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Das Personal ist schon seit Jahren weg, nun soll auch noch der Geldautomat der Sparkasse aus Ochtmissen verschwinden. Das missfällt vielen Bewohnern des Stadtteils. Foto: be
Das Personal ist schon seit Jahren weg, nun soll auch noch der Geldautomat der Sparkasse aus Ochtmissen verschwinden. Das missfällt vielen Bewohnern des Stadtteils. Foto: be

Verlustgeschäft mit dem Geldautomaten

mm Lüneburg. Das hatte es lange nicht gegeben. Bei der Ratssitzung der Ortschaft Ochtmissen am Donnerstagabend im neuen Sportpark blieb kein Stuhl unbesetzt. Bürger kamen zuhauf, denn auf der Tagesordnung stand unter anderem die Schließung des einzigen Geldausgabeautomaten im Ort. Dazu Rede und Antwort stand den erregten Gemütern Sparkassenvorstand Karl Reinhold Mai.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht seien Geldausgabeautomat und Kontoauszugsdrucker in Ochtmissen nicht länger tragbar, begründete Mai die geplante Schließung bis Ende März. Schon im letzten Jahr hatte die Sparkasse ihr Beratungsangebot in Ochtmissen eingestellt. Der Automat sei der „am schlechtesten frequentierte im Geschäftsgebiet der Sparkasse Lüneburg“. Ein genaue Zahl an Nutzern wollte Mai nicht nennen, verlautete auf Nachfrage aus Bürgerecke aber, der Geldautomat habe zu einem jährlichen Verlust von 20000 Euro geführt. Die Geld­entnahmestelle war in den Räumlichkeiten der ehemaligen Sparkassen-Filiale am Edgar Schaub Platz untergebracht, die war bereits im Jahre 2004 geschlossen worden. Für den Weiterbetrieb des Geldautomaten hätte man nun das ganze Haus für zehn Jahre mieten sollen, erklärte Mai.

Ortsratmitglied Bernd Hufenreuter (SPD) erkundigte sich bei Mai nach der Möglichkeit, den Geldautomaten bei der ortsansässigen Loewe-Stiftung neu zu installieren. Mai: „Die technische Umsetzung wäre möglich, allerdings erfordert ein Umzug eine fünfstellige Investitionssumme, hinzu kommen Kosten für die Unterhaltung. Wir würden das Problem nur verlagern.“ Es gäbe keine Chance den Automaten in Ochtmissen zu erhalten. Uwe Plikat (CDU) gab zu bedenken, die Sparkasse könnte Kunden verlieren. Mai erwiderte: „In Vögelsen, Embsen und Kirchgellersen haben wir im letzten Jahr unsere Geschäftsstellen geschlossen und dabei weniger als 50 Kunden verloren.“ Geldautomaten rechneten sich in Einkaufszentren, an Durchfahrtstraßen oder an Bahnhöfen, hier profitiere man von Fremdnutzern. Ihr Konzept werde die Sparkasse bis zum Jahr 2020 nicht ändern.

Um an ihr Geld zu kommen, müssen die Ochtmisser nun auf Automaten in der Stadt ausweichen. Den nächst Gelegenen gibt es am Kreideberg. Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz und die Ratsvertreter wissen, dass mancher Bürger diesen aus Mobilitätsgründen nicht unbedingt erreichen kann. Frank Soldan (FDP) sagte in Richtung Mai: „Menschen in Ochtmissen sind an ihren Ort gebunden, Sie nehmen ihnen ein Stück Servicequalität.“

Die Mobilität der Ochtmis­ser könnte erhöht werden, wenn die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Ochtmissen zum Kreideberg verbessert würde. Hartmut Deja (SPD) unterbreitete Mai den Vorschlag, die Sparkasse könne sich an möglichen Kosten für einen Bürgerbus beteiligen. Für dessen Einführung hatte die rot-grüne Mehrheitsgruppe im Lüneburger Rat in der letzten Woche einen Antrag gestellt (LZ berichtete). Die anderen Fraktionen unterstützten den Vorschlag, der nun von der Verwaltung geprüft wird. Auch der Sparkassen-Chef hatte ein offenes Ohr: „Wir könnten einen Betriebskostenzuschuss für einen Bürgerbus über unsere Stiftung ins Auge fassen.“

Für einen Bürgerpark ins Auge gefasst hat die örtliche SPD das Teichgebiet neben Schützenhaus und Sportgelände. Die Fraktion brachte einen Antrag ein, wonach Möglichkeiten geprüft werden sollten, das Gelände zu einem Bürgerpark mit Minigolf, Boule-Bahn sowie Natur- und Erlebnispfad mit Grillplatz, Ruhebänken und Freilufttheater auszubauen. „Eine munteres Paket“, nannte Stadtvertreter Dr. Karl-Heinz Rehbein den Vorschlag. Dennoch: Der Antrag wurde mit einer Enthaltung beschlossen und wird nun der Verwaltung vorgelegt.

Die Abstimmung wäre auch nicht anders ausgefallen, wäre Grünen-Vertreterin Jule Grunau noch Ratsmitglied. Durch ihren Umzug in die Reichenbachstraße musste sie ihr Mandat niederlegen. Der Sitzverlust im Ortsrat wird nicht ausgeglichen, künftig zählt der Ortsrat acht Mitglieder.

One comment

  1. Zitat von der Homepage der Sparkasse-LG:“Neben einem umfangreichen Online-Service nutzen Sie ein dichtes Netz von Filialen und SB-Einrichtungen. Freundliche und kompetente Mitarbeiter sind gern persönlich für Sie da.“ Ob man da schon jetzt und erst recht in Zukunft noch von einem dichten Netz von Filialen und SB-Einrichtungen sprechen kann? Doch das nur nebenbei.
    Viel interessanter und eine Übersetzung wert ist folgender Satz von Herrn May: „Geldautomaten rechneten sich in Einkaufszentren, an Durchfahrtstraßen oder an Bahnhöfen, hier profitiere man von Fremdnutzern. “ Anders ausgedrückt: Was interessiert mich der Service für unsere Kunden. Ich will Gebühreneinnahmen von Fremdnutzern haben und mehr Geld einnehmen. So sieht also die Nähe zum Kunden und der Region aus.
    Und noch einbemerkenswerter Satz von Herrn May, der diese Interpretation stützt: „Mai erwiderte: “In Vögelsen, Embsen und Kirchgellersen haben wir im letzten Jahr unsere Geschäftsstellen geschlossen…“. Was ist eigentlich der rechtliche Auftrag und der Urgedanke der Sparkassen? Fernab vom Kunden und minimaler Service vielleicht?
    Das Selbstverständnis scheint jedenfalls langsam so auszusehen: Maximierung der Gebühreneinnahmen und Sollzinsen, sowie Optimierung eigentlich einer Sparkasse fremder Geschäftsfelder wie Immobilienverkauf und Versicherungen. Fast schon so als wenn es beim Frisuer nebenbei eine Frischwursttheke und einen Backshop gibt.
    Aber damit die Heimat- und Kundenverbundenheit betont wird, dann nur mit Produkten aus der Region. Und schon ist wieder alles in Butter. Nie war mir die Sparkasse ferner als Heute.