Dienstag , 27. September 2016
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Chefarzt Prof. Dr. Christian Weiß (r.) erläutert seinem Patienten Jürgen Dammann, wie der Ereignisrecorder die Herztätigkeit überwacht und wie der Kardiologe die Daten auswerten kann. Foto: t&w
Chefarzt Prof. Dr. Christian Weiß (r.) erläutert seinem Patienten Jürgen Dammann, wie der Ereignisrecorder die Herztätigkeit überwacht und wie der Kardiologe die Daten auswerten kann. Foto: t&w

Mini-Recorder überwacht Herz

as Lüneburg. Bereits zweimal erlitt Jürgen Dammann eine Bewusstlosigkeit, kam zur Klärung der Ursache ins Klinikum. Doch die Diagnose der Ursache von plötzlich auftretender Bewusstlosigkeit ist schwierig. Hilfe bei der Abklärung bietet die neueste Generation eines Ereignisrecorders, der winzig klein ist. Jürgen Dammann ist der erste Patient, dem jetzt so ein Mini-Recorder in der Kardiologie des Lüneburger Klinikums eingesetzt wurde. Er überwacht praktisch kontinuierlich die Herztätigkeit. Das Besondere: Die Daten können per Internet vom behandelnden Arzt abgerufen werden.

Ereignisrecorder gibt es bereits seit 15 Jahren, sie wurden in einer klassischen Opera­tion implantiert und zeichnen kontinuierlich ein EKG auf. Hierbei können lange Pausen des Herzschlags oder schnelles Herzrasen während der Bewusstlosigkeit erfasst werden, erläutert Prof. Dr. Christian Weiß, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum. Da neben Herzrhythmusstörungen auch Nervenerkrankungen die Ursache von Bewusstlosigkeit sein können, werden oft Neurologen im Klinikum zur Diagnosefindung hinzugezogen. Die Ereignisrecorder bieten dennoch heutzutage erst die richtige Hilfe beim Finden der Diagnose.

Was die neue Generation auszeichnet, ist modernste Technik auf kleinstem Raum. Gerade mal so groß wie drei Streichhölzer sind die Recorder und damit ein Drittel so groß wie die Vorgänger. ,,Nur ein kleiner Schnitt in der Höhe der Region des Herzen ist notwendig, über den dann mittels einer Einführungshilfe der Ereignisrecorder unter die Haut geschoben wird“, erläutert Prof. Dr. Weiß das Verfahren. Der Eingriff sei vollkommen schmerzfrei gewesen, berichtet der Patient Jürgen Dammann. Bereits zwei Tage danach habe er wieder arbeiten können.

Für die kontinuierliche Messung und Aufzeichnung der Herzströme sorgen zwei Elek­troden an dem Recorder. Damit kann er drei Jahre lang Rhythmusstörungen in den Herzvorhöfen sowie in den Herzkammern erkennen und speichern. Mit Hilfe eines Ablesegerätes kann der Patient die Daten jederzeit abfragen, per Internet können diese dann an den behandelnden Arzt geschickt werden. ,,Das macht die ambulante Betreuung von Patienten noch einfacher. Früher musste der Patient immer wieder in die Klinik kommen“, sagt der Kardiologe.

Der neue Mini-Recorder kann bei Patienten angewandt werden, die unter Symptomen leiden, die auf eine Herzrhythmusstörung hindeuten wie zum Beispiel Schwindel, Herzstolpern oder eben Ohnmachtsanfälle. Im Fall des Lüneburgers Dammann erläutert Prof. Weiß weiter: ,,Bisher ist die Bewusstlosigkeit alle halbe Jahr aufgetreten. Wir werden jetzt abwarten, ob erneut ein Ereignis auftritt. Wenn nichts aufgezeichnet wird, können wir sicher sein, dass die Ursache für die Bewusstlosigkeit nicht vom Herzen kommt und weitere Schritte zur richtigen Diagnose vornehmen.“ Sollte das Mini-EKG aufzeichnen, dass das Herz des Patienten zu langsam schlägt, müsse ein Schrittmacher implantiert werden, bei Herzrasen eventuell ein Defibrillator.