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Der Bau des Zentralgebäudes schreitet langsamer voran als geplant  und wird immer teurer. Wer daran eine Mitschuld trägt, darüber herrschen in der Landespolitik unterschiedliche Meinungen. Foto: t&w
Der Bau des Zentralgebäudes schreitet langsamer voran als geplant  und wird immer teurer. Wer daran eine Mitschuld trägt, darüber herrschen in der Landespolitik unterschiedliche Meinungen. Foto: t&w

Schuld haben immer die Anderen

pm Hannover/Lüneburg. Risiken minimieren, Kosten vermeiden, Einsparungen durchsetzen: Mit diesen Vorgaben will Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) den Libeskind-Bau an der Lüneburger Universität vorantreiben. „Schönreden und Schönrechnen helfen nicht weiter“, sagte die Ministerin gestern im Landtag.

Die Grünen hatten eine Aktuelle Stunde zu dem umstrittenen Projekt unter dem Motto „Rot-Grün muss schwarz-gelbe Suppe auslöffeln“ angemeldet. Die Koalition möchte schließlich nicht für die Kostenexplosion beim Zentralgebäude der Leuphana haftbar gemacht werden. 57,7 Millionen Euro sollte der futuristische Bau ursprünglich mal kosten. Inzwischen geht die Oberfinanzdirektion Niedersachsen von 91,1 Millionen Euro aus und nennt als schlimmsten Fall sogar eine Gesamtsumme von 125 Millionen Euro.

CDU-Wissenschaftsexperte Jörg Hillmer und FDP-Parlamentsgeschäftsführer Christian Grascha warfen der Wissenschaftsministerin Verzögerung und mangelnde Entscheidungsfreude vor. „Das Schiff treibt führungslos in der See, und Sie wissen nicht, ob Sie dafür oder dagegen sein sollen“, schimpfte Hillmer. Mit Prüfaufträgen an die Oberfinanzdirektion und den Landesrechnungshof erkaufe sich Gabriele Heinen-Kljajic lediglich Zeit. Zeit, die wegen des Verfalldatums der EU-Fördermittel nicht beliebig verfügbar sei. „Es darf kein zusätzlicher Cent Landesmittel in diesen Bau fließen“, forderte Grascha.

SPD, Grüne und die Ministerin machten deren CDU-Vorgänger Lutz Stratmann und Johanna Wanka für das Finanzdesaster verantwortlich. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe alle Warnungen in den Wind geschlagen, die Kontrolle vernachlässigt und so den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus dem Prestige-Projekt verpasst. „Dieser Umgang mit Steuermitteln war grob fahrlässig“, erklärte Gabriele Heinen-Kljajic.

Die Ministerin kündigte an, dem Haushaltsausschuss „in Kürze“ eine Nachtragsbauunterlage, einen Finanzplan und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorlegen zu wollen. Mit dieser Rechnung, die in zwei bis vier Wochen erwartet wird, sollen mögliche Alternativen wie Abriss und Errichtung eines billigeren Zweckbaus geprüft werden. Es gilt inzwischen aber als ausgemacht, dass das Ministerium an dem Libeskind-Gebäude festhalten will. Ein Baustopp käme mindestens genauso teuer, heißt es in Hannover. Schließlich müssten nicht nur die laufenden Verträge finanziell erfüllt und ein neues Gebäude bezahlt werden; auch die EU-Mittel würden dann wohl wegfallen.

15 Kommentare

  1. Es wird Zeit, dass die Farce um den Blaumilch Bau endlich beendet wird.

    • gerhard wessel

      der Experte von der Wittenberger Bahn hätte jetzt Zeit für Uni & Rathaus-Besuche

  2. „Es gilt inzwischen aber als ausgemacht, dass das Ministerium an dem Libeskind-Gebäude festhalten will.“. Dann werden die Herren Spoun, Holm-Keller und wer sonst noch involviert ist wohl doch ihre liebes Kind bekommen. Von Spielzeug will ich nicht sprechen. Gespannt bin ich nur wer die Folgekosten finanziert. Irgendwann ist kein Geld mehr für die Beheizung da und ähnliches. Zum Beispiel Reparatur- und Instandhaltungskosten. Das kennen wir von vielen Mietblöcken schon, die dann irgendwann verfallen und unbewohnbar werden. Aber was erwarte ich. Das hieße ja vorausschauend denken. Darf man das von „Politikern“ erwarten?
    Ich bin gespannt auf die euphorischen Berichterstattungen in der LZ über das Richtfest und die Einweihung des Baus. Viele strahlende Gesichter, Lobeshymnen, gegenseitiges symbolisches Schulterklopfen und alles was vorher war scheint vergessen. Nur hat der Bau bis dahin dann doch 150 oder vielleicht 200 Millionen gekostet. Warten wir’s ab.

  3. Und das Tolle ….. es werden KEINE personellen Konsequenzen daraus erfolgen !! Alle werden „normal“ weiter machen. Ich würde mich in Grund und Boden schämen als Verantwortlicher. Und meinen Job an den Nagel hängen. Aber NEIN ….. es wird weitergemacht als wenn nichts gewesen wäre. Was für ein „dickes Fell“ müssen die Verantwortlichen haben. SCHANDE !!

  4. Und die Uni Lüneburg wird weiter zum Gespött der Leute:

    „Die voraussichtlichen Kosten für den Anbau bezifferte Architekt Tönjes auf 115000 Euro. “Und wie hoch ist der Libeskind-Zuschlag?”, wollte Dr. Jürgen Rettberg in Anspielung auf das Lüneburg ,,Audimax” wissen. Darauf erwiderte Tönjes, dass er zwar nicht alle Unwägbarkeiten vorhersehen könne, aber die Summe keine Schätzung, sondern eine relativ solide Kostenberechnung sei.“

    http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/147350-die-schrottkiste-kommt-weg

  5. Den PREIS FÜR NACHHALTIGSTE LÜNEBURGBESCHÄDIGUNG

    Gibt es den eigentlich schon?

    Er müsste unbedingt dem Präsidium der Leuphana verliehen werden. Seine beiden Repräsentanten haben es in nur sieben Jahren geschafft, den Haushalt der Stadt und den Ruf ihrer Verwaltung europaweit so dauerhaft bleibend zu beeinträchtigen, dass die Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ein Einsehen haben und die Leuphana Universität Lüneburg als erste von bundesweit 18 Organisationen (Elphilharmonie Hamburg, Bischof von Limburg, Flughafen Berlin, ADAC München, etc.) für ihre in aller Öffentlichkeit vorbildlich betriebene Destruktion institutioneller Handlungsfähigkeit auszeichnen sollte.

    Und falls demnächst auch ein PREIS FÜR DIE INSZENIERUNG PARLAMENTARISCHEN IDIOTISMUS ausgelobt wird, kann es ebenso keinen Zweifel geben. Verdient haben ihn vor allen anderen der Operettenintendant und der Theatervize der Leuphana Universität in Lüneburg. Ihnen ist es gelungen, Behördenvertreter und Landespolitiker mit Hilfe von Powerpoint-Präsentationen und computersimulierten Schaubildern unterstützt von Reklamgeschwafel und Optimierunsrethorik im Verein mit mangelndem Sachverstand und schwerer Planungsschlamperei (HAZ vom 27. Februar 2014) so lange von der Inhaltslosigkeit ihrer gebetsmühlenhaft repetierten Finanzierbarkeitsbeteuerungen abzulenken, bis die über-hundert-Millionen-Euro-Falle aufgestellt war und den gewählten Akteuren aller vier in Hannover brillierenden Parteien nur noch blieb, eben das lachhafte Schauspiel keifender Ratlosigkeit aufzuführen, von dem der oben gedruckte Artikel über die „Aktuelle Stunde“ im Niedersächsischen Landtag am Mittwoch, dem 26. Februar 2014 eine ebenso bestürzende wie abstoßende Kostprobe enthält.

  6. Fasst man´s ?

    „Risiken minimieren, Kosten vermeiden, Einsparungen durchsetzen“ hätte man sollen, als noch die Möglichkeit dazu bestand: in der Planungs- und Genehmigungsphase zwischen 2007 und 2012 nämlich. Aber anstatt sich fachmännisch in die Details einer solch komplexen Materie einzuarbeiten oder wenigstens auf derartige Fälle spezialisierte Juristen hinzuzuziehen und beizeiten mit wasserdichten Vorlagen den Rechtsweg zu beschreiten, um die von Profilierungsgier und Aufbruchsgeschwalle besoffenen schwarz-gelben Erfüllungsgehilfen der präsidialen Audimax-Geisterfahrer zum genaueren Hinsehen zu zwingen, wurden wohlfeile „politische“ Protestnoten für Sitzungsdokumente und Empörungsadressen für die Homepagereklame aufgesetzt.

    “Schönreden und Schönrechnen helfen nicht weiter”, sagte die Ministerin am Mittwoch im Landtag. Ist das in dieser Allgemeinheit zutreffend? Immerhin haben VOR ALLEM “Schönreden und Schönrechnen“ am Bockelsberg geholfen, die Lage von heute zu schaffen, in der die Zentralgebäudekatastrophe über den Rand des momentanen monetären Infarkts hinausreifen konnte.

    „Die Grünen hatten eine Aktuelle Stunde zu dem umstrittenen Projekt (…) angemeldet.“ Und sie hätten unsre volle Sympathie, wenn mehr damit beabsichtigt gewesen wäre, als bloß auf „das Motto“ aufmerksam zu machen, „Rot-Grün muss schwarz-gelbe Suppe auslöffeln“. Das klingt doch sehr nach der zeitungsrelevanten Händewascherei von Marketingfreund und PR-Stratege Pontius Pilatus, der von der lynchlustigen Meute Absolution fürs historische Protokoll begehrte, um sich dann sogleich ihrem Willen zu beugen und das mit vollem Recht für Unrichtig erkannte mit professioneller Sorgfalt weiter zu verfolgen. Und so hören wir von der Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) auch nicht, dass sie einen Untersuchungsausschuss befürworte, der sich bemüht, die Versäumnisse und Manipulationen um das Finanz-Fiasko zu klären, sondern wir vernehmen, sie wolle „den Libeskind-Bau an der Lüneburger Universität vorantreiben“.

    Dass die Rot-Grüne „Koalition (…) für die Kostenexplosion beim Zentralgebäude der Leuphana haftbar gemacht“ werde, steht wohl kaum zu befürchten. Da können wir „die Rot-Grüne Koalition“ beruhigen. „57,7 Millionen Euro sollte der futuristische Bau ursprünglich mal kosten. Inzwischen geht die Oberfinanzdirektion Niedersachsen von 91,1 Millionen Euro aus und nennt als schlimmsten Fall sogar eine Gesamtsumme von 125 Millionen Euro.“ HAFTEN für die überzähligen 67, 3 Millionen Euro – wenn es denn dabei bleibt! – wird das Steuervolk in Niedersachsen und im Landkreis Lüneburg. „Die Rot-Grüne Koalition“ wird sich allenfalls fragen lassen müssen, was sie – außer in „Aktuellen Stunden“ weitestgehend sinnfreie Lamentos abzusondern – getan hat, um das zu verhindern, und was sie getan hat, um die Verantwortlichen dieser Räuberei („SPD, Grüne und die Ministerin machten deren CDU-Vorgänger Lutz Stratmann und Johanna Wanka für das Finanzdesaster verantwortlich.“) zur Rechenschaft zu ziehen.

    Von Jörg Hillmer, der inzwischen zum „CDU-Wissenschaftsexperten“ promoviert wurde (Von wem eigentlich? Vom Kollegen Doktormann oder vom Präsidenten der Universität Potsdam?), und dem „FDP-Parlamentsgeschäftsführer Christian Grascha“ ist natürlich nicht mehr zu erwarten, als die üblichen Vorwürfe über „Verzögerung und mangelnde Entscheidungsfreude“. Dass SIE entschieden und unverzüglich für einen parlamentarischen Ausschuss zur Untersuchung von Sachverhalten plädieren, deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt, liegt mit Sicherheit weder im Interesse ihrer Parteibruderschaftsraison noch im Interesse ihres ganz persönlichen Fortkommens.

    Stattdessen übt sich Baustellenbegeher und Dressman Hillmer, der als Trümmertourist immer noch Zeit für ein Selfie vor Millionengrabkulisse findet (Siehe das mehr als genug erzählende Foto über dem LZ-Artikel: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/146900-schlagabtausch-ueber-libeskind-bau-im-landtag), im Gebrauch der deutschen Sprache: “Das Schiff treibt führungslos in der See, und Sie wissen nicht, ob Sie dafür oder dagegen sein sollen”, schimpft er zu seiner Ministerin hinüber. Von welchem „Schiff“ redet unser kleiner Kapitän Schettino? Ist es der von ihm und seinen Freunden auf Grund gesetzte Lüneburg-Libeskind-Luxusliner, den sie vorzeitig verlassen mussten, nachdem sich herausgestellt hatte, sie kümmerten sich mehr um Pressetermine und Sektempfänge auf Steuerbrücken, statt um die Begutachtung von Finanzierungsrouten und Planungsnavigation?

    „Die schwarz-gelbe Landesregierung habe alle Warnungen in den Wind geschlagen, die Kontrolle vernachlässigt und so den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus dem Prestige-Projekt verpasst. ‚Dieser Umgang mit Steuermitteln war grob fahrlässig‘, erklärte Gabriele Heinen-Kljajic.“ Bei DIESER Feststellung wird ihr kein unparteiischer Beobachter widersprechen. Und Capitano Hillmer ist seit März 2003 Mitglied des Niedersächsischen Landtags, FDP-Schiffsjunge Grascha seit dem 27. Februar 2008. Beide hätten also als Fraktionsgenossen der „schwarz-gelben Landesregierung“ ausreichend Gelegenheit gehabt, „mit Prüfaufträgen an die Oberfinanzdirektion und den Landesrechnungshof“ ihren Pflichten im Hinblick auf den Leuphana-Bau nachzukommen. Hätten sie es getan, brauchten sie Gabriele Heinen-Kljajic jetzt nicht vorzuhalten, sie erkaufe sich durch solche notwendigen Erkundigungen „lediglich Zeit. Zeit, die wegen des Verfalldatums der EU-Fördermittel nicht beliebig verfügbar sei.“

    Aber auch „die Ministerin kündigte [auf der einen Seite] an, dem Haushaltsausschuss ‚in Kürze‘ eine Nachtragsbauunterlage, einen Finanzplan und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorlegen zu wollen. Mit dieser Rechnung, die in zwei bis vier Wochen erwartet wird, sollen mögliche Alternativen wie Abriss und Errichtung eines billigeren Zweckbaus geprüft werden.“ Auf der anderen Seite „gilt inzwischen aber als ausgemacht, dass das Ministerium an dem Libeskind-Gebäude festhalten will.“

    Verrückte Welt. Man lässt „mögliche Alternativen“ prüfen, aber das Ergebnis steht bereits fest. Und: Eineinhalb Jahre nach Baubeginn will man doch noch „einen Finanzplan und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorlegen“! Eine „Wirtschaftlichkeitsbetrachtung“ beinhaltet auch eine Antwort auf die Frage, was der Erhalt des vielleicht einmal fertiggestellten Gebäudes an Geld verschlingen wird. Steht auch schon fest, wer dafür aufkommen wird?

    Und warum will man weiterbauen, egal was die Expertise sagt? „Ein Baustopp käme mindestens genauso teuer, heißt es in Hannover. Schließlich müssten nicht nur die laufenden Verträge finanziell erfüllt und ein neues Gebäude bezahlt werden; auch die EU-Mittel würden dann wohl wegfallen.“

    Ist das nicht herrlich? Bei den „EU-Mitteln“ trifft sich die große Koalition der realpolitischen Bau-Kompetenz. Sechs Jahre lang hat man das inferiore Treiben zweier Präsidentenschauspieler aus Lüneburg vor sich hindösend aus dem parlamentarischen Armsessel verfolgt und darauf spekuliert, bei der Eröffnungsfeier ihres neobarocken Universitätspalastes der Bundeskanzlerin zu begegnen, und nun lässt man sich vom Verfallsdatum von EU-Subventionen hetzen, deren Höhe von einer veranschlagten Summe abhängt, die längst um mehr als einhundert Prozent angewachsen ist, und deren Auszahlung auch davon abhängt, ob sich der Verdacht der Untreue gegen einen der Akteure bewahrheitet, aber vor allem davon, ob man es hinbekommt, bis Ende 2015 ca. 60 Millionen Euro zu verbauen. Bei den folgenden – vorläufig – 65 Millionen kann man sich dann wieder Zeit lassen bis 2019?

    “Es darf kein zusätzlicher Cent Landesmittel in diesen Bau fließen”, forderte Grascha, der sein Sparschweinchen bereits vorsorglich im heimischen Garten vergraben hat. Selbstverständlich nicht! „Stadt und Kreis sind gefordert“ (http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/145341-stadt-und-kreis-gefordert), oder genauer wohl: die Bewohner der Stadt und des Landkreises Lüneburg.

  7. Sieglinde Herbst

    Ist‘ s Wahnsinn auch, so hatt´ es doch Methode?

    Im Hamburger Abendblatt (27.02. 2014) ist zu lesen:

    »Aus der Sicht der grünen Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic ist die Universitätsleitung unter dem Präsidenten Sascha Spoun und seinem Vize Holm Keller SEHENDEN AUGES in die Finanzlücke gelaufen: „Die Kosten sind von Beginn an zu gering angesetzt worden“.«

    Was heißt „sehenden Auges“?

    „Bei vollem Bewusstsein“? „Mit Absicht“? „Geplant“? „Vorsätzlich“?

    Und wenn ja, warum?

    Kann mir das mal jemand sagen?

    • Nur unter uns (Bitte nicht weitersagen !), liebe Frau Herbst:

      Aus dem „vertraulichen“ Prüfbericht der Oberfinanzdirektion geht selbstverständlich „vertraulich“, wie könnte es anders sein, hervor, dass die Baukosten „offenbar unterschätzt ODER ABER BEWUSST ZU NIEDRIG ANGEGEBEN WORDEN“ sind.

      Entweder hat man da mit allerhöchster Inkompetenz gerechnet ODER aber man hat die Zahlen bewusst zu niedrig angesetzt, um mit der Stadt und dem Land über den „Wahnsinn“ (Ihre Worte) überhaupt ins Gespräch zu kommen, die Sache auf den Weg zu bringen und so die Situation der Erpressbarkeit zu schaffen, in welcher den öffentlichen Geldverteilern offenbar nichts anderes einfällt, als „ihren“ Steuerbürgern für den „Wahnsinn“ statt der anfänglich knapp 58 Millionen jetzt bis zu 125 Millionen aus der Tasche zu leiern.

      Es kursiert aber auch die Vermutung, man habe „die Zahlen bewusst zu niedrig angesetzt“, gerade WEIL man „da mit allerhöchster Inkompetenz gerechnet“ hat – und zu Recht, wie es scheint, auch rechnen konnte, – nämlich mit der allerhöchsten Inkompetenz unter eben jenen „wahlamtlichen“ Geldverteilern, die sich nun ihre unschuldig aufgetanen Politiker-Äuglein reiben, während keiner von ihnen der Esel sein will, der sie doch einer wie der andere allesamt sind – auf unsere Kosten.

      Wer „man“ ist und „das Projekt“ mit dieser gewissen Energie voranfingerte, von der in Kriminalromanen so häufig die Rede ist, dürfen Sie dreimal raten.

      Mehr zu den „vertraulichen“ Einzelheiten des wahrhaft präsidialen Bubenstücks erzählt „ganz im Vertrauen“ die HAZ vom vergangenen Donnerstag:

      «PLANUNG DES LEUPHANA-BAUS OFFENBART SCHWERE FEHLER

      Bei der Planung des umstrittenen Zentralgebäudes der Leuphana-Uni in Lüneburg ist es vermutlich 2011 zu schweren Fehlern gekommen. Das geht aus dem vertraulichen Prüfbericht der Oberfinanzdirektion hervor, der der HAZ vorliegt.

      Von Klaus Wallbaum

      Hannover. Unter dem Strich wird mit wahrscheinlichen Risiken in Höhe von mindestens 15,1 Millionen Euro gerechnet. Der ursprünglich auf 57,7 und später auf 76 Millionen Euro geschätzte Bau könnte dann 91 Millionen Euro kosten.

      Der Prüfbericht nennt notwendige „Massenmehrungen“. Die erforderlichen Baumaterialien und Arbeiten sind offenbar unterschätzt ODER ABER BEWUSST ZU NIEDRIG ANGEGEBEN WORDEN. Zusätzliche Nutzerwünsche fallen mit 3,8 Millionen Euro ins Gewicht. Der OFD-Bericht listet mehrere Mängel auf: Die zunächst auf 31 Millionen Euro geschätzte Baukonstruktion wird um 5,4 Millionen Euro teurer – weil die Statik falsch berechnet und das Brandschutzkonzept nicht genug beachtet worden war. Die Kosten für das Ausheben der Baugrube waren um 86 Prozent zu niedrig angegeben – denn die notwendige „Umschließung“ wurde vergessen. Die Mehrkosten betragen 387.000 Euro. Für die Außenwände müssen 750.000 Euro mehr aufgebracht werden, das liegt auch an einer anderen, stabileren und weniger feuerempfindlichen Betonart. Für die Außenwände werden 106.000, für die tragenden Innenwände 243.000 Euro zusätzlich fällig. Laut OFD werden für die Dachkonstruktion weitere 1,1 Millionen Euro nötig, weil die Preise 2011 zu niedrig angesetzt worden seien. Eigentlich sollten die Dächer 2,75 Millionen Euro kosten, wegen der Statik wird die Nachbesserung nötig, der Preis steigt um 35 Prozent. Die Dachluken kosten 230.000 Euro mehr, und für die Baugerüste müssen 1,2 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben werden. Steigerungen gibt es auch bei den technischen Anlagen – statt 11 Millionen sind 19,6 Millionen erforderlich, vor allem wegen zu niedriger Ansätze für Wärmeversorgung, Stromanlagen, Heizungen, Belüftung und Wasserleitungen. Für die Beleuchtung müssen 750.000 Euro mehr aufgebracht werden. Das liegt auch daran, dass 200 Stehleuchten für die Büros angeschafft werden sollen. Die Kosten für Lautsprecher- und Videoanlagen sind sogar um 390 Prozent (das sind 706 000 Euro) gestiegen.

      Im Landtag wurde am Mittwoch heftig über die Leuphana gestritten. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) sagte, die Fehler fielen in die Verantwortung von Schwarz-Gelb. Jörg Hillmer (CDU) warf Rot-Grün vor, ein Jahr lang nicht gehandelt zu haben. Stadt und Kreis Lüneburg könnten an den Mehrkosten beteiligt werden.»

      Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung, veröffentlicht: Donnerstag, 27.02.2014 07:24 Uhr, aktualisiert: Sonntag, 02.03.2014 00:15 Uhr

      Link: http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Planung-des-Leuphana-Baus-der-Universitaet-Lueneburg-offenbart-schwere-Fehler

  8. Ist schon geklärt, wie das Gebäude finanziert wird? Oder muss Holm Keller wie beim Standort Volgershall ohne jeden Sinn noch mehr Tafelsilber verscherbeln, um das Millionengrab am Bockelsberg zu retten?

  9. Franz Beckenbauer

    … hat unter dem Pseudonym „Jo Bembel“ kürzlich in anderem Zusammenhang an einen seiner gesanglichen Welterfolge erinnert, der ebenfalls sehr schön den Hintergrund beschreibt, vor dem man sich die schauspielerische Leistung aller Hauptfiguren vorstellen muss, die in der Audimax-Geldverschwendungskomödie nach wie vor auftrumpfen, als hätte das Schicksal Regie geführt und nicht dumme Dreistigkeit das Stück gemeinsam mit dreister Dummheit einstudiert und zur Aufführung gebracht:

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Lass doch die andern reden
    Was kann uns schon geschehn
    Wir werden heut und morgen
    Nicht aus unseren Ämtern gehn

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Projekt-Glück kannst du leicht ertragen
    Wenn die Leuphana-Sonne scheint
    Aber in finanzlückenbeschwerten Tagen
    Da brauchst du einen ministerialen Freund

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Gute Freunde kann niemand trennen
    Gute Freunde sind nie allein
    Weil sie eines im Leben können
    Füreinander da zu sein

    Gute Freunde
    Gute Freunde
    Gute Freunde
    Gute Freunde

  10. Auf der Homepage der Leuphana (http://www.leuphana.de/campus/entwicklung/finanzierung.html) ist noch immer ungemein Beruhigendes zu lesen, das von großer Aufrichtigkeit und Verantwortung zeugt und nebenbei einen Beweis dafür liefert, wie sehr dem Leitungspersonal auch an „Menschen“ aus Lüneburg und Niedersachsen liegt, „die aktiv werden wollen und bereit sind, für ihre Überzeugungen Position zu beziehen. Menschen mit Leidenschaft und Lust auf Verantwortung, die voneinander und miteinander lernen und ungewohnte Sichtweisen entdecken wollen – auf die Welt, aufeinander, auf sich selbst.“

    « Finanzierung

    DIE SICHERSTELLUNG DER FINANZIERUNG der kalkulierten Planungs- und Baukosten stellt einen wesentlichen Bestandteil der Bauvorbereitungen dar und hat dank der Unterstützung starker Partner zu einem TRAGFÄHIGEN GESAMTKONZEPT geführt.

    DIE PLANUNGSKOSTEN für das Zentralgebäude konnten durch Eigenleistungen der Universität GESENKT WERDEN. Der von Daniel Libeskind initiierte partizipatorische Entwurfsprozess hat darüber hinaus kreative Auseinandersetzungen angeregt, durch die in vielen Fachbereichen der Leuphana verwertbare Ergebnisse für die Realisierung und Ausgestaltung der neuen Gebäude entwickelt wurden.

    Die Finanzierungsbestandteile im Einzelnen

    • Land Niedersachsen: 21 Mio. Euro (Universitäre Nutzungen)
    • Europäische Union: 12,840 Mio. Euro einschließlich anteiliger Kofinanzierung, ohne Overhead/Gemeinkosten (Forschungszentrum, Graduate School, Professional School)
    • Landkreis Lüneburg: 2 Mio. Euro (Kooperation; Kongresse, Veranstaltungen)
    • Stadt Lüneburg: 5 Mio. Euro (Kooperation; Kongresse, Veranstaltungen)
    • Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi): 2,00 Mio. Euro (Förderung Energieoptimiertes Bauen)
    • Evangelische Kirche: 0,200 Mio. Euro (Raum der Stille)
    • Katholische Kirche: 0,200 Mio. Euro (Raum der Stille)
    • Klosterkammer Hannover: 0,009 Mio. Euro (Raum der Stille)
    • Rheinzink AG: 0,500 Mio. Euro (Sponsoring Materialbearbeitung)
    • Stiftung Universität Lüneburg: 1,891 Mio. Euro (Zweckgebundene Rückstellungen der Universität)
    • Stiftung Universität Lüneburg: 3,060 Mio. Euro (Vorsteuerabzug gemäß Umsatzsteuererstattung)
    • Stiftung Universität Lüneburg: 2,599 Mio. Euro (Risikovorsorge der Baukostensteigerung)
    • Stiftung Universität Lüneburg: 9 Mio. Euro ((Teil-)Abnutzung der Liegenschaften Volgershall und Rotes Feld gemäß Verkehrsgutachten zur Rückführung der über die unternehmerische Nutzung hinaus erstattete Vorsteuer)

    • Verfügbare Mittel gesamt: 60,299 Mio. Euro
    • Berechnete Baukosten: 57,700 Mio. Euro »

    „Verfügbare Mittel gesamt: 60,299 Mio. Euro“ ! Das ist doch fabelhaft ! Dann fehlen ja zu den neu berechneten Baukosten von 125 Millionen Euro gar nicht 67, 3 Millionen, sondern bloß noch 64,701 Millionen Euro !

    Wenn das so ist, dann wartet man doch gerne noch zwei, drei Jahre auf „die korrigierte Darstellung“ des universitären “ Finanzierungskonzepts“, das „durch Beschluss des Stiftungsrates vom 7. Juni 2013 geändert wurde“ und seitdem die „Kürze“ von nunmehr erst neun Monaten überfällig ist.

    Und auch die Anschaffung von „200 Stehleuchten für die Büros“ zum Stückpreis von 3.750 Euro beurteilt man mit viel größerem Verständnis.

    Wahrhaftig, das alles ist „Europaweit einmalig“.

  11. Ich liebe Leuphana-Else

    Zum Selbstanpreisungsgeplapper unseres uniquen Selling Proposers, Herrn Sascha Spoun, dem präsidialen Millionenverbaumeister des Libeskind-Audimax, hat Frau Else Hinnersen in der Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 3. März 2014 einen bemerkenswerten Kommentar verfasst (http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/148122-bei-qualitaet-im-oberen-drittel#comment-2830), der es wert ist, im Gedächtnis bewahrt zu werden:

    « Ohne auch nur ein Wort über den von ihm mit zu verantwortenden Hundert-Millionen-Skandal um die Bauruine des byzantinischen Protz-Doms im Vorgarten seiner Fachhochschule zu verlieren, ergreift Herr Spoun hier die ihm von der Landeszeitung gebotene Ballyhoo-Gelegenheit, um schwammiges Werbegerede über ein schwammiges Thema zu gießen.

    Angst, sein ohnehin blasses Gesicht in der Öffentlichkeit vollständig zu verlieren, beziehungsweise Sorge, das, was davon noch übrig ist, zu wahren, kennt er offenbar nicht.

    Dass Betreuungsrelationen an Hochschulen nur Durchschnittswerte sind, die von Fach zu Fach oder sogar von Dozent zu Dozent sehr unterschiedlich ausfallen können, wird nicht erwähnt. Und dass ein gutes quantitatives Verhältnis von Lehrenden zu Lernenden vielleicht notwendige Voraussetzung, aber keineswegs zureichende Gewähr für die Qualität der Ausbildung ist, kommt ebenfalls nicht zur Sprache.

    Außerdem trifft es einfach nicht zu, dass das “Studienmodell” der Leuphana, dieser “in Deutschland eine besondere Position verschafft” hat. Die Aussage wird auch durch permanente lautstarke Wiederholung in Vorträgen, Zeitungsartikeln und Rundfunkinterviews nicht wahr. Selbst dann nicht, wenn eine grüne Landesministerin leuchtende Augen bekommt, sobald das “Konzept”-Geschwätz auf „britischer“ Recyclingpappe gedruckt und mit der Leerformel “Nachhaltigkeit” angepriesen wird. Die Ausrichtung am “angelsächsischen College-Modell” ist (leider) seit mindestens zwanzig Jahren ein, nein, der einzige Trend in der gesamten deutschen Hochschullandschaft. Man kann ihn auch als besinnungslos rasende Reise in einem Zug ohne Zugführer bezeichnen, der kein Ziel mehr, sondern nur noch einen Arbeitsmodus kennt: die “Effizienz” des Hochschulsystems nämlich, das nicht mehr auf Bildung angelegt ist, sondern auf schnellsten Erwerb verwertbaren Wissens. Auf diesen Zug ist die Leuphana als einer der leichtgewichtigeren Trittbrettfahrer 15 Jahre nach Abfahrt bloß aufgesprungen, gebärdet sich aber, als sei sie sein Erfinder.

    Das ist sie nicht. Aber anstatt froh zu sein, dass man ihr wenigstens diesen Vorwurf nicht machen kann, toben ihre “Repräsentanten” als besonders unangenehm gellende Marktschreier durch alle Abteile (vornehmlich natürlich der Luxusklasse, in der Spendierhosen getragen werden,) und behaupten, etwas über die Lokomotive zu wissen. Ihre „Slogans“ kreischen etwas von „Exzellenz“, „Premium“ und „Elite“ und bedeuten doch nur „Geldvermehrung“, „Anpassung“ und „Pofitmentalität“. Sieht man sich einmal die “sieben Leitthemen” an, die nach Meinung der Leuphana-Vermarkter “die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts prägen werden” und die ihr Studienangebot zusammenfassen, hat man alles an Mainstream und Buzzwords beisammen, was jeder “Corporate-Academy” jeder x-beliebigen Unternehmensberatung zur anspruchslosen Ehre gereicht, die vor allem eines möchte: ihren marktgängigen, „akademisch“ getarnten Phrasenfirlefanz ans orientierungsbedürftige und glaubensbereite „Topmanagement“ verkaufen.

    » Kunst und Kulturwissenschaften » “Rege Kontakte in die Kunstszene. Diese wiederum profitiert von dem wissenschaftlichen Know-how, das sich an der Ilmenau versammelt.”

    » Demokratie und ihre Zukunft » “Wie kann sie die drängenden Probleme unserer Zeit lösen? Und wie kann sie in Zukunft wieder mehr Menschen für sich begeistern?”

    » Heterogenität und Bildung » “Wie können Lehrkräfte auf die innerweltliche Vielfalt reagieren, damit sich die Schüler gemäß ihren individuellen Voraussetzungen und Interessen entfalten können? Diese Frage nach dem Umgang mit Heterogenität gilt heute als eine der dringlichsten im deutschen Bildungssystem.”

    » Entrepreneurship und Wirtschaft » “Welche Persönlichkeitsmerkmale machen einen erfolgreichen Unternehmer aus? Wie kann man Menschen dazu motivieren, sich mit eigenen Ideen selbstständig zu machen? Und: Wie kann man dafür Sorge tragen, dass Unternehmer Nachhaltigkeits-Prinzipien zu ihrer Philosophie erheben?”

    » Digitale Medien » Medie und Medienkonsum haben sich “drastisch verändert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leuphana fragen danach, welche Möglichkeiten und Gefahren dieser Umbruch mit sich bringt.”

    » Gesundheit und gesellschaftliche Entwicklung » “Die Leuphana sucht nach Konzepten, die auch in Zukunft allen Kranken eine gerechte, qualitativ hochwertige und finanzierbare Versorgung garantieren.”

    » Nachhaltigkeit » “Wissenschaftler der Leuphana entwickeln dazu notwendige Technologien. Gleichzeitig erforschen sie, welche Rahmenbedingungen eine nachhaltige Entwicklung fördern – ob in Bildung, Gesetzgebung oder Politik.”

    Das sind ebenso hochtrabende wie diffuse, aber eben deshalb wohl „werbewirksame“ Projektionsfloskeln oder “Kundenangebote” wie sie sich in den Prospekten von allen Kadettenanstalten für Verkaufspersonal und honorarbaggernden Wirtschaftsberatungsagenturen der Republik wiederfinden.

    Deshalb entsetzt es vermutlich auch niemanden, wenn sich der Präsident einer “Universität” in aller naiven Offenherzigkeit wie folgt brüstet: “Unser breit angelegtes, stark interdisziplinär ausgerichtetes Modell bietet (…) zeitgemäße Antworten auf die aktuellen Fragen der Zivilgesellschaft.” Von der bizarren Anmaßung, Studenten und “gesellschaftlichen” Kunden solche “Antworten” im Ernst “bieten” zu können, einmal abgesehen: Dass es nicht Sache eines wie immer “angelegten” oder “ausgerichteten” Hochschul-”Modells” sein kann, “ANTWORTEN zu bieten”, sondern im Gegenteil es seine Aufgabe wäre, das FRAGEN zu ermöglichen und Mittel und Methoden ihrer Bearbeitung zu entwickeln, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Aber die Inkubation der Vernunft gebiert Ungeheuer!

    Der Leuphana-Präsident agiert wie der Pressesprecher einer Firma. Kein Wunder, auch seine Ausbildungskaserne ist ein wirtschaftlich durchratonalisierter Drillbetrieb. Und ihre Existenz ist, wie die fast aller anderen “pisageschockten”, „bolognazerrütteten“, den Imperativen des Ökonomismus gehorsamst vorauseilenden “Humankapital”-Schmieden, zunehmend von den Zuwendungen großer Firmen abhängig. Folglich klingen Seminarthemen, die der Deutsche Hochschulverband seinen Professoren-Mitgliedern anbietet, so: „Was verstehen die Angelsachsen unter einer gelungenen Präsentation?“, „Der erste Eindruck zählt: Auftritts- und Eröffnungstechniken“, „Wie stelle ich mich, meine Kollegen, mein Institut und/oder meine Universität selbstbewusst dar?“, „Besonderheiten der Körpersprache“, „Hat der Wissenschaftler Verschwiegenheitspflichten gegenüber Presse oder anderen Externen?“, „Wie tritt er gegenüber Kollegen auf?“.

    Vorbei – so scheint es – die Zeit, als Wissenschaft vor allem durch Inhalte punktete. Vorbei die Zeit, als Forschung auch oder vor allem Respekt und Demut (vor dem Forschungsgegenstand und vor dem Wissen und Können anderer) bedeutete. Der zeitgemäße Professor hat sich die gleichen Präsentationstechniken anzueignen, die der Pharmareferent oder der Sportartikelverkäufer in einer Schulung vermittelt bekommt. Der Professor ist der Verkäufer seiner Wissensware. Zugleich kontrolliert das Pressereferat, ob der professorale Verkäufer seine Ware auch angemessen bewirbt, sprich: ob er oder sie das „Richtige“ gegenüber der Öffentlichkeit, den Medien sagt.

    Bei allem betrüblichen Einheitsbrei, den Herr Spoun hier als eine persönlich gewürzte Cluster-Leistung feinster leuphanatischer Kochkunst zahlungskräftigen „Wissensgesellschaftern“ aus Politik und Industrie auftischen möchte, sollte allerdings eines nicht vergessen werden: Wenn es ein “Alleinstellungsmerkmal” gibt, dass dem Präsidium der Leuphana “in Deutschland eine besondere Position verschafft” hat – und zwar “nachhaltig” -, dann ist es das Steuergeldfiasko, das Unehrlichkeit und Versagen in der Angelegenheit “Libeskind-Bau-Lüneburg” heraufbeschworen hat. »

    • .. es gibt nach meinem Kenntnisstand nur noch eine einzige Lösung :
      alle Baukosten auf den Tisch , Nachfinanzierung, weiter bauen und sich über einen Libeskindbau freuen ,
      auch wenn es die Ilmenau-Philharmonie in Lüneburg wird …

  12. Tolle Einstellung, Wolfgang !

    Wenn ich Sie richtig verstehe, muss ein Schaden nur groß genug sein, damit man sich um seine Urheber nicht mehr zu kümmern braucht.

    Ginge es nach Ihnen, könnten die vier zuständigen Wirtschaftsstrafkammern des Landgerichts Stade wohl einfach aufgelöst werden?

    Die beschäftigen sich unter anderen mit Straftaten des Subventionsbetruges, des Kapitalanlagebetruges, des Steuerrechts, des Kreditbetruges, des Bankrotts, der Gläubigerbegünstigung und der Schuldnerbegünstigung, der wettbewerbsbeschränkenden Absprachen bei Ausschreibungen sowie der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr, ferner auch mit Straftaten der Vorteilsgewährung, der Bestechung und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt.