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Aufgeschüttetes Erdreich und ein Graben, viel mehr ist aktuell noch nicht zu sehen. Doch das Schild an der Baustelle gibt Aufschluss, was der ADAC in Kaltenmoor plant. Foto: t & w
Aufgeschüttetes Erdreich und ein Graben, viel mehr ist aktuell noch nicht zu sehen. Doch das Schild an der Baustelle gibt Aufschluss, was der ADAC in Kaltenmoor plant. Foto: t & w

Auf dem Sprung

ahe Lüneburg. Die Lage ist idyllisch. Am Rande Kaltenmoors zwischen dem Wohngebiet In den Kämpen und der Kleingartenanlage an der Dahlenburger Landstraße bietet ein kleiner Wald mit angrenzender Grünanlage Erholung im hektischen Alltag. Bei Spaziergängern, Joggern, Radfahrern, Hundebesitzern und Kindern ist das Areal gleichermaßen beliebt. Seit einigen Tagen sind dort nun auch zwei große Erdhaufen und ein Graben zu sehen. Der ADAC baut auf einer Wiese eine Fahrradsportanlage. Manch ein Anwohner sieht dadurch das Idyll gestört.

Jürgen Wascheidt wohnt seit 14 Jahren In den Kämpen. Nahezu täglich geht er durch den kleinen Grüngürtel spazieren. Als er jetzt mal wieder mit seiner Frau dort unterwegs war und die Erdbewegungen entdeckte, war er völlig perplex: ,,Die bauen da mitten auf einer Wiese, mitten in der schönen Natur, die doch für 10000 Kaltenmoorer eine beliebte Ausgleichsfläche ist. Dürfen die das denn überhaupt?“

Dürfen sie, beruhigt die Stadt. Deren Sprecher Daniel Steinmeier sagt: „Wir sind in sämtliche Planungen involviert und haben eine Baugenehmigung erteilt, die aber natürlich auch mit Auflagen verbunden ist. So dürfen zum Beispiel für den Bau keine Bäume angefasst werden, auch hinsichtlich der späteren Lärmentwicklung gibt es quasi Verhaltensregeln.“

Im Grunde ist der ADAC auch kein Neuling auf dem Areal, er hat es schon vor drei Jahren von der Stiftung Hof Schlüter gepachtet. Auf der Suche nach einem stadtnahen Areal wurde der Verein hier fündig. Ein paar Meter von den aktuellen Erdhaufen entfernt liegen seither schon Betonrohre, Lkw-Reifen und Baumstümpfe, die den Fahrradsportlern schon länger als Hindernisse dienen. Carsten Witthöft vom ADAC-Ortsclub Lüneburg erklärt: „Wir planen die Anlage schon seit längerem, aber bisher fehlte das Geld. Wir müssen das alles selbst stemmen. Eine komplette Anlage würde 15000 bis 25000 Euro kosten, das Geld haben wir nicht. Deshalb realisieren wir quasi immer Abschnitte, es geht Stück für Stück voran. Jetzt haben wir eben den ersten Erd­aushub getätigt.“ Vor allem der Nachwuchs soll hier über Rampen fahren und Schanzen springen und für Wettbewerbe trainieren. Der Standort sei extra wegen des angrenzenden Bolzplatzes gewählt worden. „Alle Auflagen werden von uns selbstverständlich eingehalten“, verspricht Witthöft.

Zuletzt haben die Nachwuchs-Radsportler des Vereins, der im Mountainbike-Sektor Trenddisziplinen wie Downhill oder Dirt mit allerlei Sprüngen und Tricks in der Luft anbietet, auf dem Flugplatz trainiert. Witthöft: „Wir sind mit dem Luftsportverein befreundet und durften freundlicherweise einen Hangar nutzen. Aber jetzt wird der wieder für die Flugzeuge benötigt, deshalb müssen wir aus der Halle raus.“ Natürlich gebe es auch Trainingsmöglichkeiten auf dem ADAC-Gelände in Embsen, doch das ist nicht stadtnah. Die meisten Eltern könnten ihre Kinder nicht ständig mit dem Auto dorthin fahren.

Jeden Sonnabend in der Zeit von 14 bis 16 Uhr wird deshalb auf dem Areal in Kaltenmoor trainiert, in den wärmeren Monaten zusätzlich dienstags und freitags. Trainer seien stets vor Ort, die jüngsten der meist 15 bis 20 Teilnehmer seien gerade mal vier Jahre alt und meistern mit Laufrädern ihren ersten Parcours, aber auch 59-Jährige seien mal dabei. „Wir möchten vor allem Jugendlichen was bieten, sie beim Sport halten“, sagt Witthöft. „Wir machen ja auch keinen großen Lärm, fahren da nicht mit motorisierten Zweirädern.“ Auch in die Gestaltung der Anlage seien die Mädchen und Jungen aktiv mit einbezogen. „Wir übernehmen alles Administrative, aber die Jugendlichen packen beim Bau kräftig mit an.“ Umso trauriger sei es, dass manch ein Spaziergänger die jungen Sportler dort nicht gerne sieht. „Sie wissen gar nicht, was die sich teilweise anhören müssen von den Leuten, die werden regelrecht angepampt“, hat Witthöft wenig Verständnis für die Umgangsformen einiger Kritiker.

Mehr Informationen über den Verein gibt es unter www.ortsclub-lueneburg.de im Internet.

3 Kommentare

  1. Wer als Radler seinem schönen Sport bei diesem heuchlerischem Verein der Auto-Lobby nachgeht, kann nicht alle Speichen am Rad haben.
    Niemand sollte so Dumm sein, diesem Verein beim Verschleiern seiner wahren Ziele zu unterstützen.

  2. Zu schön ist immer der Hinweis auf solchen Schildern: „Eltern haften für ihre Kinder“. Dieser Hinweis ist nahezu unwirksam. Kinder bis zum siebten Lebensjahr sind nicht Deliktfähig. Solange den Eltern keine grobe Verletzung ihrer Aufsichtspflicht nachgewiesen werden kann, sind sie auch nicht für ihre Kinder haftbar. Der Bauherr dagegen ist schon haftbar zu machen wenn er seine Baustelle nicht ausreichend sichert. So ein 08/15 Schild befreit ihn mit Sicherheit nicht von seiner Haftungspflicht. Zum Beispiel für Personenschäden, die durch eine ungesicherte Baustelle entstehen.

  3. Tatsächlich… es tut jemand was damit die Jugend von der Straße kommt und eine Beschäftigung hat. Was passiert? Es wird gleich wieder gemeckert. Mit keinem Wort wird gewürdigt daß ein e.V. (mal nachlesen was das Bedeutet liebe Leser) Geld investiert um das zu tun was alle immer fordern.