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Die 2011 angegebenen Baukosten von knapp 58 Millionen Euro für das neue Leuphana Zentralgebäude waren von vorneherein unrealistisch, bestäigt ein Prüfbericht der OFD. Foto: A
Die 2011 angegebenen Baukosten von knapp 58 Millionen Euro für das neue Leuphana Zentralgebäude waren von vorneherein unrealistisch, bestäigt ein Prüfbericht der OFD. Foto: A

Prüfbericht bestätigt Fehler bei der Planung des Libeskind-Baus

Der Prüfbericht der Oberfinanzdirektion (OFD) zu den Baukosten des Zentralgebäudes der Leuphana Universität Lüneburg liegt dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) vor. „Die von Kritikern des Projektes geäußerten Bedenken haben sich leider bestätigt“, sagte Ministerin Gabriele Heinen-Kljaji.

Nach Prüfung der Mehrkosten kommt die OFD zu folgendem Ergebnis: Die 2011 angegebenen Baukosten von knapp 58 Millionen Euro waren von vorneherein unrealistisch. Wenn die Hochschule heute eine Baukostensteigerung von 18 Millionen Euro einräumen muss, sind davon elf Millionen Euro auf eine sogenannte Unterveranschlagung zurückzuführen. Das heißt, die Kosten sind von Beginn an zu gering angesetzt worden.

Zusätzlich zur derzeitigen Baukostenschätzung in Höhe von 76 Millionen Euro hat die OFD eine Risikobetrachtung vorgenommen. Die OFD gibt die Risiken mit rund 15 Millionen Euro an. Mögliche Risiken sind beispielsweise noch unbekannte Planungsschwächen oder Kostensteigerungen beim Rohbau. Die Gesamtkosten für das Zentralgebäude könnten demnach auf 91 Millionen Euro steigen. „Dabei gilt jedoch: Risiken können eintreten, müssen aber nicht eintreten“, betonte Heinen-Kljaji.

„Wir schaffen die erforderliche Klarheit, machen die Risiken transparent und erarbeiten damit erstmals eine realistische Entscheidungsgrundlage“, sagte die Ministerin. „Durch Auflagen wollen wir die Risiken minimieren.“ Das MWK fordert das Leuphana-Präsidium auf, eine professionelle Projektsteuerung zu beauftragen. Überdies soll der Stiftungsrat seine Aufsichtspflicht stärker wahrnehmen als bisher. Dazu ist ein Controlling-Beirat beim Stiftungsrat eingerichtet worden. MWK und OFD werden weiterhin an den Baubesprechungen teilnehmen. Alle Einsparpotenziale müssen ausgeschöpft werden. Weitere Auflagen können sich nach Abschluss der Prüfungen ergeben. „Der 2011 erfolgte Verzicht auf eine Projektsteuerung und auch das mangelnde Controlling waren schwere Fehler“, so Heinen-Kljaji.

24 Kommentare

  1. Klatsche für Spoon und Keller. Ihr „Networking“ stößt an seine Grenzen.

  2. Die Katastrophe ist amtlich.

    „Politischer Blindflug der alten Landesregierung und des Stadtrates Lüneburg“

    Der Libeskind-Neubau der Leuphana Universität kostet bis zu 91 Millionen Euro. Das gab das Wirtschaftsministerium bekannt. Ursprünglich waren knapp 58 Millionen geplant.

    “Die von Kritikern des Projektes geäußerten Bedenken haben sich leider bestätigt”, sagte Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic.

    Und jetzt?

    “Wir schaffen die erforderliche Klarheit, machen die Risiken transparent und erarbeiten damit erstmals eine realistische Entscheidungsgrundlage”, sagte die Ministerin. “Durch Auflagen wollen wir die Risiken minimieren.” Das MWK fordert das Leuphana-Präsidium auf, eine professionelle Projektsteuerung zu beauftragen. Überdies soll der Stiftungsrat seine Aufsichtspflicht stärker wahrnehmen als bisher. Dazu ist ein Controlling-Beirat beim Stiftungsrat eingerichtet worden. MWK und OFD werden weiterhin an den Baubesprechungen teilnehmen. Alle Einsparpotenziale müssen ausgeschöpft werden. Weitere Auflagen können sich nach Abschluss der Prüfungen ergeben. “Der 2011 erfolgte Verzicht auf eine Projektsteuerung und auch das mangelnde Controlling waren schwere Fehler”, so Heinen-Kljajic.“

    Werden die Betreiber dieser von Anfang an auf Lug und Trug gebauten Projekt-Konzeption nun einer gerichtlichen Klärung ihrer Verantwortlichkeit zugeführt?

    „Das Leuphana-Präsidium soll, eine professionelle Projektsteuerung zu beauftragen“?

    „Der Stiftungsrat soll seine Aufsichtspflicht stärker wahrnehmen als bisher“?

    „MWK und OFD werden weiterhin an den Baubesprechungen teilnehmen“?

    Dass die Leute, die Teil des Problems sind, weiterhin die Kontrolleure kontrollieren können, ist ja wohl ein Schlag ins Gesicht des zahlenden Steuerviehs.“Wir schaffen die erforderliche Klarheit, machen die Risiken transparent und erarbeiten damit erstmals eine realistische Entscheidungsgrundlage”, sagte die Ministerin? Wer ist „wir“? Sind es endlich unabhängige Richter und Staatsanwälte? Wenn die „analysierenden Experten“ zur Ausübung ihrer Aufgaben auf die Anordnungen und Informationen des Personenkreises angewiesen sind, der Gegenstand ihrer Untersuchung sein muss, gleicht das ja einem Angeklagten vor Gericht, der selbst über den Umfang der Beweisaufnahme entscheiden kann. Die Einräumung einer solchen Befugnis käme einer Lizenz zum Freispruch gleich.

    Man erwartet die juristische Aufarbeitung dieses Trauerspiels!

  3. Größenwahn kennt keine Grenzen. Auch keine finanziellen. Langsam kann man nur noch mitleidig schmunzelnd den Kopf schütteln und am (Sach-) Verstand vieler Beteiligter (insbesondere bei den Entscheidungsträgern) zweifeln.
    Ein Kleid von Carl Lagerfeld ist auch nicht zu einem Karstadtpreis zu haben. Das war jedem halbwegs vernünftig und realistisch denkendem Bürger schon vor der Grundsteinversenkung bewusst.

    Langsam beginnt man sich zu fragen wie es möglich ist, dass Menschen, die doch überwiegend ein überdurchschnittliches Bildungsniveau haben, so blauäugig und realitätsfern sein können. Oder vielleicht sind sie es gerade deshalb. Ich will ja nicht annehmen, dass vielleicht auch eine gewisse Absicht mit im Spiel gewesen sein könnte. Nun – letztlich bin ich gespannt auf die nächsten Kapitel des Romanes: „Der Libeskindbau in der Heide. Eine unendliche Geschichte“. Untertitel: „Über Schafherden und ihre Hirten“.

  4. Jo Bembel betont: „Die derzeitige(!) Baukosten s c h ä t z u n g (!) kann zutreffen, muss aber nicht, liebe Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic.“

  5. Die Erkenntnisse der OFD bestätigen schwarz auf weiß: Jahrelang haben die Herren Spoun und Keller entweder völlig ahnungslos und naiv gehandelt und waren mit ihrem Libeskind-Luftschloss restlos überfordert. Oder sie haben die ganze Zeit die Unwahrheit über die Kosten und Kostenrisiken der Ilmenau-Philharmonie gesagt, im Volksmund heißt das: gelogen. Schließlich wusste ganz Lüneburg, dass es mit der Seriosität der Kostenkalkulation nicht weit her ist. Jetzt sind personelle Konsequenzen angesagt – und das heißt Rücktritt von Herrn Keller und Herrn Spoun.

  6. Die Elbphilharmonie liegt an der Ilmenau…
    Der Libeskind-Pharaonentempel zu Lüneburg kostet den Steuerzahler also jetzt schon einundneunzig Millionen Euro. Dabei sollte der Prachtbau rechtzeitig zur anstehenden Bürgermeisterwahl vorläufiger Höhepunkt in der Karriere des Herrn Mädge werden. Schulden wie ein Großstadt-Bürgermeister hat er schon aufgetürmt: zweihundert und fünfzig Millionen Euro…da brauchte es für seinen Ruhm einen Star-Audimax, den keiner wirklich braucht. Außer eben Herr Mädge, Herr Keller und sein Architekt…
    Der Bürgermeister einer richtigen Großstadt von 100.000 Einwohner will Mädge werden, mit entsprechendem Gehalts- und Machtzuwachs. Die Einheitsgemeinde Adendorf kann ein Lied davon singen. Noch nicht genug Millionen verbaut? Ein super Museum musste in Lüneburg hinzu, weitere fünfzehn Millionen Euro verbraten, man gönnt sich ja sonst nichts!
    Dieser Bürgermeister ist seit 1996 Hauptamtlicher Bürgermeister. Er und kein anderer hat die horrende Verschuldung und die maßlosen Prachtbauten letztendlich zu verantworten. Achtzehn Jahre sind nicht genug? Mädge will noch weitere 8 Jahre auf Lüneburg lasten! Dann wird, wie in Hamburg auch, die „Philharmonie“ an der Ilmenau weitere zig-Millionen gekostet haben. Und auf Jahrzehnte hinaus die Perspektiven von Lüneburgs Bürger verdüstern.

  7. Rücktritt von Spoun und Keller notwendig!

    Was soll noch alles in Pressekonferenzen festgestellt werden, bis es zu Konsequenzen an der Leuphana kommt? Im Gegensatz zu vielen Lüneburger Bürgern ist den Politikern wohl nicht klar, dass die Herren Spoun und Keller dabei sind, die Universität zu Grunde zu richten. Mit ihnen wird es jedenfalls weder eine wirkliche Kontrolle des Bauvorhabens, noch eine glänzende Uni-Zukunft geben. Es ist schon peinlich, wie ein OB Mägde sich vor diese Leute stellt, die nachweislich die Politik in Stadt und Land am Nasenring durch die Manege gezogen haben. Ein Rücktritt der beiden ist überfällig!

  8. Holm Keller hat ein Faible für die schreibende Zunft. Das wissen wir, seit im letzten Dezember ein Büchlein erschienen ist, das die Verhältnisse an der Leuphana Universität in ein anderes Licht rückt. Dass Holm Keller und Rechnen dagegen genauso viel gemeinsam haben, wie die olympischen Sommerspiele und Grönland, haben wir erst heute wieder erfahren.
    Wäre es also besser gewesen, statt der Heerschar an Journalisten und alten Freunden einen Meister des Zahlenwerks in der Verwaltung der Universität unterzubringen? Nein!
    Der Irrtum, dass der Kaiser keine Kleider an hat, wäre dadurch nur viel früher aufgefallen.
    So wurde dem Kaiser das Projekt durch zwei Werber jahrelang schöngeschrieben. In jeder offiziellen Verlautbarung hielten sich die Kosten auf wundersame Weise im Rahmen, war das Finanzierungskonzept gesichert und für alle Risiken Vorsorge getroffen.
    Wenn es stimmt, dass in der Kostenplanung anno 2011 mal eben 11 Millionen Euro vergessen worden sind, dann darf man die Frage stellen, warum das erfolgte? Unfähigkeit, Überforderung oder wurde willentliche zu niedrig kalkuliert? Sah man die Gefahr, dass das Ministerium doch noch einen Rückziehen macht?
    Gilt es hier nicht zu untersuchen, ob die Landesregierung nicht bewusst im Unklaren über die tatsächlichen Kosten gelassen worden ist, um die Bewilligung durch die Landesregierung nicht zu gefährden?

    Schiefe Wände kennt man sonst nur von Kartenhäusern, die sofort einstürzen drohen, wenn auch nur eine Karte im Sockel wegbricht. Man darf gespannt sein, wann das Kartenhaus von Holm Keller endgültig einstürzen wird.

  9. Das Imperium der Hoffnungswerte

    Nach einer aufsehenerregenden Milliardenpleite im Jahr 1994 wurde der ehemalige deutsche Immobilienunternehmer Dr. Utz Jürgen Schneider 1995 verhaftet und 1997 wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Seine Hauptidee, durch falsche Berechnung von Zahlen überhohe Kreditbeträge zu erschleichen, indem er etwa den Beleihungs- oder Verkaufswert älterer Immobilienobjekte in seinem Besitz durch geschönte Angaben steigerte, ist, wie wir wissen, auch in Lüneburg nicht unbeachtet geblieben. Schneider nutzte die Nachlässigkeit der Kreditinstitute bei der Überprüfung seiner Angaben aus, um zu seinen Geldern zu kommen.

    Am 30. Juni 1997 begann dann ein weltweit viel beachteter Wirtschaftsstrafprozess gegen Jürgen Schneider. Als Zeugen wurden Vertreter von über 50 Banken vor das Frankfurter Landgericht geladen. Im Verlauf des Prozesses, der 41 Verhandlungstage dauerte, stellte die Strafkammer unter Vorsitz von Heinrich Gehrke eine Mitschuld der Banken an der Milliardenpleite fest – in erster Linie, weil die Mitarbeiter der Kreditabteilungen die falschen Angaben ungeprüft akzeptierten, obwohl ihnen in mehreren Fällen sogar bankinterne Warnungen vorlagen. Auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen stellte fest, dass allein die Deutsche Bank in 15 Fällen gegen Vorschriften des Kreditwesens- und Hypothekenbankgesetzes verstoßen habe. Diese Mitschuld der Kreditinstitute war es, die Schneider am 23. Dezember 1997 eine trotz großer Schadenshöhe relativ milde Strafe von sechs Jahren und neun Monaten einbrachte. Eine strafrechtliche Verfolgung von Mitarbeitern der am Skandal beteiligten Banken fand nicht statt. Doch insbesondere die Deutsche Bank hatte für Monate mit Image-Problemen zu kämpfen.

    Ist es denkbar, dass bereits heute an Filmskripten gebastelt wird, in denen fiktive Lüneburger am 23. Dezember 2017 in einer frei erfundenen LZ lesen können, am 30. Juni desselben Jahres habe ein nordheideweit viel beachteter Wirtschaftsstrafprozess gegen die ehemaligen Präsidenten einer Pfuilama Universität in Lüneburg begonnen? Als Zeugen seien über 50 ehemalige Regierungsvertreter, Landtagsabgeordnete und Stadträte der Parteien CDU, FDP, SPD, LINKE und Bündnis 90/DIE GRÜNEN vor das Landgericht Hannover geladen worden. Im Verlauf des Prozesses, der 41 Verhandlungstage gedauert habe, habe die Strafkammer unter Vorsitz der Vizepräsidentin des Landgerichts Dr. Knöllichen-Tütata eine Mitschuld der Kommunalverwaltung Lüneburg und der Landesregierung Niedersachsen an der 33-Millionen-Überteuerung um die an-, aber leider nicht weiter- oder gar zuendegeplante Bildungsvermarktungskathedrale festgestellt – in erster Linie, weil die zuständigen Mitarbeiter für Landeszuschüsse und Fördermittel die mangelhaften und falschen Angaben der Pfuilama-Projektleitung ungeprüft akzeptierten, obwohl ihnen in mehreren Fällen sogar interne Warnungen von Seiten des Landesrechnungshofes und der Oberfinanzdirektion vorgelegen hätten. Auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen habe festgestellt, dass allein das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) in 15 Fällen gegen Vorschriften des Kreditwesens- und des Gesetzes gegen mißbräuchliche Inanspruchnahme von Subventionen (Subventionsgesetz – SubvG) verstoßen habe. Diese Mitschuld der Institute der Landesregierung in Hannover und der Kommunalverwaltung in Lüneburg sei es gewesen, die den Pfuilama-Präsidiumsmitgliedern am 23. Dezember 2017 eine trotz großer Schadenshöhe relativ milde Strafe von sechs Monaten und neun Tagen eingebracht habe. Eine strafrechtliche Verfolgung von Mitarbeitern der am Skandal beteiligten Regierungsstellen und Behörden habe nicht stattgefunden. Doch die amtierende Niedersächsische Landesregierung, insbesondere das Wissenschaftsministerium und der Oberbürgermeister von Lüneburg würden für Monate mit lästigen Image-Problemen zu kämpfen haben.

  10. Der Prüfbericht der Oberfinanzdirektion (OFD) zu den Baukosten des Zentralgebäudes der Leuphana Universität Lüneburg liegt dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) vor.

    WARUM ERST JETZT UND NICHT SCHON 2011?

    “Die von Kritikern des Projektes geäußerten Bedenken haben sich leider bestätigt”, sagte Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic.

    ES WAREN KEINE „BEDENKEN“, SONDERN KONKRETE WARNUNGEN HINWEISE AUF SCHÖNRECHNEREI UND UNVERMÖGEN.

    Die 2011 angegebenen Baukosten von knapp 58 Millionen Euro waren von vorneherein unrealistisch. Wenn die Hochschule heute eine Baukostensteigerung von 18 Millionen Euro einräumen muss, sind davon elf Millionen Euro auf eine sogenannte Unterveranschlagung zurückzuführen. Der Vorwurf der Ministerin an die Uni-Leitung: „Das heißt, die Kosten sind von Beginn an zu gering angesetzt worden“.

    ALS WAS BEZEICHNET MAN „SOGENANNTE UNTERVERANSCHLAGUNGEN“ AUF DEUTSCH? ALS BEWEIS KOMPLETTER INKOMPETENZ? ALS IRREFÜHRUNG? ALS BETRUG?

    Die OFD gibt die Risiken mit rund 15 Millionen Euro an. Mögliche Risiken sind beispielsweise noch unbekannte Planungsschwächen oder Kostensteigerungen beim Rohbau. Die Gesamtkosten für das Zentralgebäude könnten demnach auf 91 Millionen Euro steigen.

    „NOCH UNBEKANNTE PLANUNGSSCHWÄCHEN ODER KOSTENSTEIGERUNGEN SOGAR BEIM ROHBAU“? WAS IST MIT DEN UNWÄGBARKEITEN DES VIEL KOMPLEXEREN, WEIL KLEINTEILIGEREN INNENAUSBAUS? ERWARTEN UNS DORT WEITERE ZEHNMILLIONEN-ÜBERRASCHUNGEN IM VIERTELJAHRESTAKT?

    “Dabei gilt jedoch: Risiken können eintreten, müssen aber nicht eintreten”, betonte Heinen-Kljajic.

    DASS RISIKEN „EINTRETEN KÖNNEN“, IST DAS WESEN VON RISIKEN. DASS SIE NICHT EINZUTRETEN BRAUCHEN, IST DER UNSERIÖSE HOFFNUNGSAPPELL VON ZOCKERN AUF RISIKOBEHAFTETE ZUKUNFTSUNGEWISSHEITEN.

    “Wir schaffen die erforderliche Klarheit, machen die Risiken transparent und erarbeiten damit erstmals eine realistische Entscheidungsgrundlage”, sagte die Ministerin.

    „ERSTMALS EINE REALISTISCHE ENTSCHEIDUNGSGRUNDLAGE“? DAS IST DIE BAKEROTTERKLÄRUNG DES HANDELNS BIS GESTERN.

    Das MWK fordert das Leuphana-Präsidium auf, eine professionelle Projektsteuerung zu beauftragen.

    „DAS LEUPHANA-PRÄSIDIUM MIT EINER PROFESSIONELLEN PROJEKTSTEUERUNG BEAUFTRAGEN“? DAS LEUPHANA-PRÄSIDIUM SOLLTE AUGENBLICKLICH DIE VERANTWORTUNG FÜR SEIN UNENTSCHULDBARES VERSAGEN ÜBERNEHMEN, ZÜRÜCKTRETEN UND SICH IM „RAUM DER STILLE“ AUF DIE ANSTEHENDE GERICHTLICHE AUFARBEITUNG MIT SICHER KOMMENDEN REGRESSFORDERUNGEN VORBEREITEN.

    Überdies soll der Stiftungsrat seine Aufsichtspflicht stärker wahrnehmen als bisher.

    DIE CLAQUEURE VOM STIFTUNGSRAT SOLLEN „AUFSICHTSPFLICHTEN WAHRNEHMEN“? HEIßT DAS NICHT, DEN LIEBEDIENERISCHEN GRATULATIONS- UND ABNICKBOCK DER VERGANGENHEIT WEITERHIN MIT DER LIZENZ ZUM RUIN DES GARTENS AUSSTATTEN?

    Dazu ist ein Controlling-Beirat beim Stiftungsrat eingerichtet worden.

    WARUM ERST JETZT? EIN DREIVIERTELJAHR NACH DER ERSTEN ANKÜNDIGUNG?

    MWK und OFD werden weiterhin an den Baubesprechungen teilnehmen.

    WENN DAS MWK UND DIE OFD BISHER SCHON AN BAUBESPRECHUNGEN TEILGENOMMEN HABEN, MUSS MAN DEREN VERTRETERN DANN NICHT EBENFALLS VERSAGEN VORWERFEN?

    Alle Einsparpotenziale müssen ausgeschöpft werden.

    JA! ABRISS DER MAUERN UND ERRICHTUNG EINES BESCHEIDENEN ZWECKBAUS! DAS IST DIE EINZIGE MAßNAHME MIT REALEM „EINSPARPOTENZIAL“.

    “Der 2011 erfolgte Verzicht auf eine Projektsteuerung und auch das mangelnde Controlling waren schwere Fehler”, so Heinen-Kljajic.

    SICHER; ABER DAS ZUSCHAUEN UND WEITERWURSTELN LASSEN DER INFERIOREN BLÖDISTEN IN LÜNEBURG ÜBER DEN 19. FEBRUAR 2013 HINAUS WAREN AUCH „SCHWERE FEHLER“!

    Wenn ein mittelständischer Unternehmer in Deutschland sich diese ungeheuerlichen „Planungsverfehlungen“ hätte zuschulden kommen lassen und die investierenden Gesellschafter seiner Firmenzentrale im Anfangsstadium der Rohbauphase mit Ausgabenssteigerungen von „vorläufig“ 33 Millionen Euro bei einem ursprünglich veranschlagten und bewilligten Gesamtvolumen von 57,7 Millionen konfrontiert hätte, säßen er, die Mitglieder seines Aufsichtsrats und seine Bankberater längst wegen Insolvenzverschleppung und mutmaßlich gemeinschaftlichen schweren Betrugs in Untersuchungshaft.

    • Von außen beetrachtet war der Stiftungsrat nicht nur von Claqueren beseetzt. Ein kritischer Begleiter muss ja wohl drin gewesen sein, wenn man sich die Wahlergebnisse des Präsidiums anschaut. Und der verlässt nun auch noch frühzeitig die Uni. Im übrigen muss man unterscheiden: alte Landesregierung mit FDP-Staatsekretär Dr. Lange sowie neue Landesregierung, die allerdings keine personellen Konsequenzen zieht oder nach Regress fragt.

    • @ Imageschaden:
      Der Prüfbericht der Oberfinanzdirektion (OFD) zu den Baukosten des Zentralgebäudes der Leuphana Universität Lüneburg liegt dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) vor.

      WARUM ERST JETZT UND NICHT SCHON 2011?

      MWK und OFD werden weiterhin an den Baubesprechungen teilnehmen.

      WENN DAS MWK UND DIE OFD BISHER SCHON AN BAUBESPRECHUNGEN TEILGENOMMEN HABEN, MUSS MAN DEREN VERTRETERN DANN NICHT EBENFALLS VERSAGEN VORWERFEN?

      => Wer den kompletten Verlauf dieses Prestige-Objektes in den letzten Monaten aus der Presse und sonstigen Quellen verfolgt hat weiß, dass die OFD vorher nicht gefragt wurde (bzw. mahnende Worte überhört wurden). Die Leuphana ist als Stiftungshochschule (anders als Nicht-Stiftungshochschulen und alle anderen Landesbehörden) nicht verpflichtet die OFD bei Bauprojekten einzubeziehen, da Stiftungshochschulen das Recht haben eigenständig als Bauherr tätig zu werden und somit auch die Kostenschätzungen vorzunehmen. Erst als sich herausstellte, dass das Projekt nicht nach „Plan“ verläuft wurde die OFD offenbar beteiligt und wurde wahrscheinlich auch erst dann zu den Baubesprechungen mitgenommen…insofern machen die Aussagen der Pressekonferenz schon Sinn…vlt. sollte man den Gesamtsachverhalt betrachten bevor man halbweise Kommentare schreibt. Die Schuldigen sind aus meiner Sicht daher klar auszumachen…Auch wenn wir natürlich in einem Land mit freier Meinungsäußerung leben sollte man fair bleiben und nicht wildfremde Verschwörungen anzetteln die m.E. aus den bestehenden Fakten nicht herleitbar sind…

  11. In der Welt lese ich gerade:

    „Die Uni teilte zu dem OFD-Prüfbericht mit, man sehe sich in der eigenen Einschätzung bestätigt, dass die Kostensteigerungen im Wesentlichen die Folge mangelhafter Leistungen eines anfänglich beauftragten Planungsbüros seien.“ Link: http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article124834320/Leuphana-Kosten-steigen-weiter.html

    Und wieder richtet man also seinen Finger in dreister selbstexkulpierender Schamlosigkeit auf andere!

    Wenn „die Kostensteigerungen [nach „eigener Einschätzung“] im Wesentlichen die Folge mangelhafter Leistungen eines ANFÄNGLICH beauftragten Planungsbüros“ waren, gibt man dann nicht entweder zu, diese „Folge“ im krassen Widerspruch zu der „eigenen Einschätzung“ jahrelang immer wieder lautstark bestritten oder sich und andere darüber hinweggetäuscht zu haben? Und ist man dann nicht entweder komplett unzurechnungsfähig, oder im höchsten Grade unaufrichtig gewesen? Sind aber nicht sowohl anhaltende Unzurechnungsfähigkeit wie dauernde Unaufrichtigkeit gravierende Gründe für eine sofortige Entfernung aus Ämtern und Verantwoltlichkeiten?

    Was soll man zu all diesen klebrigen Figuren bloß sagen?

    Offenbar ist es wie immer: Der Ekel würgt nur den, der ihn empfindet, nicht die, denen er gilt.

  12. Rücktritt? - Von wegen! Leuphana rulez!

    Lieber Herr Fabian – es bleibt die Frage, warum sollten Spoun und Keller jetzt zurücktreten? Es ist halt nicht die freie Wirtschaft, sondern ein Gebäude der öffentlichen Hand: Das macht die gelungene Arbeit von Spoun und Keller doch so genial. Mit Blendwerk, Networking und großen Versprechen lokale und landesweite Gruppierungen für den Wunderbau zu gewinnen, hat funktioniert: Der von vorne herein angestrebte „point of no return“ ist spätestens jetzt überschritten – das liebeskindsche Audimax wird gebaut, auch wenn das Geld realistisch hierfür nie wirklich vorhanden war. Vielleicht ja als „Lightversion“, die strukturell dem Zustand des neuen Parkhauses ähnelt…

    Im Endeffekt haben Spoun und Keller den meisten politischen und wissenschaftlichen Provinznasen mal progressiv-dynamisch gezeigt, wo der Hammer hängt: Mehrzweckhalle, nachhaltig, energieeffizient, Raum der Stille, offenes Kunstatelier, Ausblick bis nach Hamburg, Wald im obersten Stockwerk, Maschinenhalle im Keller, Tourismus, Leuchtturm, Campusuniversität Heide-Havard, Zerschlagung der faschistischen Struktur des Militärgeländes, Mittelverteilung bis hin zur EU, eigentlich alles für’n Appel und Ei durch gekonnte Anträge an den richtigen Stellen – kurzum „leider geil“, wenn man so im neuen Zeitgeist mitschwingt und sich dabei auch noch spitze fühlt… – wer will denn da „nein“ sagen?
    Eigentlich so gut wie niemand – und die paar letzten Betonköpfe, die der großartigen Verheißung nicht trauen wollen, kriegen entweder im Audimax einen Raum angeboten oder werden als Feinde der universitären Neuausrichtung, als Blockierer des Fortschritts und Totengräber der bedrohten Universität gebrandmarkt.

    Da Steuergelder sowieso überall öffentlich verbrand werden, wird sich am Ende schon keiner wirklich aufregen – und irgendwie hat ja auch fast jeder aus guten Gründen mitgemacht. Und da das keiner zugeben will, werden Spoun und Keller sicherlich weiter an den Pfründen bleiben – wenn überhaupt gehen sie, weil nach solch einem Erfolg sicherlich neue, größere Projekte anstehen.

    Das Traurige an diesem Erfolg für die Wachstumsregion Lüneburg ist, dass Personen, die öffentliche Vorbildfunktionen einnehmen und nebenbei mit Begrifflichkeiten wie „Nachhaltigkeit“, „Humanismus“, „Ethik“ und „Humboldt“ jonglieren, viel zu oft komplett diametral handeln. Sie degradieren diese Ideale zu Marketingblasen einer dekadenten und pflichtvergessenen „Ellbogengesellschaft des 21. Jahrhunderts“, in der nicht die Vernunft, sondern der schöne Schein regiert. Schade ist’s um viele der Studierenden, die später in gesellschaftlichen Verantwortungspositionen solch ein Verhalten und Begriffsverständnis zumeist noch reproduzieren, weil die Lehre in weiten Teilen unkenntlich dermaßen ideologisch unterwandert ist, dass man nach einem Leuphana-Studium verleitet ist zu glauben, dass der eigene Mist nach Rose riecht, weil man rational choice, Stakeholder-Value und Win-Win-WIN-Situation aussprechen kann, nebenbei Bio isst und spenden geht.

    Genug gedacht – ich muss weiter Hausarbeit schreiben…

    • Darf hier auch ein Lob für andere Kommentatoren ausgesprochen werden? Dieser Beitrag ist erstklassig. Fantastisch formuliert. Doch auch der vorige Beitrag von Margot Krestin ist sehr treffend und ansprechend. Danke an die beiden Kommentatoren. Es bereitet immer Freude derart gute Beiträge zum Thema zu lesen.

  13. Das Spoun und Keller die Finanzierung unseriös zurechtgemauschelt haben pfiff man in Lüneburg seit Jahren von den Dächern.
    Der seit 20 Jahren amtierende Oberbürgermeister Mägde will das Gebäude für seine Stadt – aber die Mehrkosten wohl nicht tragen, und auch den sich seit langen zusammenbrauenden Sturm nicht abbekommen.
    Und die CDU-Regierung mit Ministerin Wanka hat das in den letzten Jahren alles brav durchgewunken.

    Wenn alle diese Entscheidungsträger sich der mit einigem Chuzpe schöngerechneten „Fehlkalkulationen“ nicht bewusst waren, sind sie wohl kaum für ihre Ämter geeignet. Waren sie es sich bewusst, sind sie genauso mit Schuld an dem Betrug am Geld der Steuerzahler.

    Wirkliche Konsequenzen wird es wohl wie immer für Niemanden geben.

  14. Durch wen oder was werden Spoun und Keller eigentlich beschützt? Wenn der innere Anstand nicht da ist, der zum Rücktritt führen müsste, dann wären doch deutliche Hinweise mit dieser Zielrichtung das Mittel der Wahl. Wieso diese Samthandschuhe von allen Seiten? Steckt der Zentralrat der Juden dahinter? Vor allem: Ist das das vorbildliche Verhalten, das die „Zivilgesellschaft des 20. Jahrhunderts“ kennzeichnet? Der eigentliche Schaden ist nicht das Geld, sondern dass junge Leute merken, was man sich alles erlauben darf in der BRD 2014ff.

    • Heinrich van Meesen

      Sehr geehrter Herr Schwer,

      wir alle, die seit mindestens sieben Jahren auf diese mit zunehmender Beschleunigung anschwellende Unterfinanzierungsblase starren, konnten über den Fortgang des Unheils immer nur in den Zeitungen lesen, mit Betroffenen sprechen, die wenigen öffentlich gemachten Dokumente einsehen oder die beiden akademischen Nullen bei ihren diversen circensischen Selbstvermarktungsauftritten beobachten, die es als Taschenspieler eines beispiellosen Dauerfeuers grässlichsten Reklametamtams geschafft haben, das weit unterdurchschnittliche politische Personal in, um und aus Lüneburg glauben zu machen, dass den Bildungssimulationsphrasen, mit denen sie hausieren gehen, etwas Gehaltvolleres entspricht als Ranglistenehrgeiz für Pressemeldungen und selbstinszeniertes Preisverleihungsbillard, das mit diversen unappetitlichen Geldverdieneagenturen über Bande gespielt wird.

      Dass sich im Zusammenhang mit den skandalösen Vorgängen um das Zentralgebäudefiasko inzwischen eine defensive Kumpanei von Bauernfängern, Düpierten, Unfähigen und aufgeblasenen Großmäulern herausgebildet hat, deren gefoppte Mehrheit von blöd glotzenden Politikschauspielern nun dem Wahlspruch folgt, nach welchem alle panischen Narren zu jeder Zeit gehandelt haben: „Augen zu und durch“, ist wohl unbestreitbar.

      Ein schönes Beispiel für die aufgeregte Schrumpfform ungesunden Mitquatschens und Nachvornedrängelns gab der wahrhaft unvergleichliche stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Jörg Hillmer, der die hilflos herumlavierende Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „aufforderte“, „beim Umgang mit den Baukosten der Leuphana Universität Lüneburg endlich die Blickrichtung zu ändern und in die Zukunft zu schauen“. Vortrefflich! Vergesst die Vergangenheit! Wenn sich alle Gerichte der Welt an diese Empfehlung hielten, brauchte wohl kein einziger Krimineller mehr seine Verurteilung zu fürchten.

      Und über das Dilemma, in das sich unsere Steuergeld „investierenden“ Behördenvertreter haben bugsieren lassen, hat Hillmer, ohne daran zu denken, ebenfalls gesprochen: „Du musst nur die Blickrichtung ändern“: So lautet, leicht abgewandelt, ein bekanntlich nicht ungefährlicher Rat in Franz Kafkas „Kleiner Fabel“, von der vermutlich nur der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Jörg Hillmer, noch nie gehört hat:

      „Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

      Soweit, Herr Schwer, wissen sich, denke ich, alle besorgten Lüneburger und Niedersachsen einig hinsichtlich des hundert-Millionen-Skandals um den Libeskind-Bau.

      Was dagegen helles Entsetzen, bei allen denen ausgelöst haben dürfte, die auch nur einen Blick auf IHRE letzte Einlassung geworfen haben, Herr Schwer, ist die unentschuldbar widerwärtige und Sie allein, Herr Schwer, irreparabel kompromittierende Anspielung, die Sie in Ihre dritte Frage gekleidet haben. Als bisher einziger unter hunderten von Kommentatoren der letzten Jahre, die sich zu dieser kläglichen Schmierenkomödie ums Baugeld geäußert haben, konnten Sie offenbar nicht darauf verzichten, einen allerprivatesten Beweis abstoßenden Verschwörungsdenkens herzusetzen und sich dabei auf nichts anderes zu stützen als auf ein schändlich in Ihnen rumorendes Vorurteil unseligsten Angedenkens, und das tatsächlich zu äußern – wie ich vermute – durch einen gehörigen Schuss dumpf und böse brütender Dummheit motiviert ist.

      Ja, ich schäme mich sehr für die Akteure um das Leuphana-Desaster, die allesamt den Eindruck vermitteln, sie betrachteten unseren Staat und seine Steuergelder als ihre persönliche Beute.

      Aber am meisten, Herr Schwer, schäme ich mich für Ihre infame Entgleisung !

      • Werner Schneyder

        Herr van Meesen: Ich teile Ihre Einschätzung in mehrfacher Hinsicht nicht. Zum einen ist der ganze Vorgang keine „Schmierenkomödie“, sondern ein interessantes Beispiel politischen Handelns. Die explodierenden Kosten sehen wir ja auch an anderen Stellen in der Bundesrepublik. Zum anderen ist die Frage nach Netzwerken ja durchaus berechtigt. Sich derer zu bedienen ist doch nur normal. Auch in Vechta spielten die Kirchen eine große Rolle, ohne dass die Frage danach als „abstoßendes Verschwörungsdenken“ interpretiert worden wäre, für das man sich „schämen“ sollte. Im Übrigen wurde eine Frage gestellt und nichts behauptet. Ihre ausdrucksstarken Formulierungen, z.B. dass eine „Kumpanei von Bauernfängern, Düpierten, Unfähigen und aufgeblasenen Großmäulern“ die Situation kennzeichne, ist ja auch nicht gerade sensibel und vergißt diejenigen, die sich ernsthaft Gedanken machen über den weiteren Weg der Lüneburger Universität.

        • Heinrich van Meesen

          Sehr geehrter Herr Schneyder,

          sicherlich ist es ein verständlicher Wunsch, einen Schritt zurücktreten zu können und den ganzen Komplex der Vorgänge um das im Bau befindliche Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg als „ein interessantes Beispiel politischen Handelns“ zu betrachten. Historiker, Sozialwissenschaftler oder Organisationspsychologen werden das bestimmt auch eines Tages tun, sobald der Pulverdampf sich verzogen hat, Positionen für das leidenschaftslose Formulieren von gut begründbaren Hypothesen erkennbar sind und vor allem die Quellenlage eine umfassendere Würdigung und eine nüchterne Einordnung gestattet. Für uns zeitungslesende Zeitgenossen – auch wenn wir uns bemühen, kritisch zu bleiben und eine Distanz aufzubauen gegenüber den Akteuren, die uns umgeben – selbst zu jenen, die einen ähnlichen Standpunkt vertreten wie wir -, kann es einen solchen Analyseposten mit Objektivitätsansprüchen, der Abstand und Überschau voraussetzt, aber noch nicht geben. Wer sich als Betroffenener engagiert und sich in eine öffentliche Debatte einmischt, der ist in eine Gemengelage von Interessen verwickelt, er ist Beobacher und zugleich Beteiligter innerhalb eines sehr sensiblen sozialen Themenfeldes.

          In solcher Lage halte ich es für einzig möglich – und für durchaus legitim – mit „ausdrucksstarken Formulierungen“ eine pointierte, ja, sogar eine überpointierte Meinung zur Sache zu äußern, die gegenüber den Nebelquirlereien vom Bockelsberg, aus Hannover oder dem Lüneburger Rathaus immerhin den Vorzug hat, dass sie deutlich ist und prinzipiell von jedermann bestritten werden kann, sofern er über die besseren Argumente verfügt – und sie nennt. Andererseits halte ich es für unaufrichtig und inakzeptabel, so aufzutreten, als sei man im Besitz einer Wahrheit, die keinen Widerspruch duldet und den Opponenten herabsetzt, falls er sich erdreistet, an ihr zu zweifeln. Denn das hieße, den beanspruchten Feldherrenhügel imperativer Auslegungshoheit für den angemaßten „objektiven“ Analyseposten auszugeben. Beispiele solchen Auftretens finden Sie nicht nur in den Presseverlautbarungen eines Herrn Hillmer oder in den „Statements“ der Professorin Dr. Johanna Wanka (etwa: Stenografischer Bericht zur 115. Sitzung des Niedersächsischen Landtags vom 16. September 2011), sondern in Hülle und Fülle, wenn Sie die vielen, ständig nachgebesserten Dekrete zur Audimax-Finanzierung im „News“-Archiv der Leuphana studieren.

          Nun zu Ihren „Einschätzungen“ im Einzelnen:

          1. Ich bleibe dabei, was Sie „ein interessantes Beispiel politischen Handelns“ nennen, ist für mich eine abgeschmackte „Schmierenkomödie“ ungeheuerlichster Art. Zu beurteilen, ob sie als solche „politisches Handeln“, wie wir es zur Zeit nicht nur in Lüneburg und Hannover, sondern auch in Berlin und Brüssel erleben, insgesamt charakterisiert, überlasse ich Ihnen.

          2. Dass wir „explodierende Kosten ja auch an anderen Stellen in der Bundesrepublik sehen“, kann doch wohl nicht im Ernst als Einwand gegen die Forderung nach einer umgehenden juristischen Aufarbeitung in Lüneburg gelten? Im vergangen Jahr gab es in Deutschland 280 Raubüberfälle auf Geldinstitute, Postfilialen und -agenturen. Sollen wir die vier in Lüneburg begangenen nicht ahnden, nur weil wir solche „ja auch an anderen Stellen in der Bundesrepublik sehen“?

          3. Ich teile Ihre Überzeugung: „Die Frage nach Netzwerken [ist] (…) durchaus berechtigt.“ a) Wenn begründbarer Verdacht besteht, dass solche „Netzwerke“ das Voranbringen unsauberer Machenschaften begünstigt haben, wäre es wissenswert zu erfahren, welche es waren und wie das funktionierte. b) Wenn sie im Rahmen legaler „Interessenpolitik“ genutzt wurden, wäre „sich derer zu bedienen, (…) doch nur normal.“ Nichtsdestotrotz wäre auch in diesem Fall aufschlussreich zu erfahren, welche „Netzwerke“ es waren und wie sie funktionierten.

          4. Im Oktober 2005 fusionierte die Universität Vechta mit der ebenfalls am Ort ansässigen Katholischen Fachhochschule Norddeutschland (KFH). Schon allein aus diesem Sachverhalt ergibt sich: „Auch in Vechta spielten die Kirchen eine große Rolle, ohne dass die Frage danach als „abstoßendes Verschwörungsdenken“ interpretiert worden wäre, für das man sich „schämen“ sollte.“

          5. Sie schreiben: „Im Übrigen wurde eine Frage gestellt und nichts behauptet.“ Das bezieht sich, nehme ich an, auf die von mir beanstandete und scharf gegeißelte Entgleisung von Herrn Schwer? Nun, „in Vechta“ hat die „Katholische Kirche“ sich engagiert. Das ist bekannt und vielfach belegt. Auf ein Engagement des „Zentralrats der Juden“ zugunsten des Zentralgebäudebaus der Leuphana in Lüneburg gibt es, soweit mir bekannt, nicht die Spur eines Hinweises. Wenn also „eine Frage gestellt“ wird, welche vollkommen überraschend und ohne den geringsten Anhalt die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland als eine Körperschaft benennt, die „dahinter stecken“ könnte, dass „Spoun und Keller“, so Herr Schwer, „von allen Seiten“ mit „Samthandschuhen“ angefasst werden, halte ich das bloß der Form nach für eine Frage, dem Inhalt nach aber für eine Insinuation, die auf widerlichste Weise an hinlänglich bekannte Vorurteile und Ressentiments zumindestens rührt, wenn nicht appelliert. Für mich ist das „abstoßendes Verschwörungsdenken“, weil es von historischer Unbelehrbarkeit und schamlos zur Schau gestellter Dummheit zeugt. Übrigens hätte ich von Dummheit und „Verschwörungsdenken“ – ohne Attributierung und ohne Ekel – auch dann gesprochen, wenn Herr Schwer, seiner Frage nachgehend, „Durch wen oder was werden Spoun und Keller eigentlich beschützt?“, angedeutet hätte, der CIA, der Circus Roncalli oder der ADAC „steckten dahinter“. Denn wer derart naiv nach einer einfachen Antwort in einer komplizierten Lage sucht, dass er der Unterstellung eines konspirativen Wirkens geheimer Mächte im Hintergrund bedürftig wird, befindet sich gedanklich bereits auf so abschüssiger Bahn, dass er allenfalls noch auf Therapieempfehlungen, aber nicht mehr darauf zählen kann, als Diskussionspartner ernst genommen zu werden.

          6. Zuletzt monieren Sie, meine „ausdrucksstarken Formulierungen“ und sagen, dass z. B. eine „Kumpanei von Bauernfängern, Düpierten, Unfähigen und aufgeblasenen Großmäulern“ die Situation kennzeichne, sei „ja auch nicht gerade sensibel“ und vergesse „diejenigen, die sich ernsthaft Gedanken machen über den weiteren Weg der Lüneburger Universität.“ Zum ersten Teil Ihrer Feststellung habe ich oben schon alles gesagt, was mir dazu einfällt. In einem Sumpf von Halbwahrheiten und Ausweichgeschwurbel ist Drastik eine Form der Notwehr. Lesen Sie den einen oder anderen kleinen Text von Luther und Sie werden verstehen, was ich meine. Dagegen haben „diejenigen, die sich ernsthaft Gedanken machen über den weiteren Weg der Lüneburger Universität“, meine volle Sympathie, wenn sie nicht in den Chor derjenigen einstimmen, die nur ein Lied kennen: „Schwamm über alles Vorgefallene und in die Zukunft geschaut!“ Einen Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags, der die „Fehler bei der Planung des Libeskind-Baus“ in Lüneburg den verantwortlichen Personen zuordnet, ist wohl das Mindeste, was wir als Geldgeber erwarten dürfen.

  15. Die Hochstapler klappern.

    Der Stadtrat klappert.

    Der Landtag klappert.

    Klappern gehöre zum Handwerk, heißt es, und wer nicht klappere, verstehe sein Handwerk nicht. Auch das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern hat nichts gegen das Klappern (Märchen haben ja nie etwas dafür oder dagegen). Es macht uns nur klar, dass alle mitklappern müssen, wenn das Klappern des Kaisers einen schönen, einen vollen Klang ergeben soll. Wenn nur ein einziges unerschrockenes Kind nicht mitklappert und sagt: „Aber der Kaiser hat ja gar nichts an“, dann ergibt das einen Missklang im Geklappere, der aus dem Geklapper ein großes Geschepper werden und alles auffliegen lässt.

    Ist es nicht wunderbar deftig und diskret zugleich, wie Hans Christian Andersen uns dieses Geschepper zu Gehör bringt: „,Aber er hat ja gar nichts an!’ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.“

    Unerbittlich ist das Gesetz des Klapperns: Einmal klappern, immer klappern. Und auch wenn, durch kindliche Stimme belehrt, allen schon ein Licht aufgegangen ist, daß hinter der blendenden Fassade gar nichts ist, so muss ebendeshalb die Fassade aufrechterhalten werden. Der Kaiser muss es aushalten, von allen für nichts und wieder nichts bewundert zu werden. Das ist natürlich sehr komisch, vielleicht die Ursituation von Komik überhaupt.

    „Welche Muster, welche Farben“, riefen die treuesten Minister des Kaisers, während die betrügerischen Schneider unter Festbeleuchtung farb- und musterlos am Webstuhl klapperten, mit großen Scheren in die Luft schnitten und mit langen Nadeln ohne Faden nähten. „Nur Dumme oder solche, die für ihr Amt nicht taugen“, würden die prächtigen Kleider nicht sehen, hatten die Betrüger gesagt. Da wollte natürlich keiner zugeben, daß er nichts sah. Auch der Kaiser wollte taugen und also stolzierte er nackt. Er weiß: Die Schleppenträger scheppern. Und er weiß, dass alle es wissen. Wie er das aushält? Zähneklappernd.

  16. Her mit eurem Geld !

    “Da kommt was auf Stadt und Landkreis zu”, vermutete der stellvertretende Fraktionschef der CDU im Landtag, Jörg Hillmer, der sich als profilirierungsbemühter Angehöriger des „Arbeitskreises Wissenschaft und Kultur der inzwischen oppositionellen CDU-Landtagsfraktion gestern, am 20. Februar 2014, selbst ein Bild vor Ort machen konnte“. ( http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/145341-stadt-und-kreis-gefordert)

    Allerdings!

    Die Differenz zwischen ursprünglich 57, 7 Millionen und – d e r z e i t – 125 Millionen Euro „deutet“ nach Adam Riese – d e r z e i t – auf einen Fehlbetrag von 67, 3 Millionen Euro.

    Wie´s mit der „Unterfinanzierung“ morgen aussieht, wissen die Götter.

    „Es wäre schade, wenn das wissenschaftliche Renommee der Hochschule durch den Bau in Frage gestellt wird“, resümiert der Geistesriese Hillmer.

    Er hätte die Erpressungssituation zutreffender auch so beschreiben können: „Wenn Stadt und Landkreis nicht bereit sind, den Tempel des Irrsinns von Pat & Patachon mit zweistelligen Extra-Millionen zu retten, geht der Universiätsstandort Lüneburg den Hasenburger Bach runter.“

  17. Es lebe das Unbekannte und die Zukunft. Lasst uns dafür kein Budget bilden, sondern druckt das Geld selbst dann ist es unendlich und belastet nicht die Steuerzahler.
    Lasst uns historisches, geschichtsträchtiges und alteingesessenes vernichten. Es Bedarf keinerlei Unterstützung! Dem aktuell sehr gut aufgestellten (auch finanziell) LSK (z.B.) hätte es, im Verhältnis dazu, mit der Portokasse gereicht zu unterstützen.

  18. Prüfbericht bestätigt Fehler bei der Planung des Libeskind-Baus

    .. wenn ich diese Überschrift lese : Prüfbericht bestätigt Fehler bei der Planung des Libeskind-Baus …
    dann geht ein Fachmann der Baubranche davon aus, daß es Fehler in der Planung des Bauprojektes gegeben hat …
    Nun geh ich mal davon aus , daß die beauftragten Architekten alle Fachleute sind und sich Fehler in der Bauplanung mit Sicherheit nicht geleistet haben ! Architekten, Ingenieure und Planer haften für ihre Leistungen. Die Überschrift ist also mit Sicherheit absolut falsch. Wenn im Prüfbericht jedoch über beabsichtigte Fehler bei der Ermittlung der Baukosten berichtet wird , dann kann man davon ausgehen, daß diese zu niedrig berechneten Baukosten doch so gewollt waren. Andernfalls wäre dieses Bauprojekt doch nie und nimmer gebaut worden.
    Es ist eben die Ilmenau-Philharmonie in Lüneburg.
    Freuen wir uns auf ein tolles Projekt vom Stararchitekten Libeskind in Lüneburg und den damit verbundenen Bekanntheitsgrad der Stadt Lüneburg !