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Jugendbuchautor Andreas Schlüter war den Schülern des Johanneums zum Greifen nah. Er las aus seinem Buch Dangerous Deal. Foto: t&w
Jugendbuchautor Andreas Schlüter war den Schülern des Johanneums zum Greifen nah. Er las aus seinem Buch Dangerous Deal. Foto: t&w

Extreme in der Leserschaft

mm Lüneburg. „Die Extreme sind größer geworden“, sagt Autor Andreas Schlüter. Es gäbe nicht erst seit den Harry-Potter-Bänden heute mehr Vielleser. „Früher sollten Bücher nicht dicker als 200 Seiten sein, heute gibt es Fantasy-Romane mit mehr als 700“, skizziert der Kinder- und Jugendbuchautor. Es vergrößere sich aber auch die Schar an Nichtlesern. Junge, männliche Leseverweigerer seien bei Lesungen an Hauptschulen häufig seine Klientel. Am Johanneum sollen die Schüler zum Lesen animiert werden, für Leseförderung und Vergrößerung der Schulbibliothek warb der Förderkreis bei den Kunden der Lüneburger Sparkasse um Spenden. Das kam an. Die Förderinitiative „Das tut gut!“ stellte dafür 10000 Euro bereit. Schlüter kam gestern zum Auftakt einer Reihe von Autorenlesungen des Lüneburger Gymnasiums, im Gepäck hatte er seinen Krimi „Dangerous Deal“.

Für seine beiden Lesungen mit Acht- und Neuntklässlern in der Schulaula nahm sich der Hamburger Autor, der auch Drehbücher für TV-Krimis schreibt, jeweils eine Stunde Zeit. Gespannt lauschten die Schüler den Textauszügen. In dem Buch geht es um einen 17-Jährigen, dem nach dem Verkehrstod seines Nachbarn eine CD mit brisanten Daten in die Hände fällt Steuerdaten. Man bietet ihm eine Million Euro, doch Christoph lehnt ab, will selbst herausfinden, wer hinter den Daten gesteckt. Der potenzielle Käufer, ein Sparkassenmitarbeiter, der im Auftrag des BND handelt, wird auch erschossen. Der Geheimniswahrer versteckt sich und gerät selbst in Gefahr. Die Story kommt an. Das freut Schlüter, der Autor von mehr als 65 Büchern schätzt den direkten Kontakt zu seiner jungen Leserschaft, „Kinder haben weniger Höflichkeitsfloskeln, sagen direkt, was sie denken“.

Auch Schulleiter Friedrich Suhr preist den direkten Kontakt zu den Autoren: „Das motiviert unsere Schüler, selbst ein Buch in die Hand zu nehmen.“ Sie erführen zudem etwas über deren Lebenswirklichkeit und was sich die Autoren gedacht haben. „Die Ansprache von Jungs ist am schwierigsten, sie brauchen männliche Identifikationsfiguren“, sagt Friedrich Suhr. Die finden die Schüler bald noch mehr in der Schulbibliothek, denn das Angebot an Lesestoff soll noch erweitert werden. Und auch die Reihe an Vorlesungen geht weiter.

Als Nächster ist am 31. März der Lüneburger Schriftsteller Renatus Deckert am Johanneum zu Gast, er liest für die zehnten und elften Klassen aus seinem Werk „Die Nacht, in der die Mauer fiel“. Darin vereint er Erzählungen von 25 bekannten deutschsprachigen Schriftstellern über ihr Erleben des Mauerfalls am 9. November 1989. Weiter bemüht sich das Kollegium um einen Autor für die fünften und sechsten Klassen, steht dazu auch schon im Kontakt mit einer Lüneburger Buchhandlung.