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Zahlreiche Bäume sind auf dem Gelände des Autohauses B&K abgeholzt, darunter auch mindestens drei geschützte. Foto: nh
Zahlreiche Bäume sind auf dem Gelände des Autohauses B&K abgeholzt, darunter auch mindestens drei geschützte. Foto: nh

Da war das Wäldchen weg

us Lüneburg. „Wir prüfen, ob wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten“, sagt Yvonne Hobro, Baujuristin der Stadt Lüneburg. Anlass sind Baumfällungen auf dem Gelände des Lüneburger BMW-Händlers B&K an der Hamburger Straße.

Dort plant das Unternehmen die Errichtung einer Stellplatzanlage und hatte dafür bei der Stadt einen entsprechenden Bauantrag eingereicht, ebenso eine Liste mit Bäumen, die der Baumaßnahme im Wege standen und daher gefällt werden sollten. Doch auf die Genehmigung der Stadt wollte das Unternehmen offenbar nicht warten. Zahlreiche Bäume sind in den vergangenen Tagen auf dem Gelände zwischen Hamburger und Dessauer Straße der Motorsäge zum Opfer gefallen, selbst die Baumstümpfe sind inzwischen von einer Fachfirma beseitigt worden, die betroffene Fläche, mehrere tausend Quadratmeter groß, ist seitdem baumfrei.

„Das war eine vorschnelle Entscheidung des Bauherrn, denn sowohl der Bauantrag als auch die eingereichte Liste mit den Bäumen, die gefällt werden sollen, sind von uns noch nicht genehmigt worden“, lässt Juristin Hobro wissen. Nachdem die Stadt Kenntnis von der Aktion erhalten hatte, schickte sie Mitarbeiter auf das Gelände, um sich die Situation vor Ort und die noch verbliebenen Baumstümpfe anzusehen. Ergebnis: Mindestens drei der gefällten Bäume wären aus Sicht der Stadt vermutlich durch die Baumschutzsatzung geschützt gewesen.

Warum BMW die Bäume dennoch fällen ließ, erklärt Michael Rentz von der Wellergruppe GmbH & Co. KG in Berlin, die für B&K das Immobilienmanagement besorgt: „Wir haben mit dem Amt gesprochen. Dort sagte man uns, dass Bäume, die nicht der Baumschutzsatzung unterliegen, gefällt werden dürfen.“ Dass dort schützenswerte Bäume gestanden haben, sei ihm nicht bekannt gewesen, nach seiner Einschätzung seien die Bäume „alle nur etwa armdick gewesen“.

Dass es Gespräche zwischen dem Antragsteller und der Stadt gegeben hat, stellt Stadtpressesprecher Daniel Steinmeier auch nicht in Abrede: „Das machen wir grundsätzlich, wenn bei uns ein Antrag zur Baumfällung eingeht.“ Weshalb das Unternehmen aber einen Fäll­antrag einreicht, wenn es davon ausgeht, dass dort gar keine schützenswerte Bäume stehen, sei für ihn und seine Kollegen nicht recht nachvollziehbar.

Thomas Mitschke vom Naturschutzbund Lüneburg vermutet, dass dort Fakten geschaffen werden sollten. „Am 1. März beginnt die Brut- und Setzzeit, danach hätten überhaupt keine Bäume mehr gefällt werden dürfen.“ Richtig sauer aber ist er, weil er Michael Rentz noch vor drei Tagen in einem Gespräch darauf hingewiesen hatte, wenigstens auf die Beseitigung der Baumstümpfe bis Ende April zu warten, da sich in dem Unterholz ein Hummelkönigin eingenistet hätte. „Das wurde mir mit dem Hinweis, dass man eh erst Ende des Jahres mit einer Baugenehmigung rechne, auch versprochen.“

One comment

  1. …ich hoffe, man erfährt aus der LZ dann auch, ob und welche Strafe es gegeben hat bzw. geben wird. Wer das als Privatmann macht, dem wird das Fell über die Ohren gezogen…