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Egal, ob sie nachts ausrücken oder am Tag, die Feuerwehrleute bekommen für ihren Einsatz kein Geld. Bislang gibt es lediglich für Funktionsträger eine geringe Aufwandsentschädigung. Künftig soll jeder, der regelmäßig an den Übungen und Einsätzen teilnimmt, 100 Euro im Jahr erhalten. Foto: A/t&w
Egal, ob sie nachts ausrücken oder am Tag, die Feuerwehrleute bekommen für ihren Einsatz kein Geld. Bislang gibt es lediglich für Funktionsträger eine geringe Aufwandsentschädigung. Künftig soll jeder, der regelmäßig an den Übungen und Einsätzen teilnimmt, 100 Euro im Jahr erhalten. Foto: A/t&w

100 Euro für jeden Feuerwehrmann

ahe Lüneburg. Wie eminent wichtig sie sind, haben sie nicht zuletzt beim Brand des Lö­secke-Hauses Anfang Dezember bewiesen. Ohne den schnellen und engagierten Einsatz der Lüneburger Feuerwehrmänner und -frauen wäre das Ausmaß der Katatstrophe am Stint noch deutlich größer gewesen. Geld bekommen die Helfer für solche Einsätze nicht, allein Funktionsträger erhalten bislang eine geringe Aufwandsentschädigung. Nun soll sich das ändern: Die Stadt möchte jedes aktive Mitglied der Lüneburger Feuerwehr als Zeichen der Anerkennung jährlich mit 100 Euro belohnen. Am 4. März steht das Thema auf der Sitzung des Feuerwehrausschusses, anschließend müssten Verwaltungsausschuss und Rat der neuen Regelung noch zustimmen.

Rund 500 Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Lüneburg aktuell, von der Kinderfeuerwehr bis zur Altersabteilung reicht die Spanne. 239 von ihnen sind im aktiven Dienst, das heißt: Sie löschen, wenn es brennt, schneiden Unfallopfer aus Fahrzeugwracks, befreien Menschen aus steckengebliebenen Fahrstühlen, binden ausgelaufenes Öl auf der Ilmenau ab. Diejenigen, die eine Funktion haben, sei es als Stadtbrandmeister, Löschzugführer oder Jugendfeuerwehrwart, bekommen auch bisher schon eine kleine Aufwandsentschädigung, die Spritkosten, Büromaterial und Auslagen für Telefonate abdecken soll. Der „einfache Feuerwehrmann“ geht bislang komplett leer aus, zahlt quasi sogar den Kraftstoff für die Fahrt von zu Hause zur Wache im Brandfall aus eigener Tasche.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir die Freiwillige Feuerwehr haben, mit relativ konstanten Mitgliederzahlen. Und wir haben uns gefragt, wie wir die Einsatzbereitschaft und Motivation erhalten können“, sagt Markus Moßmann, Dezernent für Sicherheit der Stadtverwaltung: „Seit 2003 hat es keine Erhöhung der Aufwandsentschädigung gegeben. Dass wir seit 2013 auch den Kinderfeuerwehrwarten einen kleinen Beitrag zahlen, war die einzige Veränderung.“ In einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Feuerwehr wurde über das Thema diskutiert. Das Ergebnis mündet nun in einen Vorschlag, über den als Erstes der Feuerwehrausschuss des Rates entscheiden soll.

Danach soll es keine Entlohnung nach Zahl oder Dauer der Einsätze geben, wie es zum Beispiel ein Ratsantrag der Piraten im Jahr 2012 angeregt hatte, sondern wegen des deutlich geringeren Verwaltungsaufwandes eine Pauschale. 100 Euro pro Jahr für jeden aktiven Feuerwehrmann und jede aktive Feuerwehrfrau, dazu eine leichte Erhöhung für die Funktionsträger, die zwischen 2 und 59 Euro mehr als bisher bekommen sollen. Bedingung ist die Teilnahme an mindestens der Hälfte aller Dienste in den Ortswehren. Rund 20 solcher Abende gibt es übers Jahr, hinzu kommen Sonderübungen wie Fahrtraining und natürlich die Einsätze selbst. Nicht viel Geld angesichts des Aufwandes, doch Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft, der als oberster Feuerwehrmann der Stadt mit 420 Euro pro Jahr noch am meisten bekäme, glaubt: „Für manchen in der Feuerwehr ist das sicherlich ein kleiner Anreiz.“

Es soll vor allem auch ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung sein, das die Stadt in Richtung ihrer ehrenamtlichen Brandbekämpfer senden möchte, und das sie sich 38000 Euro zusätzlich kosten lassen will. Künftig regelt auch eine eigene Satzung die Entlohnung der Feuerwehrkräfte, bisher gibt es ein Regelwerk für alle, das zum Beispiel auch die Aufwandsentschädigung der Ratsmitglieder und des Plattdeutschbeauftragten beinhaltet.

Zwar zwingt der Entschuldungsvertrag mit dem Land die Stadt zum Sparen, doch Moßmann geht davon aus, die Mehrkosten an anderer Stelle wieder reinzubekommen. „Wir rechnen mit höheren Einnahmen aus der Feuerschutzsteuer und schauen bei Einsätzen, die nicht per se kostenfrei sind, weil Leib und Leben in Gefahr sind, genauer hin.“ Gemeint sind zum Beispiel Fälle, wenn eine defekte Brandmeldeanlage Alarm auslöst. Dann schreibt die Stadt im Anschluss eine Rechnung an den Eigentümer. Moßmann: „Wir gehen davon aus, dass sich Ausgaben und Einnahmen am Ende annähernd ausgleichen.“