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Der Schifferwall an der Reichenbachstraße ist in die Jahre gekommen. Neue Wege, Sichtachsen und Spielplätze für Jung und Alt sollen die Attraktivität des Parks für die Umgebung wieder steigern. Foto: t&w
Der Schifferwall an der Reichenbachstraße ist in die Jahre gekommen. Neue Wege, Sichtachsen und Spielplätze für Jung und Alt sollen die Attraktivität des Parks für die Umgebung wieder steigern. Foto: t&w

Schifferwall wird maritim

us Lüneburg. Freie Sichtachsen, übersichtlichere Wege, mehr Aufenthaltsqualitäten so stellt sich die Hansestadt den neu gestalteten Schifferwall, die Grünanlage an der Reichenbachstraße, vor. Gestern präsentierte sie im Rahmen einer Bürgerversammlung vor Ort die Pläne für die Neugestaltung der Anlage, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll.

„Der Park ist in die Jahre gekommen. Bislang fehlte das Geld, doch mit der Aufnahme dieser Fläche ins Sanierungsgebiet Wasserviertel haben wir jetzt die Chance, etwas zu tun“, sagte Peter Zurheide, Bereichsleiter Grünplanung bei der Hansestadt. 330000 Euro kostet die Umgestaltung nebst Unterhaltung für zwei Jahre, ein Drittel davon trägt die Stadt, den Rest teilen sich Bund und Land.

Bereits im Mai letzten Jahres hatte die Stadt zu einem ersten Bürgergespräch in den Park eingeladen und Vorschläge und Ideen für eine künftige Gestaltung und Nutzung der Grünanlage aufgenommen. „Sichtachsen, Spielplätze, Nistkastenaktion, Entrümpelung der Bastion sowie Rollator geeignete Wege waren einige der Punkte, die damals genannt wurden und die wir in unsere Planung aufgenommen haben“, berichtete Ulrike Mehlert vom Landschaftsarchitekturbüro Siller aus Kiel, das mit der Ausarbeitung der Pläne beauftragt ist.

„Das Potenzial des Parks ist sein Baumbestand, und der soll auch erhalten bleiben“, sagte Mehlert gestern. Auch die Wegeführung bleibe weitgehend erhalten, künftig aber sollen zwei Wege statt nur einem durch die Anlage führen. Der vorhandene Rundweg soll als „Historienpfad“ angelegt werden mit Hinweisen zur Geschichte der früheren Stadtbefestigungsanlage sowie mit Ausblicken auf das auf der anderen Ilmenau­seite liegende Warthaus und den alten Hafenkran. Sichtachsen sind auch innerhalb des Parks geplant, „im Wesentlichen durch Aufastung der Gehölze und nur geringfügig durch Entfernen von Bäumen“, betonte Helga Hollweg vom Bereich Grünplanung der Hansestadt.

Für mehr Publikum sollen zwei Spielplätze an den Mittelwegen einer für Kleinkinder, der andere für Jugendliche sowie vier Plätze mit Mehrgenerationenspielgeräten sorgen, „eine Art Fitnessgeräte“, wie Ulrike Mehlert erläuterte.

Der nördliche Platz im Park, die sogenannte „Bastion“, soll aufgeräumt, von Strauchwerk befreit werden sowie Sitzbänke und wieder einen freien Blick auf die Ilmenau erhalten.

Der Hauptzugang zum Park gegenüber dem ehemaligen Synagogenstandort ist als Treffpunkt „Schifferwall“ vorgesehen und soll nach aktueller Planung mit einer Stele als Mast mit Fahne und einer Steinfläche in Form eines Schiffsrumpfs und zwei Sitzbänken an Bug und Heck gestaltet werden. Überhaupt soll mittels weiterer gestalterischer Elemente die maritime Umgebung und der Bezug zum „Schifferwall“ verdeutlicht werden, hob Helga Hollweg hervor.

Als „weit übers Ziel hinaus geschossen“ bezeichnete Ralf Gros vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt die Pläne. „Pflege und Erhalt der Anlage sind zu begrüßen, nicht aber der jetzt geplante Rahmen“, sagte Gros auch mit Blick auf die laufenden Kosten. „Die haben wir jetzt auch“, sagte Zurheide, räumte aber ein, dass sie vermutlich über den derzeitigen liegen werden. Gros schlug vor, zunächst nur einen Spielplatz anzulegen, sollte dieser nicht angenommen werden, könnte man sich den zweiten sparen.

Aufgenommen wurde auch eine Anregung von Thilo Clavin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Lüneburg. So soll sich die Parkbeleuchtung möglichst an die jeweiligen Lichtverhältnisse anpassen, um einer weiteren Lichtverschmutzung entgegen zu wirken.

Etwa Ende April soll mit den Arbeiten begonnen werden, die Stadt rechnet mit einer Bauzeit von drei bis vier Monaten, sagte Peter Zurheide. Den Hinweis von Ralf Gros, dass damit ja das heutige Gespräch im Prinzip überflüssig sei, ließ Zurheide nicht gelten. Natürlich seien Anregungen wichtig und würden, soweit möglich, auch berücksichtigt.

One comment

  1. Unglaublich. Lüneburg hat rd. 200 Millionen Euro Schulden, aber hier dürfen sich für 300 Tausend Euro Grünplaner und Landschaftsarchitekten an ihren kreativen Ideen berauschen. Im Schifferwall-Park sollen „Sichtachsen“ geschaffen und „maritime“ Akzente“ gesetzt werden. Als Normalbürger, der täglich durch diesen Park geht, kann man sich angesichts dieser Pläne nur bekreuzigen. Der rücksichtslose Kahlschlag entlang von Ilmenau und Lösegraben, den wir in diesen Vorfrühlings-Tagen bewundern dürfen, spricht ja bereits Bände und zeugt vom eigentümlichen Naturverständnis der „Bereichsleitung Grünplanung“. Wie schön wäre es, die Mitarbeiter der Behörde müssten nicht in jedem Winter wieder mit Kettensägen ausrücken, rücksichtslos Hecken roden, Bäume „aufasten“, Wege planieren und Masten einbetonieren.Sondern könnten stattdessen vielleicht einfach mal Lao-Tse oder Konfuzius lesen. Das „Nicht-Tun“ – im Falle des Schiffergrabenparks wäre es mit Sicherheit die menschen- und naturverträglichere Alternative! Übrigens gibt es ja schon einen -ziemlich verwaisten- Kinderspielplatz in dem Park. Diesen aufzuräumen und einige zusätzliche Bäume und Hecken zu pflanzen wäre völlig ausreichend. Einen „Treffpunkt Schifferwall“ mit kitschigem Fahnenmast und anderen Meeres-Reminiszenzen brauchen wir nicht.
    Das Projekt erinnert an den Plan, den Platz am Sande mit einem „Grapengießerbrunnen“ zu verunstalten. -Künstlerisch wertlose Stadtmöblierung unter dem Deckmantel einer Kunst, die „keinem wehtut“ und die das Aussehen der Innenstädt egalisiert …