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Die Schülerinnen Amra, Emina, Alva, Julia und Sümoyra (v.l.) finden das Bunte Zimmer klasse. Sie kommen in den Pausen gerne her, um zu chillen oder zu quatschen. Foto: t&w
Die Schülerinnen Amra, Emina, Alva, Julia und Sümoyra (v.l.) finden das Bunte Zimmer klasse. Sie kommen in den Pausen gerne her, um zu chillen oder zu quatschen. Foto: t&w

Chillen im BuZi

ahe Lüneburg. Wenn es für die Mädchen und Jungen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lüneburg während des Unterrichts heißt „ab in den Keller“, gibt es garantiert keine langen Gesichter. Ganz im Gegenteil, denn es ist vielmehr eine Belohnung der Lehrer für ihre Schützlinge. „Nur diejenigen Schüler dürfen hierher, die auch in der Lage sind, selbstständig zu lernen“, sagt Schulleiter Klaus-Peter Hummes. Im Untergeschoss des Schulgebäudes befindet sich das BuZi, das „Bunte Zimmer“. Hier können die Schüler an einem der vielen Tische in Ruhe lernen, allein oder in Kleingruppen, in den Pausen spielen, quatschen oder einfach nur auf den gemütlichen Sofas abhängen. „Voll cool“, findet Sechstklässlerin Amra die Einrichtung. Für rund 40000 Euro hat die Stadt den Raum und einen Bewegungsraum mit Tischtennisplatte und Kickertischen eingerichtet. Heute sollen beide Räume offiziell mit Eltern eingeweiht werden.

Das BuZi geht zurück auf die Idee von Eltern, sagt Anke Hinrichs, Vorsitzende des Vereins Eine Schule für alle, der vor Jahren die Gründung der Gesamtschule initiiert hatte. „Wir haben angesichts von 30 Schülern in eher kleinen Klassenräumen überlegt, wie wir für Entlastung sorgen können.“ Zusammen mit den Lehrern entwickeln sie das Konzept für das Bunte Zimmer. Es steht den Schülern den gesamten Vormittag zur Verfügung. Lehrer können einzelne Schüler hierher schicken stets mit fester Aufgabe, die sie dann dort erledigen müssen.

Für eine Aufsicht ist gesorgt, eine Mutter oder ein Vater ist immer vor Ort und achtet darauf, dass die Schüler tatsächlich lernen und nicht etwa Mist bauen. „Das klappt überwiegend gut, manchmal muss man auch ermahnen, aber das ist ja normal. Wir waren früher ja nicht anders“, sagt Monika Klein, deren Sohn an der IGS lernt. Sie zählt zu einem aktuell zwölfköpfigen Team von Ehrenamtlichen, die zwischen zwei Stunden pro Woche oder auch ganzen Vormittagen in die Schule kommt. ,,Ich bin jeden Mittwoch hier“, erzählt Monika Klein. In den Pausen gibt sie Schachbretter oder Karten aus dem großen Spielerepertoire an die Schüler heraus, im Unterricht beaufsichtigt sie die Kinder und zeichnet die „Laufzettel“ mit den Aufgaben ab, die sie von ihren Lehrern mit auf den Weg bekommen. Selbst Arbeiten werden hier nachgeschrieben, wenn ein Schüler zuvor wegen Krankheit verhindert war.

Nebenan haben Patrick und Philip gerade Niklas und Tobias herausgefordert zum Kickern. Drei Tische stehen im sogenannten Bewegungsraum, der allerdings nur in den Pausen öffnet. ,,Wir sind jede Pause hier“, sagt Philip. Die Jungs sind dann keineswegs unter sich, am Tisch nebenan kickern vier Mädels nicht minder begeistert.

Das BuZi und der Bewegungsraum ist auch Hauptarbeitsplatz für Julia Busse-Rodrigues. Die Schulsozialarbeiterin ist Ansprechpartnerin, wenn die Schüler Probleme zu Hause haben oder Streit mit Klassenkameraden. Wenn einem der Lehrer ein Schüler mal besonders auffällt, weil er sich anders verhält als sonst, wendet er sich ebenfalls an sie. 18 Wochenstunden hat sie für die IGS und die benachbarte Kopernikusschule zur Verfügung, 20 Stunden ihre Kollegin. Arbeit gebe es für deutlich mehr Stunden, doch die Kontingente in den Schulen sind begrenzt.

Ihren Schreibtisch mit Computer hat Julia Busse-Rodrigues in einer Ecke des Bunten Zimmers, das nach Plänen der Eltern realisiert worden ist. Sie organisiert auch den Freizeitbereich, zum Beispiel die Spielausleihe für draußen, die nächste Woche starten soll. Sozialarbeiterinnen, Lehrer, Schüler, Eltern in den neuen Räumen wird das Miteinander täglich gelebt.