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LCM-Chef Heiko Meyer (r.) begrüßte das Quartett, das sich um den Posten als Oberbürgermeister in Lüneburg bewirbt: (v.l.) Amtsinhaber Ulrich Mädge (SPD), Claudia Schmidt (Grüne), Eckhard Pols (CDU) und Michèl Pauly (Linke). Foto: be
LCM-Chef Heiko Meyer (r.) begrüßte das Quartett, das sich um den Posten als Oberbürgermeister in Lüneburg bewirbt: (v.l.) Amtsinhaber Ulrich Mädge (SPD), Claudia Schmidt (Grüne), Eckhard Pols (CDU) und Michèl Pauly (Linke). Foto: be

Das erste Schaulaufen

us Lüneburg. „Warum machen Sie das?“, wollte LZ-Chefredakteur Christoph Steiner im Gasthaus Krone von Ulrich Mädge (SPD), Eckhard Pols (CDU), Michèl Pauly (Linke) und Claudia Schmidt (Grüne) wissen. Der Verein Lüneburger City Management (LCM) hatte die vier Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Lüneburg anlässlich seiner Jahresversammlung eingeladen, vor den rund 100 anwesenden Gästen und Mitgliedern ihre Motive und politischen Ziele vorzustellen, Steiner moderierte die Diskussionsrunde.

„Hier kann man noch Einiges bewegen“, sagte Amtsinhaber Ulrich Mädge, der sich auch noch nicht zu alt fühle, diese Aufgabe als 63-Jähriger weiter auszuüben, schließlich gebe es ja mit dem amtierenden Finanzminister Wolfgang Schäuble auch bei der CDU in Berlin entsprechende Vorbilder. Warum es bei Eckhard Pols so lange gedauert habe, bis er sich zur Kandidatur durchgerungen hat, mochte dieser zwar nicht erklären, dafür aber, dass er als Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat quasi automatisch als OB-Kandidat gesetzt sei. „Außerdem kenne ich die Stadt von null an“, sagte Pols, dem es wichtig war, zu betonen, dass er und seine fünf Kinder in Lüneburg geboren sind.

Claudia Schmidt musste erklären, wieso die Lektüre der „Financial Times“ sie zur Übernahme dieses anspruchsvollen Amtes befähige was ihr nur mit Mühe gelang, zumal Steiner sie daran erinnerte, dass die Zeitung gar nicht mehr am Markt ist. Sie bekräftigte aber erneut, immer schon Interesse an wirtschaftlichen Themen gehabt zu haben. „Ich habe im Rat einiges gelernt und keine Angst, an Politik heranzugehen“, machte ein selbstbewusster Michèl Pauly deutlich. Dies sei auch nicht abhängig vom Alter, wie der mit knapp 30 Jahren jüngste Kandidat der Runde befand.

Doch dann ging es zur Sache: Was sie als künftige OBs unternehmen wollten, um das Kaufhaus Lüneburg attraktiver zu machen? Pols erklärte, zwar wolle er mit Vermietern sprechen, um dem Leerstand in der Innenstadt zu begegnen, grundsätzlich aber solle Politik nicht allein bestimmen, sie könne nur Rahmenbedingungen setzen. Widerspruch gab es dazu von Pauly. Politik müsse und könne mehr tun, so sei Leerstand zu vermeiden, indem nicht nur mehr Kultur in die Stadt geholt werde, sondern leerstehende Räume für die Dauer der Nichtvermietung an kulturelle Gruppen oder Vereine abgegeben würden, denn „Leerstand ist das Schlimmste“. Außerdem schlug er eine sogenannte One-Stop-Agency vor, eine erste Anlaufstelle der Stadt für neu hinzukommende Gewerbetreibende, um diese von zeitraubenden Behördengängen zu entlasten. Ein Projekt, das in Berlin gut angenommen werde.

Claudia Schmidt möchte „mehr Leute in die Stadt holen“, die durch breitere Fußwege und mehr Bänke attraktiver gemacht werden soll, und sie will sich dafür einsetzen, das ,,Fahrradproblem“ vor Cafés und Geschäften zu lösen. Zudem habe ihre Erfahrung gezeigt, dass ausländische Touristen gezielt nach Produkten suchen, die auch hier produziert würden. Außerdem sollte Lüneburg international stärker vermarktet werden.

„Wird es freies W-Lan für alle geben?“, wollte Steiner von Mädge wissen. Man sei mit der Telekom im Gespräch, antwortete der, konkreter wurde er nicht. Stattdessen führte er auf, was bereits umgesetzt wurde oder noch werden soll: die Verschönerung der Großen Bäckerstraße, die Einführung des „Stadt-Rads“, die Schaffung kostengünstigen Wohnraums in der Innenstadt auf dem Gelände der ehemaligen St.-Ursula-Schule sowie die Ausweisung des Wasserviertels als Sanierungsgebiet. An die Vermieter appellierte Mädge, es bei den Mietpreisforderungen nicht zu überziehen, man müsse aber auch berücksichtigen, dass es sich hier um freie Marktwirtschaft handele.

Einhellig sprachen sich alle vier Kandidaten gegen eine Vergrößerung Lüneburgs durch die Eingemeindung von Bardowick und Adendorf aus. Das sei aktuell kein Thema, sagte Mädge, ihm sei eine gute Partnerschaft ohnehin lieber als „ein Hauen und Stechen“. „Nur auf freiwilliger Basis und nur mit der Bevölkerung“, das habe jüngst der gescheiterte Versuch der Umwandlung der Samtgemeinde Gellersen zur Einheitsgemeinde gezeigt, meint Pols. Für Pauly ist eine Reform „nur durch direkten Bürgerentscheid“ akzeptabel, er ließ aber auch durchblicken, dass er durchaus für flachere Strukturen zu haben sei, anfangen würde er mit der Abschaffung der Länderebene. „Ich bin eine Verfechterin von Ortsräten“, bekannte Schmidt. Demokratie müsse im unmittelbaren Umfeld der Bürger stattfinden.

Unterschiedlich fielen die Antworten zur Gewerbesteuer aus. Während sich Schmidt und Mädge gegen eine Erhöhung aussprachen, will sich Pauly dafür einsetzen, dass künftig auch Berufsgruppen wie Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälte mit einbezogen werden. Dem schloss sich Pols an, der befand, dass die Gewerbesteuer auf „breitere Beine“ gestellt werden müsse. Allerdings wies er darauf hin, dass man „den Weg auch wieder rückwärts gehen“ müsse, sprich die Steuern auch mal wieder senken.

Beim Thema Solarbahn oder Kutsche waren sich die Kandidaten wieder einig: Die Solarbahn passe nicht zum Image der Stadt. „Man soll aber auch nicht automatisch alles ablehnen, nur weil es neu ist“, sagte Pauly. Ähnlich sieht es Pols, der anmerkte, dass man die Zielgruppe im Auge behalten müsse, „diese hat es nicht immer leicht, die Stufen der Kutsche zu nehmen“.