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Der Arbeitskreis Wissenschaft und Kultur der CDU-Landtagsfraktion um Jörg Hillmer (l.) lässt sich von Uni-Präsident Sascha Spoun (2.v.l.) die Baustelle erklären, auf der das neue Zentralgebäude entsteht. Foto: t&w
Der Arbeitskreis Wissenschaft und Kultur der CDU-Landtagsfraktion um Jörg Hillmer (l.) lässt sich von Uni-Präsident Sascha Spoun (2.v.l.) die Baustelle erklären, auf der das neue Zentralgebäude entsteht. Foto: t&w

Stadt und Kreis gefordert

mm Lüneburg. Weitere 15 Millionen Euro könnten von der Uni nicht abgepuffert werden. Das hat der stellvertretende Fraktionschef der CDU im Landtag, Jörg Hillmer, gestern am Rande einer Besichtigung der Leuphana-Großbaustelle vom Uni-Präsidium erfahren. Hintergrund ist der jüngste Prüfbericht der Oberfinanzdirektion mit den prognostizierten möglichen Mehrkosten beim Bau des neuen Zentralgebäudes.

„Im Landtag gibt es derzeit laufend Unterrichtungen zum Bauprojekt“, verdeutlicht Hillmer. Es sei notwendig gewesen, dass sich der Arbeitskreis Wissenschaft und Kultur der CDU-Landtagsfraktion selbst ein Bild vor Ort machen konnte. Dem Arbeitskreis gehören sechs Mitglieder an. Hillmer selbst war als Vertreter des Wahlkreises Uelzen, zu dem die Samtgemeinde Ilmenau gehört, nicht zum ersten Mal auf der Baustelle. Zum Baufortschritt könne er als Laie kein Urteil abgeben, sicher sei aber: „Es dürfen keine weiteren Risiken entstehen.“ Auch weil für die Sicherstellung der Finanzierung über EU-Mittel bis Ende 2015 ein bestimmtes Bauvolumen erreicht sein müsse.

Für den Politiker stellt sich nun die Frage, wie die neuen Mehrkosten gedeckelt werden können. Im Haushaltsausschuss habe es aus Reihen der SPD-Fraktion geheißen: „Für die Leuphana wird es keinen weiteren Euro geben.“ Derzeit beteiligt sich das Land mit 21 Millionen Euro am Bau. In einer Vorlage des Wissenschaftsministeriums seien die Mehrkosten als „sehr wahrscheinlich“ eingestuft worden. Doch wer soll sie tragen? Die Uni selbst sieht keinen Puffer mehr, die Landesregierung wird nicht nachschießen, „da kommt was auf Stadt und Landkreis zu“, vermutet Hillmer. Ministeriums- oder Hochschulverantwortliche würden bald das Gespräch suchen.

Wie berichtet, plant Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (SPD) ein professionelles Projektmanagement an der Leuphana einzusetzen, den Vorstoß unterstützt Hillmer. „Ich erwarte von den Verantwortlichen im Ministerium, dass sie von der Zuschauerbühne herunterkommen und die Sache selbst in die Hand nehmen.“ Ein Eingreifen seitens des Ministeriums sei erforderlich, „um zu gewährleisten, dass Mehrkosten von 15 Millionen Euro nicht entstehen.“ Stand der Dinge ist: Das Ministerium beauftragt die Universität, ein externes Projektmanagement einzusetzen. Hillmer fordert nicht nur eine Kontrolle durch externe Fachleute, sondern mehr Eigeninitiative vom Ministerium. Durch das Staatliche Baumanagement Niedersachsen (SBN) und Oberfinanzdirektion verfüge das Land über genügend eigene Kompetenzen, solch ein Projektmanagement auf die Beine zu stellen, die sollten nun abgerufen werden.

Für Hillmer ist es an der Zeit zu handeln, deshalb begrüße er den Vorstoß der Landesregierung, sich nach „einem Jahr Hängepartie“ nun hinter dem Bauprojekt an der Leuphana zu positionieren. „Die Leuphana hat ein Gesicht, es wäre schade, wenn das wissenschaftliche Renommee der Hochschule durch den Bau in Frage gestellt wird.“ In Frage stellt derzeit der Landesrechnungshof die Wirtschaftlichkeit des Bauprojektes, mit dem Abschluss der Betrachtung könne in den nächsten Wochen gerechnet werden, sagt Hillmer.

10 Kommentare

  1. .. es ist schon sehr erstaunlich , daß sich „Nichtfachleute“ aus der Politik von Wissenschaft und Kultur über Baukosten und Projektsteuerung auslassen.
    Das Projekt ist bezüglich Baukosten nicht mehr zu retten und auch ein evtl. hinzugerufener Projektleiter/Steuerer kann nicht mehr eingreifen !
    grüße

  2. „To big to fail“? Der Libeskind-Audimax ein „systemischer“ Prachtbau? Das Pharaonenwerk scheint den „Point of no return“ überschritten zu haben. Und es ist anscheinend wie bei der Euro-„Rettung“: Sollen jetzt unbegrenzte Mittel in ein Fass ohne erkennbaren Boden versenkt werden? Mitleid mit den Steuerzahler hat wohl keiner der feinen Herren, die gerne im Bilde sind. Übrigens, wo bleibt der Herr Oberbürgermeister Mädge?

  3. Herr Hillmer hat gut reden. Waren es nicht CDU und FDP, die uns in ihrer Regierungszeit die Ilmenau-Philharmonie eingebrockt haben? Lieber Herr Hillmer, wir haben ihre Fraktion (wie die gesamte Öffentlichkeit) doch wieder und wieder auf die Kostenrisiken hingewiesen – aber da war das alles noch unbelegte Behauptung und ohne Grundlage… Jetzt kommt es wohl schlimmer, als sogar wir Studierenden erwartet haben.

    Ich hätte da einen Vorschlag: Vielleicht möchten CDU, FDP und alle anderen so weitsichtigen Entscheider einmal ihre privaten Brieftaschen öffnen und großzügig spenden. Und fragen Sie doch einmal ihre Parteikollegin Frau Wanka, unsere ehemalige Wissenschaftsministerin. Sie kann bei Frau Merkel ja mal ein gutes Wort einlegen – auch die Kanzlerin fand das alles hier ja ganz toll und vorbildlich.

  4. Leuphanatiker wundervoll

    Ein göttliches Bild, das die LZ-Redaktion hier über ihre Jörg-Hillmer-Eloge gesetzt hat. Wie immer bei scheinbaren Gefälligkeitsartikeln in unserer liebenswerten illustrierten Gartenlaube für die ganze Familie ist darin mit diebischer Freude ein satirisches Element als Blitzableiter untergebracht, an dem entlang die gewaltsam zurückgestauten Unmutsenergien des berufsbedingt erbötigen Verfassers sich in einem funkensprühenden Lichtbogen aus parfümierten Satzwolken hervor ins Bewusstsein des aufmerksamen Lesers entladen.

    Da nimmt der selbständige Landwirt und stellvertretende Fraktionschef der CDU im Landtag, Hillmer, konzentrierte Besichtigungshaltung an, eingespannt in sein viel zu eng gekauftes erdfarbenes, an den Armen aber leider eindeutig zu lang gehaltenes Glencheck Sakko mit blauem Überkaro auf Multicolorfischgrat-Grund und schaut unter seinem weißen Industrieschutzhelm aus harten Plastikwerkstoffen nach Norm EN 397 mit entschlossen zu kennerschaftlichem Ernst geschnittener Miene auf Beton-Armierungen, als würde er in Gedankenschnelle die Zug- und Druckresistenz des Bewehrungsstahls mit den humanitätsgeschichtlichen Notwendigkeiten der von diesem eingefassten Baustoffe ins Verhältnis setzen. Wohl bewusst scheint dem Helden der Begutachtung dabei, dass das gedämpfte Apricot seiner Krawatte auf himmelblauem Popeline-Hemd in Kombination mit dem Terrakotta-Kolorit von Chino-Hose und Jackett einen „mediterranen“ Stil betont, um belebend sowohl wie optimistisch zu wirken. Der Betrachter meint förmlich die Worte von Hillmers Suderburger Farbberater noch zu vernehmen, der ihm die textile Zusammenstellung in ihren Tönungen für den unerlässlichen Ausflug nach Lüneburg anempfohlen hat, weil sie für Erfrischung, Fröhlichkeit und Jugend gesetzt werde, aber auch gebändigte Lebensfreude und Reife signalisiere. Orange gelte in der Psychologie als stimmungsaufhellend, stimulierend und werde mit Lust verbunden und stehe zugleich für Kommunikationsbereitschaft und den Wunsch nach Einheit.

    Präsentationstechnisch einwandfrei hebt sich die Erscheinung des kernigen Vertreters aus dem Wahlkreis Uelzen, der seiner Ministerin schon einmal öffentlichkeitswirksam vormacht, was es heißen kann, „von der Zuschauerbühne herunterzukommen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen”, vom Ensemble der Nebenfiguren ab, unter denen ein serviler Lockenkopf in schwarzer Wolle sich von einem nachdenklich bramarbasierenden, aber aufnahme- und darstellungsgerecht gestikulierenden Kompetenzzentrum in dunkelblauer Wetterjacke – vermutlich auf Italienisch – erläutern lässt, wo „weitere 15 Millionen Euro von der Uni“ ‚eventualmente‘ könnten „hineingepuffert“ werden.

    Der eigentliche Höhepunkt der fotografischen Komposition ist jedoch unbedingt – und unzweideutig auch so gewollt – der lustige Brillenträger in hellbeiger Schimanski-Verkleidung am rechten Bildrand. Er repräsentiert uns alle, die wir unfreiwillig auf diese pressegerechte „Ortsbegehung“ der ahnungslosen Seriositätsmimen mitgenötigt wurden, ungläubig dem Gequassel der Herren vom „Arbeitskreis für Wissenschaft und Kultur der CDU-Landtagsfraktion um Jörg Hillmer“ lauschen und in äußerster Willensanstrengung versuchen, unsere Gesichtsmuskulatur peinlich unter Kontrolle zu halten, um ob der sinnlosen Idiotie der ganzen Schauveranstaltung ja nicht die Fassung zu verlieren, unversehens in berstendes Gelächter der reinen Verzweiflung auszubrechen und uns auf dem feuchten Zement des byzantinischen Millionengrabes in statu nascendi hin und her zu wälzen.

    • Sehr gelungene Bildbeschreibung und sehr gelungene Entlarvung der Leadership-Poseure! Gratulation und danke für die meisterhaft komische Darstellung! Ich habe Tränen gelacht und bin immer wieder erstaunt, was unsere gute alte LZ so alles zu bieten hat, wenn man nur genau genug hinsieht.

    • Ich kann Frau Heinen nur zustimmen. Für das Anfertigen und Auswählen dieser grandiosen Demaskierungsaufnahme über dem Artikel gebührt dem Fotografen und dem Bildredakteur der LZ genauso Lob wie dem scharfzüngigen Interpreten, der unter der Überschrift „Leuphanatiker wundervoll“ eine erstklassige Bild- und Tatsachenanalyse geliefert hat.

      Was macht man nur mit den dargestellten Blödverkäufern, die uns diese Megapleite weiterhin als Chance andienen wollen?

  5. Haben Stadt und Landkreis Lüneburg nicht mit der CDU/FDP Regierung 2012 einen Entschuldungsvertrag geschlossen, der u.a. ausgeglichene Haushalte ab 2012 beinhaltet? Nun gut, kann Herr Hillmer als Mitglied im Wirtschaftsausschuss und Stellvertreter im Haushaltsausschuss natürlich nicht wissen.

  6. „Weitere 15 Millionen Euro könnten von der Uni nicht abgepuffert werden. Das hat der stellvertretende Fraktionschef der CDU im Landtag, Jörg Hillmer, gestern am Rande einer Besichtigung der Leuphana-Großbaustelle vom Uni-Präsidium erfahren.“

    Weitere 15 Millionen Euro kann die Uni nicht „abpudern“?

    Wer „puffert“ die 67, 7 Euro Millionen „ab“, die „Finanzierungslücke“ zwischen den 57,7 Millionen, die „bewilligt“ waren, und den EINHUNDERTFÜNFUNDZWANZIG Millionen Euro, die momentan – und auch das nur vorläufig – benötigt werden?

    „In einer Vorlage des Wissenschaftsministeriums seien die Mehrkosten als “sehr wahrscheinlich” eingestuft worden. Doch wer soll sie tragen?“

    “Da kommt was auf Stadt und Landkreis zu”, vermutet Hillmer.

    Da kommt was auf Oberbürgermeister Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt zu, vermute ich.

    Am 25. Mai 2014 ist Wahltag.

    Und da kommt etwas auf unsere Geldbeutel zu, vermutet mancher in „der großen selbständigen Hansestadt Lüneburg, den weiteren drei Einheitsgemeinden und den sieben Samtgemeinden, die aus insgesamt 39 Gemeinden bestehen“.

    Jeder Tag ab dem 25. Mai 2014 ist Zahltag.

  7. Was steht in der Zeitung, wenn sich zwei Landesregierungen von zwei abgefeimten Tricksern jahrelang hinhalten und über den Tisch ziehen ließen, dann volle zwölf Monate untätig auf das Weiterwachsen von deren Geldvernichtemonstrum starrten und nun zusammen mit Stadt und Landkreis in der hundert-Millionen-Falle sitzen und Katastrophenmanagement betreiben müssen?

    Man liest von rechthaberischem, gegenseitigem Schuldzuweisungsgetöse, davon dass man nach sieben Jahren Planungs- und eineinhalb Jahren Bauzeit nun endlich „zügig einen Finanzierungsplan“ brauche, dass “ belastbare Zahlen die Basis für weitere Planungen“ seien, dass „um EU-Gelder zu sichern, (…) erstmals ein realistischer Zeitplan vorgelegt worden“ sei, dass es „zudem (…) eine externe Projektsteuerung geben“ werde und dass es gelte „einen Imageschaden durch die undurchschaubare Bau-Finanzierung abzuwenden“.

    Man liest also Bekenntnisse einer unvorstellbaren Schlamperei, die jeden privaten Bauherrn, der sich Gleiches geleistet hätte, auf geradem Weg ins Gefängnis führen würden, und bezeichnet das Resultat dieses gemeinschaftlichen Versagens als „potentiellen Imageschaden“.

    Was man nicht liest, ist, dass ein Unersuchungsausschuss eingesetzt wird, der die Verantwortlichkeiten des tatsächlich steuergeldverschwendenden Schadensfalls akribisch aufklärt.

    Den Wortlaut der sogenannten „Debatte“ um das Leuphana-Fiasko im Niedersächsischen Landtag von heute Vormittag findet man hier: http://webplayer.verbavoice.tv/webplayer/lt_ni/Main.html

    Eine knappe Zusammenfassung der Deutschen Presseagentur brachte das Hamburger Abendblatt:

    „Parlamentarier streiten über Mehrkosten für Uni-Neubau

    Hannover. Der umstrittene Bau des Zentralgebäudes der Lüneburger Leuphana-Uni sorgt weiter für Streit zwischen der Opposition und der Landesregierung in Niedersachsen. „Über Jahre hat die schwarz-gelbe Landesregierung in Lüneburg eine Suppe eingebrockt, die Rot-Grün jetzt auslöffeln muss“, sagte der grüne Abgeordnete Ottmar von Holtz am Mittwoch im Landtag in Hannover. Alle Einsparpotenziale müssten nun genutzt werden, um von einer hervorragenden Universität einen Imageschaden durch die undurchschaubare Bau-Finanzierung abzuwenden.

    Das vom Stararchitekten Daniel Libeskind entworfene Zentralgebäude könnte noch einmal um Millionen Euro teurer werden, als bisher angenommen.
    (…)
    Der FDP-Abgeordnete Christian Grascha betonte, es gehe nicht darum, mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen, sondern darum, schnell Transparenz zu . „Wir brauchen zügig einen Finanzierungsplan“, sagte er.

    Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) betonte, belastbare Zahlen seien die Basis für weitere Planungen: „Über jeden Cent muss öffentlich Rechenschaft abgelegt werden“. Um EU-Gelder zu sichern, sei erstmals ein realistischer Zeitplan vorgelegt worden. Zudem werde es eine externe Projektsteuerung geben. (dpa)“

    Hamburger Abendblatt, 26.02.14, 12:11

    Link: http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article125215957/Parlamentarier-streiten-ueber-Mehrkosten-fuer-Uni-Neubau.html

  8. Letzte Ausfahrt Vatikan

    Papst Franziskus will Limburger Bischof absetzen

    Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-02/papst-franziskus-tebartz-van-elst-absetzung

    Man kann nur hoffen, dass er sich anschließend mit gleicher Entschlossenheit dem Gespann Holm Keller und Sascha Spoun im Präsidium der Leuphana zuwendet.