Mittwoch , 28. September 2016
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Durchschnittlich sechs Lkw sollen pro Stunde Kies aus Häcklingen abtransportieren. Foto: A
Durchschnittlich sechs Lkw sollen pro Stunde Kies aus Häcklingen abtransportieren. Foto: A

Sorge vor der Lkw-Lawine

us Lüneburg. „Uns als Stadt wäre es auch am liebsten gewesen, wenn das Unternehmen nicht an uns herangetreten wäre.“ Lüneburgs Umweltdezernent Markus Moßmann macht keinen Hehl daraus, dass die Pläne der Otto Dörner Recycling GmbH & Co. KG in der Verwaltung nicht gerade auf Begeisterung stoßen. Die Hamburger Firma plant, in dem Bereich des ehemaligen Kalksandsteinwerks in Häcklingen Kies abzubauen, spätestens Anfang 2015 sollen die Arbeiten beginnen. Jetzt stellte das Unternehmen seine Pläne bei einer gut besuchten Bürgerversammlung im Bonhoeffer-Haus vor.

Drei Millionen Kubikmeter Kies will das Unternehmen in einem Zeitraum von elf Jahren abbauen, 280000 Kubikmeter pro Jahr, „je nach Konjunkturlage können es aber auch acht oder zwanzig Jahre werden“, erläuterte der Geschäftsführer, Dr. Tilmann Quensell. Der Kies sei für Kunden in der Region bestimmt, der Abtransport soll per Lkw erfolgen, durchschnittlich sechs pro Stunde, montags bis freitags täglich zwischen 7 und 18 Uhr, in der Hauptsaison von März bis Oktober eher noch mehr. Zwei Abbauflächen hat das Unternehmen ins Auge gefasst: ein nördliches Areal es grenzt an das stillgelegte und bereits renaturierte Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks am Wohngebiet Langenstücken nördlich der B209 und ein südliches, das sich unterhalb der B209 befindet und östlich an die B4 grenzt.

„Die Frequenz der Lkw wird deutlich höher sein als in früheren Jahren“, sagte Dr. Quensell. Er gab zu verstehen, dass seinem Unternehmen die Sorgen der Anwohner bewusst seien, stellte aber auch unmissverständlich klar: „Abbauen dürfen wir, das ist schon mal Fakt.“ Die Firma hat das Gelände übernommen, auf dem die Heinrich Meyer-Werke aus Breloh ein Kalksandsteinwerk betrieben hatten, und beruft sich auf einen Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2000, in dem die Fläche und die Rahmenbedingungen für den Kiesabbau festgelegt sind.

Festgehalten ist dort auch, dass die Erschließung der Abbaufläche, also die Zuwegung zum Gelände, über die Hauptstraße verläuft, die Häcklingen mit der Uelzener Straße verbindet und die bei Inanspruchnahme der nördlichen Abbaufläche auch wieder zum Tragen kommen soll ein Szenario, das bei den anwesenden Häcklingern im Bonhoeffer-Haus für wenig Begeisterung sorgte. Sie befürchten eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität durch Lärm und Staub und eine starke Behinderung durch den drohenden Lkw-Betrieb.

„Wir haben uns Gedanken gemacht über das, was die Anwohner am meisten stört“, versuchte Quensell die Situation zu entschärfen. Alternativ zur genehmigten Zuwegung stellte er drei Varianten vor, mit denen der Lkw-Verkehr vom Ort möglichst ferngehalten werden soll. So sehen die Varianten 1 und 2 eine Anbindung der südlichen Abbaufläche durch entsprechende Zufahrtswege in Richtung Melbeck mit Zufahrt zur B4 vor, Variante 3 die Nutzung eines bereits vorhandenen Weges, der südlich parallel zur B209 verläuft und im Indus­triegebiet Lüneburg-Süd auf die B209 führt.

Während das Unternehmen die Varianten 1 und 2 wegen des Kindergartens in Melbeck selbst als problematisch bezeichnete und seinen Schwerpunkt auf Variante 3 richtete, führten die Anwohner bei dieser Variante die Nutzung des Weges durch Radfahrer, Spaziergänger und Reiter und den hohen Naherholungswert dieses Weges ins Feld. Umweltdezernent Moßmann machte deutlich, dass sollte es zu dieser Variante kommen der vorhandene Weg für den Lkw-Verkehr hergerichtet und parallel dazu ein zweiter Weg zu schaffen sei, natürlich auf Kosten des Unternehmens.

„Warum wird der Verkehr nicht einfach direkt zur B4 geführt?“, wollte ein Anwohner wissen, und erhielt für diese Überlegung viel Zustimmung der Anwesenden, auch seitens der Firma Otto Dörner. Zwar zeigte sich auch Moßmann angetan, doch er machte deutlich, dass man dafür wohl kaum auf Zustimmung durch die zuständige Straßenbauverwaltung hoffen dürfe: „Hierzu gibt es seitens der Behörde ein eindeutiges Nein.“ Das aber wollten die Häcklinger nicht akzeptieren und regten an, sollte die Behörde nicht einlenken wollen, sich Unterstützung bei der Politik zu holen, „schließlich haben wir doch drei Bundestagsabgeordnete hier in Lüneburg“, lautete eine Stimme aus dem Publikum.

Moßmann erklärte, er werde auf die Behörde zugehen und Punkte klären, die an dem Abend kritisch angemerkt wurden. So wollte Dr. Hans Christian Bock wissen, ob der Planfeststellungsbeschluss überhaupt noch gültig sei. „Gemäß dem Verwaltungsverfahrensgesetz verliert ein solcher Beschluss seine Gültigkeit, wenn nicht innerhalb von fünf Jahren mit der Nutzung des Geländes begonnen worden ist.“ Weiterer Knackpunkt: Die Firma Otto Dörner will auf dem Gelände Schaufelradbagger einsetzen, bislang sind aber laut Genehmigung nur Transportbänder vorgesehen. Die Stadt kündigte an, die Punkte zu klären.

Quensell machte deutlich, dass er mit jeder Lösung leben könne. Sollte es aber zu keiner der von ihm vorgeschlagenen Varianten oder der B4-Lösung kommen, „werden wir den bisher genehmigten Weg nutzen“ aus Sicht der Häcklinger die denkbar schlechteste Lösung. Sie hoffen nun auf Unterstützung durch die Bundespolitik.