung der Kostenexplosionen beim Libeskind-Bau an der „Uni“ Lüneburg, um die Wiederwahl des frisch zum Kandidaten gekürten SPD-Oberbürgermeisters Ulrich Mädge am 25. Mai in ebendiesem Lüneburg nicht zu torpedieren? Und behaupten nicht eventuell SIE „implizit“, politisch überaus hochsensible Damen wie Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, Andrea Schröder-Ehlers und Dr. Silke Lesemann, die Kämpferinnen gegen „Finanzierungsunebenheiten“ beim Zentralbau aus den letzten Legislaturperioden würden, seit sie zu Posten und Stimme im Leinepalästchen kamen, derart viel unentschlossen wachsweiches Gerede zum Thema von sich geben, nur um einen über die Vorgänge um die Audimax-Dauerkatastrophe zumindest nicht gänzlich ununterrichteten Parteifreund den mächtig angeschubberten Steigbügel in das fünfte Amtsäon zu halten?

      Das wäre nicht schön von Ihnen. Denn das lässt sich allenfalls annehmen, aber nicht beweisen. Und gegen die Unterstellung von so viel zeitschindender, aber kostenerzeugender Durchtriebenheit zum pekuniären Nachteil der wehklagenden Steuerbürger in der Nordheide und ganz weit drumrum verwahre ich mich aufs allerentschiedenste!

      Volkommen anderes vernehmen wir da von Glasermeister Eckhard Pols. Er kennt sich aus mit wirksam vorbeugendem Schutz für nicht gesteuerte, nicht gewollte und deshalb oft mit verheerenden Folgen verbundene Finanzierungsexplosionen.

      Am 8. Mai 2011 war unter den Gästen bei der Grundsteinlegung der Leuphana „für ihr wichtigstes Entwicklungsprojekt – das neue Zentralgebäude“, so Pols auf seiner „Website“, unter den „rund 300 Gästen neben der Wissenschaftsministerin, Prof. Dr. Johanna Wanka, und dem Kultusminister, Bernd Althusmann, auch der zuständige Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols.“

      „Als Vertreter für den Bund“, ist dort (http://www.pols-cdu.de/veranstaltungen_mdb_49.html) ebenfalls zu lesen „hat Eckhard Pols eine Zwei-Euro-Münze mit Prägung des Bundesadlers, welcher als Wappen des Deutschen Reiches, später der Weimarer Republik und seit 1950 der Bundesrepublik Deutschland diente und nun als traditionsreichstes deutsches Staatssymbol auf der Rückseite der deutschen Ein- und Zwei-Euro-Münzen zu finden ist, in den Grundstein gelegt.“

      Ist der Mann nicht weitsichtig?

      Genau diese „Zwei-Euro-Münze mit Prägung des Bundesadlers“ werde nun, so ist zu vernehmen, aus den Betonfundamenten der Bauruine wieder hervorgeholt, um die ganz unverhofft aufgetretene Finanzierungslücke für den Weiterbau zu schließen.

      Um das Urheberrecht für diese erlösende Idee wird im Herbst 2015 in einer eigens anberaumten Bundestagsdebatte gerungen.

  2. Am besten wäre es die Bauarbeiten sofort einzustellen. Da erst die Grundmauern stehen,die wahrscheinlich auch schon 2 Mille kosten, könnte man diese mit Graffiti schmücken und es dann Steuergeldverschwender Kunst nennen. Da es meine Idee ist, hätte ich dann gerne 5 Millionen dafür. Mein Künstlername, Böseskind.

    Ich hätte auch noch einen Vorschlag für das Kunstopjekt 8 Wasserblüten. Da die Instandsetzung, die ca.40000-45000 euro kosten soll, damit wieder Wasser fliesst, macht doch einen Schokobrunnen draus. Da könnte man dann Obst am Stiel mit Schokolade, zum Beispiel Erdbeeren, Bananen usw. verkaufen. Da kann man dann sogar Geld verdienen, anstatt zu verbrennen. Schokobrunnen der 8 Köstlichkeiten.

    • *Klugscheisseralarm*
      Ganz nette Idee. Wenn da nicht dieser eklatante umgangssprachliche Fauxpas enthalten wäre (wie so oft bei Leuten, die das Wort Millionen besonders lässig ausdrücken wollen)… Mille = Tausend! Wenn Sie dieses Wort unbedingt im Zusammenhang mit Millionenbeträgen benutzen wollen ohne blöd dazustehen, dann schreiben Sie doch bitte eine Zahl davor, aus der der von Ihnen angedachte Wert entsteht: 2000 Mille. 😉

  3. Warum wundert mich das nicht !? Und das viel schlimmere … warum regt es mich nicht/kaum auf ? Die Bevölkerung ist schon so abgestumpft von Elbphilamonie, Berlin Airport, Stuttgart 21, etc. und das daraus keine Konsequenzen folgen für die Verursacher. Wirklich schlimm !
    @ Baustopp Die Schokolade/Obst könnte verschenkt werden …. für die nächsten 200 Jahre !! Das wäre immer noch um ein Vielfaches günstiger für LG.

  4. BER und Elbphilharmonie lassen grüßen. Da hat man in der Leuphana wohl in Berlin und Hamburg geluschert. Und nicht nur Gier frisst Hirn, sondern Größenwahn ebenso.

    Doch schon vor Grundsteinlegung hatten etliche Kommentatoren hier vor dieser Entwicklung gewarnt. Aber das Volk ist ja dumm. Nur die Damen ud Herren in der Politik wissen was richtig, wichtig und „sinnvoll“ ist – meinen sie zumindest. Ein Trauerschauspiel namens „Realitätsverlust“ ist das.

  5. Leuphana-Skandal

    Man rechnete wohl von Anfang an darauf, daß mit jedem Zentner Beton, den man in den gähnenden Abgrund der Unterfinanzierung kippt, und mit jedem Tag, der für die notwendig kleinteilige Prüfung des lückenhaften Planungsunterlagengestrüpps verstreicht, der Zwang für die treudoof gutgläubigen „Geldgeber“, die ja nicht ihre eigenen Euro-Millionen, sondern UNSERE, die der Steuerlemminge, in die Baugrube des Protzbaus kippen, derart zunimmt, dass man eines fernen Tages sagen kann: Ja, die Kosten haben sich verfünffacht, aber schaut doch nur, wie schön der Silberglanz der Renommierkathedrale mit der Krawattenfarbe von Holm Keller korrespondiert.

    Ist es nicht langsam an der Zeit, den Kultusminister und die Ministerin für Wissenschaft und Kultur des CDU/FDP-Kabinetts McAllister zusammen mit ihren Staatssekretären vorzuladen, um gerichtlich der Frage nachzugehen, in welchem Maß sie für diesen gigantischen Müll- und Scherbenhaufen zu Lasten der niedersächsischen und der Lüneburger Steuerbürger verantwortlich sind?

    Bloß, wie hießen die denn noch?

  6. Vielen Dank Herr Beck, da habe ich wieder was dazu gelernt. Aber, wenn Sie hier Kommentare abgeben wollen ohne blöd dazustehen, sollten Sie lieber was zum Thema schreiben, anstatt hier den Oberlehrer zu spielen. Wenn Sie es nur gut meinten mit Ihrer Verbesserrung, hätte man es freundlicher schreiben können, ohne gleich jemanden zu beleidigen den Sie nicht kennen. Ich denke, jeder hat verstanden was gemeint war. Klugscheisseralarm kommt glaube ich weniger an, als eine (vielleicht) falsch geschriebene Abkürzung. Ich weiß es leider nicht genau, aber ich vermute es. Ist nicht bös (böse?) gemeint, ist nur ein nett gemeinter Tip.
    Mille (Latein: Tausend) steht für:
    umgangssprachlich Tausend
    umgangssprachlich zunehmend auch Million
    Gefunden bei Wikipedia

  7. Nun ja. Diese Seilschaft aus Herrn Althusmann und Herrn Porwol stammt ja bekanntlich aus Lüneburg. Und vielleicht wollte man der Heimatstadt nur etwas Gutes tun ;-). Die Suppe muss jetzt jedoch eine SPD geführte Landesregierung auslöffeln. Aber es wird nicht lange dauern, bis die CDU Opposition im Landtag der jetzigen Landesregierung den schwarzen Peter in die Schuhe schieben wird/will. So ist Politik eben. Verlogen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

  8. Zu: Leuphana-Skandal

    Christian Grascha schlägt Alarm

    Zum Leuphana-Neubau lässt er heute, am Donnerstag, den 6. Februar 2014, um 17:01 per Pressemitteilung die markigen Worte verbreiten:

    ROT-GRÜN MUSS BEI WEITEREN KOSTENSTEIGERUNGEN STOPPSCHILD HOCHHALTEN

    „(BPP) Der FDP-Haushaltspolitiker Christian Grascha hat noch einmal gefordert, die Kosten für den Leuphana-Neubau in Lüneburg nicht weiter ausufern zu lassen. „Die rot-grüne Landesregierung muss jetzt das Stoppschild hochhalten, wenn sich die weitere Steigerung der Gesamtkosten bewahrheiten sollte. Das Land kann nicht jede Kostensteigerung mitmachen”, sagte Grascha nach einer Unterrichtung zu dem Thema im Haushaltsausschuss. Dabei konnten Vertreter des Wissenschaftsministeriums die in Medienberichten genannten Kostensteigerungen nicht bestätigen. Begründung: Die entsprechenden Unterlagen lägen noch nicht vor.

    Grascha hält eine Gesamtkostensteigerung von rund 60 Prozent für nicht mehr akzeptabel. „Man kann auch bei allem guten Willen nicht bei 57 Millionen Euro loslaufen und bei 90 Millionen ankommen. Wenn dieses Szenario wirklich droht, muss über Alternativen nachgedacht werden – laut Ministerium soll das auch passieren”, sagt der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Das Ministerium sei jetzt gefordert, auf alle Entwicklungen vorbereitet zu sein, um zeitnah handeln zu können. „Die Landesregierung muss jetzt und nicht erst später ihre Position klären. Es darf keine Verzögerungen geben. Jeder weitere Tag macht mögliche Alternativen teurer“, so Grascha.“

    Quelle: http://www.02elf.net/politik/christian-grascha-zum-leuphana-neubau-rot-gruen-muss-bei-weiteren-kostensteigerungen-stoppschild-hochhalten-367907

    ZWEI FRAGEN:

    1. Wer ist Christian Grascha?

    Antwort:

    Christian Grascha (* 16. Oktober 1978 in Einbeck) ist ein deutscher Politiker (FDP) und seit 2008 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags. Nach dem Realschulabschluss an der Löns-Realschule in Einbeck durchlief Grascha Ausbildungen zum Industriekaufmann, Finanzwirt (bbw) und Masterconsultant in Finance. Heute arbeitet er als selbständiger Finanz- und Vermögensberater. Seit 2009 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion.

    2. Wo war der besorgte „Masterconsultant in Finance“ und Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, Christian Grascha, von 2009 bis 2013, als das unglückliche „Projekt“ des von Anfang an heftig umstrittenen Leuphana-Zentralgebäudeneubaus und dessen ungesicherte „Finanzplanung“ unter anderen Institutionen vom Landesrechnungshof mehrfach scharf kritisiert, aber von der CDU/FDP-Regierung politisch immer wieder und immer weiter durchgedrückt wurde? Hätte Herr Grascha seine „Landesregierung nicht damals schon und nicht erst heute, nachdem sie abgewählt ist, drängen müssen, ihre Position zu klären“? Eine damals auch wohl von ihm „ungeklärt“ hingenommene „Position“ übrigens, die sich dieser Tage in ihrer grellen Unzulänglichkeit (und in den in ihr nicht erst seit gestern brütenden ungeheuerlichen Folgekosten) zeigt?
    Wo war also damals der „FDP-Haushaltspolitiker Christian Grascha“, als er es noch in der Hand hatte, wirksam „das Stoppschild hochzuhalten“ und „die Kosten für den Leuphana-Neubau in Lüneburg nicht ausufern zu lassen“?

    Antwort:

    Christian Grascha, der jetzt – vollkommen zu Recht (wenn auch mit durchsichtiger Selbstvermarktungsabsicht, die verstimmt) – „eine Gesamtkostensteigerung von rund 60 Prozent für nicht mehr akzeptabel“ hält, saß damals, als er seinen Koalitionskollegen im Wissenschaftsministerium hätte sagen können, das „Ministerium sei jetzt gefordert, auf alle Entwicklungen vorbereitet zu sein, um zeitnah handeln zu können“, auf einer der hinteren Bänke im Leineschloss in Hannover und schwieg.

    Warum wohl?

  9. Es geht doch gar nicht mehr um die FRage der Wirtschaftlichkeit. Für den Bau fehlen zwischen 30 bis 40 Millionen Euro in der Finnazierung. Selbst Keller wird doch nicht glauben, dass er das alles über die Verkäufe der Schrott Immobilien oder Vermietung eines Tages in die Tasche bekommt. Selbst wenn das klappen sollte, dann werden die Baufirmen nicht 25 Jahre warten, bis sie eines Tages ihr Geld erhalten.
    Die Frage wird lauten, ist das Land bereit, diesen Betrag zusätzlich in den Bau zu stecken? Oder muss die Uni dieses Geld zwangsläufig aus Forschung und Lehre abziehen, um den Bau am Laufen zu halten?

    Die Schuldfrage: vor drei Jahren hatte die Universität dem Verantwortlichen dieses Chaos die Wiederwahl verweigert. Auf Betreiben von Unileitung und Stiftungsrat wurde aber so lange gewählt, bis das Ergebnis stimmte.
    Der Skandal und Ansehensverlust der Universität hätte vermieden werden können. In der Privatwirtschaft müssten Leitung und Aufsicht jetzt gehen.

    • Gerfried Bäslik

      Sehr geehrte(r) Herr (oder Frau?) Besorgt,

      „Die Schuldfrage“ wollen Sie doch nicht allen Ernstes allein Holm Keller stellen, dem „hauptberuflichen Vizepräsidenten für Innovations-Inkubator und Universitätsentwicklung“?

      Dass er und seine Kollegen dieses verrückte Bauvorhaben in einer Weise vorangetrieben haben, welche inzwischen die Staatsanwaltschaft Stade wegen „zureichender Anhaltspunkte für den Vorwurf der Untreue“ beschäftigt, mindert doch nicht die Dringlichkeit, einmal juristisch nachzuforschen, wie Leserbriefschreiber Weber hervorhebt, „welche Gremien und welche “Entscheidungsträger” auf Stadt- und Landesebene eigentlich dafür zur Verantwortung zu ziehen sind, dass diese Katastrophe so weit gedeihen konnte“.

  10. Fragen über Fragen, wie es zu dieser m. E. ausweglosen Situation kommen konnte. Warum haben die für die Subventionsvergabe zuständigen Behörden bei der Genehmigung des Förderantrages nicht vorschriftsgemäß auf einem realistischen und fundierten Finanzierungsplan bestanden? Warum hat man sich auf diese Scheinprofessur mit Libeskind eingelassen? Um die offentliche EU weite Ausschreibung zu umgehen? Nach § 4 des Subventionsgesetzes dürfen „unangemessene Gestaltungsmöglichkeiten“ zur Subventionserlangung nicht genutzt werden. Warum haben im Subventionsrecht erfahrene Politiker und Verwaltungen den Verantwortlichen der Universität nicht deutlich gemacht, dass ein Projekt in dieser Größenordnung ohne Hinzuziehung externen Subventions-Sachverstandes nur sehr schwer erfolgreich realisiert werden kann? Kein privates Unternehmen würde ausschließlich den Geschäftsführer oder Buchhalter mit der Subventionsaquirierung betrauen. Warum ist zur Umsetzung dieses Projekts kein eigenständiges Unternehmen gegründet worden? Wenn das Projekt „den Bach runtergehen“ würde, könnte die Lehre, wie viele Studenten jetzt schon befürchten, beeinträchtigt werden und sich möglicherweise auch die Existenzfrage für die Universität stellen. Falls es sich bewahrheiten sollte, dass der Straftatbestand der Untreue und/ oder des Subventionsbetruges erfüllt wären, dürften keine Subventionen aus öffentlichen Mitteln mehr gewährt werden. Da aufgrund der Signale aus Brüssel damit gerechnet werden muss, dass die EU kein Geld mehr für das Projekt geben wird, stellt sich die Frage, ob man von Brüssel dann die nach EU-Recht vorgeschriebene Zustimmung für eine Subventionierung aus rein nationalen Mitteln überhaupt erreichen kann? Es ist nicht nachvollziehbar, dass zur Zeit bei den Verantwortlichen der Universität und in der Politik die große Gefahr, dass in dieses Projekt möglicherweise keine öffentlichen Mittel mehr reingesteckt werden dürfen entweder nicht erkannt oder verdrängt wird.

  11. Sie haben Recht, Herr Fragesteller: Fragen über Fragen.

    Aber den Ausweg sehe ich in der – vielleicht etwas überspitzt formulierten Frage von Herrn Weber (oben, 1. Kommentar):

    „Warum lassen wir die bereits “in Beton gegossenen” Mauern nicht als “nachhaltiges” Mahnmal provinziellen Größenwahns stehen, bauen eine “energieeffiziente” Liebes-Keller-Kind-Mehrzweckhalle (Tanzpalast, Versammlungs- und Veranstaltungssaal inklusive Eisbahn für das schaulaufbedürftige Fachhochschulpräsidium) daneben und geben die überschüssigen Mittel in Höhe von sieben Millionen Euro schnell und unbürokratisch für den behutsam “historisch” rekonstruierenden Wiederaufbau des Sonntagnacht abgebrannten Georg-von-Lösecke-Hauses Am Stintmarkt Nummero Zwo im Hafenviertel frei?”

    Für mich stellt sich auch die Frage, warum die Wissenschaftsministerin der rot-grünen Landesregierung Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) „das Projekt“ (laut HAZ vom 02.02.2014) nun plötzlich „möglichst reibungslos über die Bühne bringen will“, da sie doch während ihrer Oppositionsjahre bis zu ihrer Inthronisierung am19. Februar 2013 zu den vehementesten Kritikern des in jeder Hinsicht überzogenen „Projekts“ gehörte.

    Der sehr gute, vermutlich zuletzt auch einzig praktikable Vorschlag „an die Stelle des aufwendigen Libeskind-Modells einen kleinen, nüchternen Zweckbau zu setzen“, wird offenbar gar nicht mit dem nötigen Nachdruck weiterverfolgt, so die Hannoversche Allgemeine von Sonntag, den 2. Februar. „Schon vor Wochen hat der Landesrechnungshof gefordert, diese Alternative zum Weiterbau gründlich durchzurechnen. Geschehen ist dies offenbar noch nicht.“

    Warum nicht?

    Und warum müssen wir feststellen und immer wieder in der Zeitung lesen: „Sowohl die rot-grüne Koalition als auch die schwarz-gelbe Opposition halten sich mit öffentlichen Aussagen seit Dezember stark zurück. Sie sind bemüht, eine erregte Debatte über das Thema zu vermeiden.“

    Warum sind die Regierungsparteien UND die Opposition bemüht, eine „Debatte über das Thema zu vermeiden“?

    Ist Erregung angesichts dieses dreisten Schelmenstücks nicht angebracht, das über Jahre unter den blöden Augen verantwortlicher, aber von Hochglanzbroschüren, Theaternebeln und Illusionsrhetorik berauschten Landes- und Kommunalpolitikern konzipiert und in Szene gesetzt wurde und dessen weitere Aufführung eben diese politischen Gernegroße durchwinkten, die das betäubende PR-Dauergetrommel und die präsidiale Geltungssucht eines kleinen, drittklassigen Fachhochschulverbundes mit echter Qualität und tatsächlicher Bedeutung verwechseln? Und ist Erregung nicht angebracht angesichts des Preises, den das gewöhnliche Publikum, die Studierenden, die Lehrenden und die Bürger in Lüneburg und Niedersachsen dafür zu entrichten haben werden, dass mit dem überflüssigen Marketing-Highlight einer kleinen, ebenso maßlosen wie entschlossenen „Campus-Upgrade“-Sekte voraussichtlich mehr als Einhundertmillionen Euro verfeuert werden, während in den Gebäuden anderer Bildungs- und Forschungseinrichtungen die Heizungsrohre durchrosten und der Putz von den Decken und Wänden bröselt.

    Warum bemühen sich die Regierungsparteien UND die Opposition nicht, diese notwendige Debatte jetzt zu führen, Fehler und Versagen der Verantwortlichen einer juristischen Aufarbeitung zuzuführen – und in der Sache schnell – sehr, sehr schnell ! – zu einem auch volkswirtschaftlich vernünftigen Ergebnis zu kommen?

  12. BER-Monie van Elbtebartz

    Sie fragen, warum die niedersächsischen Regierungsparteien UND die Oppositionsparteien derart arlarmierend einvernehmlich bemüht seien, eine Debatte über das Finanzierungsdebakel um den Libeskind-Bau in Lüneburg zu vermeiden?

    Könnte es vielleicht daran liegen, dass uns Sozialdemokraten und Grüne auf kommunaler Ebene gemeinsam mit lokalen Abgeordneten und Regierungsmitgliedern von CDU und FDP im niedersächsischen Landtag zwischen 2007 und 2013 das, wie man munkelt, bald mehr als hundert Millionen Euro teure Süppchen eingebrockt haben?

    Und könnte es sein, dass sich alle heute die unumgängliche Aufarbeitung des Skandals so dröhnend beschweigenden Parteien von einem Magister der Theaterwissenschaften und einem ehemaligen Präsidenten der Studentenschaft an der Universität St. Gallen in eine mit selbstherrlichen Presseverlautbarungen nicht mehr übertünchbare Zwangslage haben manövrieren lassen?

    Könnte es sich um eine konzertierte Aktion bangen, beschwörenden Stillschweigens handeln, um den inzwischen aus vielen erwägenswerten Gründen drohenden endgültigen Verlust angeblich länger schon in Frage stehender Fördermittel von der Europäischen Union in Höhe von 14 Millionen nicht ins Auge zu fassen? Möchte man die aus eigenem Unvermögen resultierende Pressionslast fehlender Mittel in einem Bettelappell kleinlauten Wohlverhaltens an den großen Bruder in Brüssel weiterreichen? Weiß man, dass, wenn – was nicht mehr ausgeschlossen ist – der Subventionsbaustein der EU wegbricht, das gesamte Kartenhaus der windigen Audimax-Finanzierung auf der Stelle in sich zusammenstürzt und aus der Staubwolke, die dann entsteht, sich nur ein Gerippe monumentaler Betonmauern erheben wird – und eine drängende Frage: Wer ist dafür verantwortlich?

  13. Am 4. Juli 2012 erschien in der Landeszeitung unter der Überschrift „Uni mischt den Beton an“ ein knapper Artikel, in dem es unter anderem hieß:

    „Jetzt werden die Ideen in Beton gegossen. Die Lüneburger Universität hat den Auftrag für den Rohbau des Zentralgebäudes nach Plänen des Stararchitekten Daniel Libeskind unterschrieben. Die Arbeiten beginnen laut Uni-Leitung nächste Woche, am Donnerstag, den12. Juli. Der Rohbau ist der größte Einzelauftrag fürs Zentralgebäude, besser als Libeskind-Bau oder Audimax bekannt. Er beläuft sich auf mehr als 15 Millionen der Gesamtkosten von voraussichtlich 57,7 Millionen Euro. (…) Uni-Vizepräsident Holm Keller: „Wir liegen in unserem Terminplan.“

    Darunter standen zwei Kommentare:

    1 Gesamtkosten(Gast) Ferdinand
    (04.07.2012 / 16:29 Uhr)
    57,7 Millionen Gesamtkosten. Diese Zahl sollten wir gut im Kopf behalten. Ich bin sehr gespannt wie die Gesamtkosten nach Fertigstellung dieses völlig überzogenen Baus aussehen werden. Und vor allem: ob die Kosten auch gedeckt sind und durch wen.

    2 @Gesamtkosten(Gast) Elb Philharmonie
    (04.07.2012 / 21:26 Uhr)
    Rettungsschirme gibt es bei Kerber (Holm Keller-Design).

    Link: http://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg/news/artikel/uni-mischt-den-beton-an/

    Exakt eineinhalb Jahre sind vergangen. „Ferdinand“ musste man damals und müssen wir heute wohl als Realisten bezeichnen. Er hat – stellvertretend für Zehntausende, die ähnliches dachten, – ausgesprochen, was angeblich nur für die „Bauherren“ und ihre politischen „Sachwalter“ nicht vorhersehbar war.

    Demgegenüber hat „Elb Philharmonie“ ein öffentlich oft wiederholtes Versprechen – stellvertretend für ungezählte andere gleicher „Qualität“ aus derselben Quelle – in seiner ganzen Lächerlichkeit erkennbar gemacht, das schon Jahre vor dem Zeitpunkt seiner ersten Abgabe nicht mehr einzuhalten war. Das Kaufhaus Kerber in Lüneburg in der Grapengießerstraße 18-22 war bereits am 1. Juni 2005 geschlossen worden.

  14. Warum ignorieren die Verantwortlichen in Politik, Behörden und Universität den (noch) informellen Hinweis des Landesrechnungshofes, über einen Ausstieg aus dem Projekt nachzudenken, um den Schaden für die öffentliche Hand nicht auch noch zu vergrößern. Jetzt ein Verlust von 20 oder 30 Millionen Euro wäre zwar schmerzhaft, aber bis zur Erkenntnis, dass das 100 Millionen Projekt doch nicht finanzierbar ist, kontinuierlich weiter 2-stellige Millionenbeträge reinzustecken und zu verlieren, ist unverantwortlich und grenzt an Untreue.. Das mindeste wäre ein sofortiger Baustopp bis rechtlich verbindlich geklärt ist, ob die jetzt schon bereitgestellten Subventionen überhaupt noch ausgezahlt werden dürfen, oder soweit sie schon ausgezahlt sind, zurückzufordern sind. Es wäre an der Zeit, bei diesem Projekt nun Maßstäbe, wie sie im nationalen Steuerrecht oder im Rahmen der Staatsschuldenkris gegenüber Griechenland üblich sind, anzulegen. Mit einem „weiter so“ wird die Existenz der Universität gefährdet.

  15. „Vor den Toren von Hamburg, da kann man keinen normalen Kubus hinsetzen. Dort braucht man ein Gebäude, das auch Aufmerksamkeit erregt.“(Wissenschaftsministerin Prof. Wanka, 2011).

    Auszug aus einem PANORAMA Beitrag aus dem Jahre 1999:
    http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/1999/erste7296.html

    „Es ist zur Gewohnheit geworden: Jedes Jahr aufs neue monieren die Rechnungshöfe die Verschwendung von Steuergeldern. Im Bund, in den Ländern und in den Kommunen verschwinden einfach riesige Summen, werden verprasst für luxuriöse Unsinnsprojekte, gerne auch für prestigeträchtige Großbauten in Kleinstgemeinden. Wie das genau passiert, wer wann was falsch gemacht hat, lässt sich hinterher dann selten feststellen. Hier im Norden, ganz in der Nähe von Hamburg, gibt es ein eklatantes Beispiel provinzieller Großmannssucht, eine Geschichte ungebremster Gigantonomie und Ignoranz von Feierabendpolitikern. Und das Erschreckende daran ist: sie könnte sich überall zugetragen haben. Über das „Knickei von Halstenbek“ berichten Christoph Lütgert und Cordula Henne.

    BRUNO EGGE (Bürgermeister):
    „Ein Blick in die Zukunft. Und da möchte ich erwähnen, dass wir im Moment dabei sind, eine wunderschöne Sporthalle mitten im Zentrum von Halstenbek zu bauen. Im Volksmund wird diese Sporthalle ‚das Ei‘ genannt.“

    KOMMENTAR:
    Das Ei wurde hier gelegt. Atelier des Hamburger Architekten André Poitiers, Schüler des Stararchitekten Sir Norman Foster, bekannt aus Hongkong, New York, Berlin. So einer war genau richtig für Halstenbek. Bei ihm bestellten die Stadtväter ihre Riesenhalle mit Glaskuppel, in Deutschland ohne Vorbild.

    KARL KREMKUS (CDU):
    „Dass wir als Feierabendspolitiker alle so’n bisschen eitel sind und uns auch gerne profilieren und darstellen und irgend etwas Besonderes machen wollen, das wissen wir alle, dafür sind wir auch gebildet genug. Aber hier in der Zeit, in der hier geklüngelt wurde, wurden für die Gemeinde positive Dinge in Gang gesetzt – und das auf einem kurzen Weg.“

    KOMMENTAR:
    Halstenbeks Gemeindevertretung. Fünf Millionen Mark sollte die Halle kosten, mehr nicht. Das hatten die Stadtväter vor sechs Jahren gelobt und beschlossen. Dann aber ging die Begeisterung für das Jahrhundertprojekt mit ihnen durch. Sonderwünsche über Sonderwünsche. Ein paar Beispiele:

    ANDRÉ POITIERS (Architekt):
    „Einen Sportlehrer-Besprechungsraum gab es, Kosten etwa 300.000 Mark, einen Behinderten-Lift, dann nahtlos geschweißte Entwässerungsrohre, eine Solaranlage auf der Glaskuppel sowie Edelstahl-Klos für das Stück 4.000 Mark. Und wir haben dann zusätzlich einen Kondom-Automaten angefordert bekommen, so dass wir vor Baubeschluss einen Gesamtkostenraum von 14,6 Millionen Mark.“

    KOMMENTAR:
    Beim Bau ist die Gemeindeverwaltung dann restlos überfordert. Streit mit den Firmen, schlechter Beton, Chaos. Und alles immer teurer: erst fünf, dann 14 und schließlich 16 Millionen. Der übergeordnete Kreis Pinneberg warnte vergeblich, für eine solche Steuerverschwendung gäbe es keine Zuschüsse. Die Halstenbeker Amateur-Politiker ließ das kalt, sie machten unbeeindruckt weiter.

    KARL KREMKUS:
    „Letztlich ist es ja wurscht, wo die Steuergelder verbraten werden, ob sie vom Kreis verbraten werden oder von der Gemeinde verbraten werden. Also Steuergelder, öffentliches Geld ist es in jedem Fall, das Ihnen, uns allen gehört.“

    KOMMENTAR:

    Neonlicht den ganzen Tag. 16 Millionen für einen grauen Betonbunker. Und weil die Halle immer teurer wurde, spart man schließlich an Feuerschutz und Notausgängen. Deshalb dürfen immer nur ganz wenig Leute hier rein – bei Turnieren die Mannschaften, die Betreuer und dann nur noch ein paar Zuschauer. Mehr als insgesamt 199 Menschen sind in diesem Riesen-Oval nicht erlaubt – wenn es denn überhaupt mal fertig werden sollte, denn schon zweimal ist die Glaskuppel eingestürzt. Die allein hat zwei Millionen gekostet. Nach den Schuldigen wird immer noch gesucht. Für viele Millionen nur eine Ruine. Auf einer Bürgerversammlung entlädt sich Wut.

    BÜRGERVERSAMMLUNG:
    „Diese Herrschaften im Bauausschuss waren unbelehrbar. Die sollten doch hier auch mal sitzen und sich stellen, sich stellen der politischen Verantwortung, wie sie mit den Millionen der Gemeinde Halstenbek umgegangen sind.“

    KOMMENTAR:
    Trost von oben: Halstenbek ist pleite, andere aber auch.

    BRUNO EGGE: Wenn wir dennoch jetzt in einer prekären und desolaten Haushaltslage uns befinden, dann befinden wir uns im Gleichklang mit, so leid es mir tut, aber das muss auch jetzt mal so deutlich gesagt werden, wir befinden uns im Gleichklang mit anderen Kommunen in Schleswig-Holstein und auch in der ganzen Bundesrepublik.“

    KOMMENTAR:
    Und auch bei CDU und SPD keine Spur von Selbstkritik.

    POLITIKER:
    „Man hätte natürlich für fünf Millionen Mark eine Halle bauen können, aber nur irgendeine und nicht die Halle, die wir hier in Halstenbek benötigt hätten.“

    „Trotz aller Schwierigkeiten – ich hoffe, Sie nehmen es mir persönlich nicht übel, freue ich mich auf die neue Halle. Ich bin sicher, dass man uns in wenigen Jahren darum beneiden wird, in wenigen Jahren wird der Bau einer solchen Halle finanziell überhaupt nicht mehr vorstellbar sein.“

    KOMMENTAR:
    Drei Rechnungsprüfer von der höheren Kreisverwaltung Pinneberg sollen schließlich herausfinden, warum in Halstenbek 16 Millionen Steuergelder verplempert werden konnten – für eine Ruine. Aber auch sie kapitulieren vor dem Chaos.

    RECHNUNGSPRÜFER:
    „Also die Unterlagen sind zum Teil so vielfältig und widersprüchlich, dass man dort niemanden jetzt – dass man einen direkt festmachen kann.“

    „Die Beteiligten selbst waren ja betriebsblind inzwischen schon, die konnten ja gar nicht mehr die Zusammenhänge scheinbar überhaupt übersehen.“

    „Eine konkrete Schuldzuweisung, wer nun zu welchen Anteilen und mit welchen Inhalten Verantwortung zu tragen hat, das ist uns also auch nicht möglich.“

    Interessant ist in diesem Zusammenhang wieder mal die Folgenlosigkeit von Fehlverhalten. Der Bürgermeister von Halstenbek wurde mit 67 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Einsicht, gar Scham oder Schuldgefühle, das gibt es dort wohl nicht, also auch keine Konsequenzen. Aber das funktioniert ja auch in Brüssel weitgehend folgenlos, warum also nicht in der deutschen Provinz.“

    Alles zum Knickei: http://www.knickei.de/

    • Leuphana-Knickei

      Wundervolle Parallelgeschichte, Herr Bembel!

      Den „PANORAMA Beitrag aus dem Jahre 1999“ könnte man morgen Abend gleich noch einmal senden, wenn man über die Vorgänge um den Leuphana-Zentralgebäudebau in Lüneburg faktengetreu berichten wollte. Für eine Tatsachendokumentation würde es völlig genügen, die Namen des handelnden Personals auszutauschen.

      Besonders gut hat mir die folgende Äußerung gefallen:

      “Letztlich ist es ja wurscht, wo die Steuergelder verbraten werden, ob sie vom Kreis verbraten werden oder von der Gemeinde verbraten werden. Also Steuergelder, öffentliches Geld ist es in jedem Fall, das Ihnen, uns allen gehört.”

      Nicht wahr? Wenn für hundert Millionen Euro und mehr ein von Größenwahnsinn beleuchtetes Glashaus errichtet wurde, haben wir ja schließlich alle was Schönes zum Anschauen. Welcher heimatengagierten Bundestagsabgeordnetenfigur aus Lüneburg könnte man diese Worte in Ihrem „PANORAMA Beitrag aus dem Lüneburg im Jahre 2014“ wohl Mund legen?

  16. Die Schuldigen haben sich doch schon gestellt. http://www.leuphana.de/typo3temp/pics/1105_gsl_totale_6a134b45b9.jpg. Am 08.Mai 2011, als der mobile Grab … äh … Grundstein beerdigt wurde. Der Tag, an dem die Vernunft bedingungslos und vollumfänglich kapitulierte.

  17. Leuphana-Leserbrief-Plagiat

    Endgültig: Palast der Freien Republik Leuphana wird abgerissen

    Alle Proteste waren vergebens: Der Palast der Leuphana-Republik im Herzen Lüneburgs muß weichen. Der Reppenstedter Bundestag hat am Donnerstag gegen einen Aufschub des bereits beschlossenen Abrisses gestimmt. Die Demontage der Renommierruine hat inzwischen begonnen – zunächst für Schaulustige unsichtbar von innen. Als erstes werden die verzinkten Riesenrasierspiegel in den kaiserlichen Kostümierungs- und Ankleidesälen des Fachhochschulpräsidiums abmontiert.

    Ein Blick zurück aus der Zukunft auf das Millionengrab im Lüneburger Urstromtal (Abgeschrieben von Balthus Doktormann, Namibia):

    Die ersten Baustellenzäune stehen, ein Schiffsanleger in der Ilmenau zum Abtransport des Schutts ist gebaut, die Abrissarbeiten sollen noch in diesem Monat beginnen. Nun hat der Reppenstedter Bundestag den Freunden des Palastes der Leuphana-Republik auch die letzte Hoffnung genommen: Am Donnerstag stimmten die Parlamentarier mit großer Mehrheit gegen Anträge der CDU, der Grünen und der Mädge-Partei, die ein Abriss-Moratorium für den Palast gefordert hatten, für eine weitere kulturelle Zwischennutzung. Auch Herr Diplom Kaufmann Jörg Hillmer konnte nichts dagegen tun. Bis zuletzt hatte der stellvertretende CDU-Fraktionschef im niedersächsischen Landesparlament damit gedroht, seine gesamten Einkünfte “in das grandiose Standortpremiumkonzept” zu buttern und zehn bis zwanzig Millionen aus seinem Sparstrumpf zu ziehen, um “der Leuphana Universität insgesamt zum Erfolg zu verhelfen”

    In namentlicher Abstimmung wies das Parlament am Donnerstag Anträge der CDU, der Mädge-Partei und der Grünen zurück, nicht mit dem bereits geplanten Abriss zu beginnen. Für die Oppositionsanträge votierten lediglich 120 von 569 Abgeordneten. Dagegen stimmten 431 Parlamentarier, es gab 18 Enthaltungen.

    Für den Abriss sind bisherigen Plänen zufolge eineinhalb Jahrzehnte veranschlagt. Der Palastbau der Leuphana-Republik war zwischen 2006 und 2013 nach Plänen des Architekten Daniel Libeskind und seines Lüneburger Filialleiters Holm Keller angefangen worden, obwohl nie eine haltbare Finanzplanung vorgelegt wurde. Der unweit der Ilmenau gelegene Prachtbau sollte mit seinem großen Saal für mehr als 40.000 Zuschauer, einem modernen Bildungstheater und vielen Gaststätten zu einer im Südwestteil Lüneburgs beliebten Vergnügungsstätte werden. In der vom Volksmund „Palazzo Prozzo“ genannten Raumstation hätten aber auch die mit großem Pomp inszenierten Parteitage des Fachhochschulpräsidiums und Jubelkongresse des unabhängigen Akklamationsbundes Stiftungsrat Leuphana stattfinden sollen.

    Die Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und Partys um und in den Kulissen des Rohbaus der letzten zwei Jahre hatten nicht nur national, sondern auch im Ausland – von Bevensen bis Amelinghausen – für Aufsehen gesorgt. Eine Art Centre Pompidou der Heide sei da in dem bizarren Rohbau mit seinen kalten Stahlträgern im Entstehen, wurde behauptet. Auf jeden Fall hatte sich der Palast oder das, was von ihm nach der ersten Betonierung zu sehen war, zu einem kreativen Zentrum mit weltweiter Ausstrahlung auf die Lachmuskulatur für Liebhaber von unbezahlbaren Schildbürgereien in einer pulsierenden Kreisstadt entwickelt. Das soll jedoch nun schnellstmöglich weg.

    Anstatt dessen soll auf dem Areal eine Wiese angelegt werden – die so lange bleibt, bis geklärt ist, wie ein neues Gebäude an dieser Stelle finanziert werden kann.

    Am Nikolaustag 2013 hatte die rot-grüne Gruppe in der LZ erklärt, wo sie im Rahmen des Etats 2014 mehr Geld fließen lassen möchte. Gleichzeitig stellte sie in Aussicht, wo zur Deckung der Kosten auf dem Leuphana-Arreal gestrichen werden soll. Ins Visier nimmt sie unter anderem die Planungskosten für die Wandrahmbrücke über die Ilmenau. Die sollen “reduziert” werden, “die Höhe lassen wir offen, damit die Neubauplanung am Bockelsberg nicht in Frage gestellt wird”, umschiffte Heiko Dörbaum (SPD) am 11. Dezember 2013 das Thema ohne konkrete Zahlen.

    Wie dieses neue Gebäude aussehen soll, ist immerhin geklärt: Drei Fassaden sollen auf jeden Fall an die Gestalt der korrosionsgefährdeten historischen Wandrahmbrücke erinnern, die vierte soll moderner werden. In das Gebäude soll unter anderem ein „Georg-von-Lösecke-Haus-Rekonstruktions-Forum“ einziehen. In diesem sollen dann die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Spounscher Kulturbesitz und die wissenschaftliche Marketing-Knallfroschsammlung des Holm-Keller-Büros gezeigt werden. Auch eine Vermietung an die Fälscherwerkstätten des ADAC ist im Gespräch. „Das würde ins Konzept passen“, so ein ehemaliges Mitglied des Leuphana-Politbüros. Darüber hinaus soll es Theater, Kinos, Konferenzbereiche, Museumsshops sowie Restaurants und Cafés geben. Das alles könnte viel kosten, bis zu 1,2 Milliarden Euro, schätzen Experten. Und wie die aufgetrieben werden sollen, weiß bislang niemand.

    Was das Abschmelzen wenigstens der Planungskosten betrifft, so ist das aus Sicht der Stadt kein Problem. Stadtsprecherin Suzanne Moenck: “Die Planungskosten sind vorsorglich im Etat 2014 eingeplant.” Es stehe noch nicht fest, ob das Geld tatsächlich eingesetzt werde, da der Neubau “nach gegenwärtigem Stand” erst für 2026/2027 geplant sei. Im Moment sei jedoch sicher, dass es sich hier um eine absolut nachhaltige Brücke in die Zukunft handelt.