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Lukas Domenik Lüttchens hat aus Gummibärchen einen Klebstoff gewonnen. Foto: t&w
Lukas Domenik Lüttchens hat aus Gummibärchen einen Klebstoff gewonnen. Foto: t&w

Selbst der Hausmeister ist zu schwach

ahe Lüneburg. Gemeinhin sehen es verantwortungsvolle Eltern nicht so gerne, wenn der eigene Nachwuchs allzu häufig zur Tüte mit den Gummibärchen greift. Im Fall von Lukas Domenik Lüttchens darf der erhobene Zeigefinger jedoch unten bleiben. Der Schüler des Gymnasiums Oedeme nutzt die süße Leckerei zum Basteln. Denn aus den bunten Bärchen lässt sich ein prima Kleber herstellen. „Einfach mit Wasser aufkochen fertig. Und das Beste ist: Es dauert nicht mal fünf Minuten“, wirbt der Elfjährige selbstbewusst für das Ergebnis seiner Experimente. Seinen Kleber der Marke Eigenbau präsentiert er beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in der Lüneburger Universität.

„Das erste vollständig biologische und natürliche Klebeband, das zu Hause ruckzuck selbst hergestellt werden kann“, hat Lukas Domenik sein Projekt betitelt, mit dem er im Fachgebiet Chemie antritt. Auf die Idee kam er, als er zu Hause kleine Häuser gebastelt hat. „Dabei bleib immer so viel Klebeband übrig, das dann im Müll landete. Das fande ich nicht gut“, erzählt er. „Ich habe mir gedacht, es muss doch was geben, was man kompostieren kann.“ Also tüftelte er, probierte aus, ob sich aus Kartoffelmehl, Milch, Reispapier oder Kautschuk Kleber herstellen lässt und landete am Ende bei den Gummibärchen. „Die Gelatine gibt die innere Festigkeit, der Zucker die Klebekraft“, sagt der Gymnasiast. Zwanzig Bärchen, aufgekocht mit etwas Wasser fertig ist der Kleber, der auf Backpapier gestrichen zum Klebestreifen taugt. Ob Holz, Marmor, Porzellan alles hält mit Gummibärchenkraft. Lukas Domenik nimmt drei aufeinander gestapelte Holzklötze. „Das kriegen Sie nicht auseinander. Das schafft nicht mal unser Hausmeister, und der hat früher Eishockey gespielt.“

Alles andere als eine Luftnummer: Caspar Appel (l.) und Nik-las Martin vom Johanneum haben sich mit der Anordnung von Rotorblättern beschäftigt.
Alles andere als eine Luftnummer: Caspar Appel (l.) und Nik-las Martin vom Johanneum haben sich mit der Anordnung von Rotorblättern beschäftigt.

Auch Niklas Schöniger und Nick Piehl haben sich bei ihren Forschungen für das Fachgebiet Biologie mit Essen befasst, wenn auch mit solchem, bei dem Eltern gerne dazu raten, ein zweites Mal zuzugreifen: Obst. Das Duo des Gymnasiums Lüneburger Heide in Melbeck ist der Frage nachgegangen, ob ein Bio-Apfel oder ein konventioneller Apfel mehr Keime hat. „Wir essen beide gerne Äpfel“, erzählt Niklas. Bislang haben der 14-Jährige und sein 13 Jahre alter Mitstreiter eher zum Bio-Produkt gegriffen. Ob sich diese Vorliebe durch das Projekt geändert habe? „Na ja“, sagt Niklas. Bio-Äpfel hätten zwar weniger Schutz, weil sie nicht gespritzt werden, und dadurch auch mehr Keime, „aber wenn man sie ordentlich wäscht und nicht zu lange liegen lässt, kann man die durchaus essen.“

Gänzlich ohne Lebensmittel forschen Caspar Appel und Niklas Martin vom Johanneum, und das gleich in doppelter Hinsicht. Sie sind mit ihren „spektroskopischen Untersuchungen von künstlichen Plasmen“ in Physik vertreten, haben aber auch mit ihrer „technischen Optimierung eines Savoniusrotors“ in Technik ein Eisen im Feuer. Bei dem Rotor haben die Jugendlichen untersucht, welcher Überlappungsgrad der Rotorblätter ideal ist, damit sie möglichst viel Wind in Energie umsetzen. „Wir wollten unser Modell auch im Windkanal testen, aber der Termin ist kurzfristig geplatz, weil der Windkanal in Hamburg einen Schaden hatte“, verrät Caspar. „Als Ersatz haben wir uns einen Drucklüfter der Feuerwehr ausgeliehen. Jetzt wissen wir, dass ein Überlappungsgrad von 20 bis 50 Prozent ideal ist. Um es noch genauer zu verifizieren, wollen wir aber doch noch den Test im Windkanal machen.“ Warum sie gleich mit zwei Projekten am Start sind, erklärt Niklas: „Der Rotor ist eine Weiterführung unseres Vorjahresprojektes. Das wollten wir nicht aufgeben, dafür war es uns zu wichtig. Und über Plasmen sollten wir eine Facharbeit in Physik schreiben, das war eigentlich gar nicht für ,Jugend forscht geplant.“

Victoria Hinsch ( l.) und Hazel Brown haben Mülltüten in verschiedene chemische Substanzen aufgelöst.
Victoria Hinsch ( l.) und Hazel Brown haben Mülltüten in verschiedene chemische Substanzen aufgelöst.

Auch Hazel Brown vom Gymnasium Oedeme war schon im vergangenen Jahr beim Wettbewerb dabei. Diesmal hat die 14-Jährige gemeinsam mit der gleichaltrigen Victoria Hinsch untersucht, wie sich Müllbeutel umweltgerecht entsorgen lassen. Durch einen Zeitungsartikel über die angeblich umweltfreundlichen Bio-Beutel, die doch nicht kompostierbar sind, waren die beiden Mädchen auf die Idee gekommen. „Das ist ein hochaktuelles Thema“, findet Victoria. Für ihr Chemie-Projekt haben sie Mülltüten in Behälter mit Natriumhydroxid und Salzsäure gesteckt, auch mit Zitronensäure experimentiert. „Wir wollen erreichen, dass jeder Haushalt seine Müllbeutel umweltgerecht entsorgen kann“, beschreiben die Jugendlichen ihr ehrgeiziges Ziel. Noch haben sie nicht die Ideallösung gefunden, doch sie wollen auf jeden Fall weiterforschen, da sind sich die Mädchen einig.

Heute,Sonnabend,9 bis 10.30 Uhr, präsentieren 92 Jungforscher 56 Projekte beim vom Unternehmen Werum unterstützten Wettbewerb im Hörsaalgang der Uni der Öffentlichkeit. Danach erfahren sie, wie die Jury ihre Arbeit bewertet hat. Für die Besten in den jeweiligen Fachgebieten geht es in die nächste Runde zum Landesfinale.