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Kutscher Jens Bußmann will in die Saison starten. Wenn alles läuft wie geplant, möchte er sogar im Winter Touren anbieten: Die weihnachtlichen Giebel im Licht wären eine schöne Kulisse für Ausfahrten. Foto: t&w
Kutscher Jens Bußmann will in die Saison starten. Wenn alles läuft wie geplant, möchte er sogar im Winter Touren anbieten: Die weihnachtlichen Giebel im Licht wären eine schöne Kulisse für Ausfahrten. Foto: t&w

Kutscher testet Tour mit ,,Mädels“ + + + Mit LZplay-Video

ca Lüneburg. Die Äbtissin kommt zur Begrüßung in den Innenhof des Lüner Klosters. Reinhild von der Goltz hat das romantische Klappern der Hufe auf dem Pflaster gehört. Das uralte Gemäuer soll eines der Ziele von Jens Bußmann werden. Wenn alles gut läuft, will er Mitte März seinen Kutschenbetrieb aufnehmen. Das Kloster ist ein attraktiver Halt: Seine Gäste könnten im Café auf Kaffee und Kuchen einkehren, die beiden holländischen Friesenstuten Zara und Weitzke würden derweil eine Verschnaufpause einlegen. Äbtissin und Kutscher schütteln sich die Hände, sie sind sich einig: Ein paar Details gilt es noch zu klären, auch mit der Stadt.

Denn im Rathaus steht man den Plänen des 42-Jährigen zwar positiv gegenüber, doch noch hat er keine Genehmigung für seinen Betrieb. Wie berichtet, will Bußmann neben den bestehenden Kutschfahrten von Andreas Gensch ebenfalls mit Pferd und Wagen aufbrechen. In seinen postgelben Wagen ,,passt eine Fußballmannschaft, und wenn er nicht zu breit ist, noch ein Ersatzmann“, sagt Bußmann und lacht. Er möchte drei Linien anbieten, sie sollen ins Wasserviertel, zum Sand und in die Altstadt rund um Michaelis führen. Ob er alle drei Routen täglich fahren kann, ist noch nicht klar: „Das müssen wir mit dem Tierschutz klären.“ Denn überanstrengen will er seine beiden Stuten nicht. Beginnen sollen die Ausfahrten morgens um 10 Uhr, gegen 16, 17 Uhr will er zurück zum Stall.

Die Pferde sind Anstrengungen gewohnt. Die zehn und elf Jahre alten „Mädels“ kommen aus Wernigerode der Harz mit seinen Steigungen fordert den Zugtieren mehr ab, als die paar Meter Höhenunterschied zwischen Auf dem Meere und dem Rathaus.

Derzeit üben Pferde und Kutscher. Bußmann war zuvor auf dem weitgehend autofreien Eiland Juist unterwegs. Der „Liebe wegen“ kam er an die Ilmenau und baut sich eine neue Existenz auf. „Hier zu fahren, ist natürlich anders als auf der Insel“, sagt er. Der Autoverkehr nimmt nicht immer Rücksicht auf das 1,80 Meter breite zuckelnde Gefährt, das so teuer ist wie ein Mittelklassewagen. Auf der Tour zum Kloster überholt mancher Fahrer auf der Erbstorfer Landstraße rasant und knapp. Doch daran sind Mensch und Tier inzwischen gewöhnt.

Bußmann sitzt rechts wie in einem englischen Auto, um die Kutsche zu lenken. Das sei seit napoleonischer Zeit so, erklärt er. Die Zügel hält er links. Warum, das erklärt er mit einem Lächeln: „Da hatte der Kutscher die rechte Hand frei, um mit dem Zylinder oder der Melone zu grüßen.“

Die gemächliche Fahrt endet an einem Stall in der Nähe des Klosters. Dort stehen die Tiere auf einer Weide, idyllische Ruhe im Vergleich zum Sound der Stadt. Kraftfutter, Heu, frisches Gras, es scheint den beiden Damen zu gefallen. Bald sehen sie noch schmucker aus, sie verlieren ihr Winterfell. In neuem Kleid will das Duo mit Bußmann in den Frühling starten.

LZplay-VIDEO

Screenshotkutsche

2 Kommentare

  1. Meine Freundin aus Lüneburg machte mich auf diesen Artikel und auf das Video im Internet aufmerksam, denn genau wie sie bin ich leidenschaftliche Fahrerin, im Besitz des deutschen Fahrabzeichens und Tierpsychologin mit Schwerpunkt Pferd.

    Und da ich sehr oft in Lüneburg bin und dort auch schon ein paar Jahre meines Lebens verbracht habe, kenne ich die Kaltblutgespanne von Herrn Gensch sehr gut und habe sie in bester Erinnerung. Ruhige und entspannte Pferde, fachmännisch angespannt.
    Kutschen, in die man gerne einsteigt!

    Dieses Friesengespann samt Kutscher erweckt in mir aber eher einen unprofessionellen und unsicheren Eindruck!

    Schon das Anspannen gestaltet sich im Video schwierig, wurde lieber ausgeblendet. Die Pferde stehen viel zu stark im Zug, die Deichsel ist zu lang, ein Aufhalter ist verdreht und selbst gebastelte Schoner zieren mit Hilfe von Kabelbindern das Brustblatt!

    Während der gesamten Fahrt sieht keines der Pferde entspannt aus.
    Kann er dieses Gespann wirklich sicher durch die Stadt bringen? Durch enge Strassen, in denen er dicht an dicht von Stadtbussen überholt wird und Autofahrer rücksichtslos vorbeirasen und hupen, wenn es mal nicht weitergeht!
    Doch zugegeben, aus solch offenem Wagen kann man leichter abspringen, auch bei schlechtem Wetter!

    Und zu guter letzt bezweifle ich die Ausbildung des Kutschers. Er spricht von Zügeln, statt von einer Leine und er weiß offensichtlich nicht, warum er auf der rechten Seite sitzt!
    Die Stadtgeschichte will er sich anlesen, wobei die anderen Kutscher eine Stadtführerausbildung nachweisen können!

    Stellt sich hier wirklich noch die Frage, für welche Kutsche man sich entscheiden sollte?

    Katharina Thiel
    Fehmarn

  2. Ich kann Frau Thiel nur beipflichten. Ich bin vorhin gerade dem Gespann im Meisterweg begegnet. Die Pferde wirkten äußerst angespannt, weil ihnen ein wartender Kleintransporter, der in den Meisterweg einbiegen wollte, wohl nicht geheuer vorkam. Beide Pferde waren hochaufgerichtet und machten einen nervösen Eindruck mit leichtem Zug Richtung Gegenfahrbahn, also auf meine Seite zu. Sie ließen den Transporter nicht aus den Augen und ich hatte den Eindruck, dass sie jeden Moment zur Seite ausbrechen könnten um die Flucht zu ergreifen.

    Ich hielt nahezu an und ließ das Gespann erst einmal passieren. Aber in der Innenstadt als Fußgänger wäre mir da schon mulmig.