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Jana Zierau will auf Borneo Orang-Utans retten. Praktische Erfahrungen mit Primaten hat die tiermedizinische Fachangestellte noch nicht. Foto: t&w
Jana Zierau will auf Borneo Orang-Utans retten. Praktische Erfahrungen mit Primaten hat die tiermedizinische Fachangestellte noch nicht. Foto: t&w

Lüneburgerin liebt die bedrohten Orang-Utans

ahe Lüneburg. Um ihren Traum verwirklichen zu könnnen, musste sie erst den Job verlieren. Denn welcher Arbeitgeber kann schon mehrere Monate auf einen wichtigen Mitarbeiter verzichten? Böse war Jana Zierau über die Kündigung deshalb auch nicht, ihre Chefin habe ihr damit wohl auch einen Gefallen erweisen wollen. Denn nun konnte die tiermedizinische Fachangestellte in die Tat umsetzen, was sie schon seit Jahren unbedingt machen wollte: Orang-Utans retten auf Borneo.

In dieser Woche ist die Lüneburgerin aufgebrochen nach Südostasien, arbeitet dort in einer Auffangstation für die bedrohten Affen. Zunächst für mindestens drei Monate, so lange läuft ihr Visum. ,,Wenn es mir gefällt und ich die Chance habe, bleibe ich vielleicht auch länger“, sagt die 28-Jährige, die mit einem ,,irre tollen Gefühl“ in ihr Abenteuer gestartet ist. Seit 2011 ist sie in Kontakt mit der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS), die indonesische Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit der indonesischen Bevölkerung die letzten Orang-Utans und ihren Lebensraum zu schützen.

,,Weil immer mehr Regenwald abgeholzt wird, um stattdessen Palmölplantagen anzulegen, finden die Tiere nichts mehr zu fressen. Sie verhungern oder werden von den Plantagenbesitzern erschossen“, erzählt Jana Zierau. Die Stiftung, die ihre Arbeit ausschließlich durch Spenden finanziert, kümmert sich um diese Tiere, nimmt sie auf, pflegt sie stets mit dem Ziel, sie später wieder auszuwildern. Dabei will die Lüneburgerin helfen. ,,Ich musste schon viel Überzeugungsarbeit leisten. Die konnten das wohl nicht so recht glauben, dass da jemand aus Deutschland kommen und unentgeltlich ein paar Monate mitarbeiten will“, verrät sie mit einem Lächeln. Doch den Job ohne Bezahlung will sie sich unbedingt leisten. Dafür hat sie gespart, dafür zahlt sie diverse medizinische Untersuchungen, Reisekosten und die Verpflegung vor Ort aus eigener Tasche, dafür nimmt sie die Trennung von ihrer Familie und ihrem Freund in Kauf. Ihre Tierliebe ist ihr all diese Entbehrung wert.

,,Ich bin mit Tieren auf dem Land aufgewachsen, wir hatten in Wetzen Pferde, Hunde, Katzen, Gänse“, sagt sie. ,,Ich interessiere mich seit jeher für alles, was mit Tieren und Natur zu tun hat, sauge jede Fernsehsendung dazu auf.“ In Namibia hat sie vor acht Jahren schon einmal mit in freier Wildbahn lebenden Tieren gearbeitet, zuletzt dann in einer Kleintierpraxis gewirkt, ,,mit Primaten habe ich aber noch keine praktischen Erfahrungen“. Bis sie zum ersten Mal einen Orang-Utan anfassen oder auf den Arm nehmen darf, muss sie aber noch ein paar Tage ausharren. Zunächst darf Jana Zierau nur im Labor arbeiten, denn weil die Affen den Menschen so ähnlich sind, können sie sich auch leicht mit deren Krankheiten anstecken. Deshalb schreiben die strengen Quarantänebestimmungen zunächst ein striktes Kontaktverbot vor.

Danach werde sie vor allem bei der Behandlung der jüngsten Tiere auf der Babystation helfen. Doch aus der Nähe gesehen hat sie die ersten Affen schon. In einer ersten E-Mail aus Borneo schreibt sie: ,,Als ich das Gelände betrat, sah ich direkt meinen ersten Orang-Utan: Ein Baby mit Windeln tollte auf dem Rasen einem kleinen Vogel hinterher. Ich blieb fasziniert stehen, um die Situation auf mich wirken zu lassen.“ Als sie später die Medikamentendosen für die einzelnen Tiere zusammenstellte, habe sie durch die Fensterscheibe des Büros sehen können, ,,wie 80 Orang-Utan-Kinder aus dem Waldkindergarten und der Waldschule zurückkamen. Sie lernen dort alles, was ein ordentlicher Orang-Utan können und wissen muss: klettern, was sie fressen dürfen, vor welcher Schlange sie Angst haben sollten.

,,Sie bewegen sich so menschlich und haben so ausdrucksstarke Gesichter“, sagt Jana Zierau. Das Team sei sehr herzlich, die Verständigung allerdings schwierig, weil viele kein Englisch sprechen. Die Station platze aus allen Nähten, mehrere Hundert Tiere seien dort untergebracht. ,,Es gibt zu wenig sicheren Wald, in dem sie ausgewildert werden könnten“, skizziert Jana Zierau. Schuld daran ist das lukrative Geschäft mit dem Palmöl. ,,Das ist in jedem zweiten Produkt, in sehr vielen Lebensmitteln, in Zahnpasta oder Bodylotion. Es ist praktisch unmöglich, ein palmölfreies Leben zu führen.“

Mit ihrer Arbeit, ihrer Hilfe für die Orang-Utans will sie auch auf diese Problematik aufmerksam machen. Sie sei sich im Klaren, dass es nicht nur schöne Momente geben wird: ,,Ich bin nicht da, um Affen zu streicheln, sondern um sie medizinisch zu versorgen. Ich werde ausgehungerte Orang-Utans zu sehen bekommen und Babyaffen, die verstört sind, weil sie miterleben mussten, wie die eigene Mutter vor ihren Augen erschossen wurde.“

Mehr Infos über die indonesische Stiftung gibt es auf www.bos-deutschland.de